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Bauhofleiter ist schon wieder weg

Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit kündigt der Chef. Warum konnte ihn die Stadt Bischofswerda nicht halten?

© Ingolf Reinsch

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda. Die Stelle des Bauhofleiters in Bischofswerda ist schon wieder vakant. Der Chef des städtischen Dienstleisters, der erst vor Kurzem seine Arbeit in der Stadtverwaltung begonnen hatte, kündigte zum 25. Mai, noch während seiner Probezeit. Zu den Gründen seiner Kündigung machte die Stadtverwaltung gegenüber der SZ keine Angaben. „Wir sind nicht befugt dazu, über seine Gründe Auskunft zu geben“, erklärte Oberbürgermeister Holm Große (parteilos). Nach SZ-Informationen war der Bauhofleiter schon in den vergangenen Tagen nicht mehr in der Stadtverwaltung tätig. Die SZ versuchte in der vergangenen Woche, ihn auf verschiedenen Wegen zu erreichen – erfolglos.

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Noch vor fünf Wochen schien die Bischofswerdaer Bauhofwelt in Ordnung zu sein. Auf der Stadtratssitzung am 24. April sollte sich der neue Bauhofleiter vorstellen und seine Gedanken zur Entwicklung des Bauhofes darlegen. Einen Tag vor der Sitzung meldete er sich krank. Als OB Große daraufhin diesen Punkt von der Tagesordnung nahm, verband er das mit einem ausdrücklichen Lob für den neuen Mann an der Spitze des Bauhofes, der sich in seine neuen Aufgaben „sehr gut eingearbeitet“ habe. Wie Holm Große jetzt auf Nachfrage erklärte, war die Kündigung am 24. April der Stadtverwaltung noch nicht bekannt. „Wir bedauern es sehr, dass der Bauhofleiter uns verlässt, da er sich in seiner Zeit sehr zukunftsorientiert mit seinen Vorstellungen zu Personal und Technik eingebracht hat“, sagte der Oberbürgermeister.

Damit verlässt der dritte Bauhofchef innerhalb von knapp anderthalb Jahren die Bischofswerdaer Stadtverwaltung. Sven Ganze, der wegen seiner Kompetenz und Kollegialität sehr geachtet war, gab die Bauhof-Leitung nach fünf Jahren im Januar 2017 auf und wechselte in die freie Wirtschaft. Sein Nachfolger war nur fünf Monate im Amt. Die Dienstzeit des jüngsten Bauhofchefs bei der Stadt, der zuvor Polier in einem deutschlandweit tätigen Bauunternehmen war, ist noch kürzer.

Kampf um Fachkräfte

Woran liegt es, dass innerhalb von 18 Monaten drei Bauhofleiter kündigen, zwei nach nur wenigen Monaten? Oberbürgermeister Holm Große sieht die Hauptursache im Kampf um Fachkräfte, in dem die öffentliche Verwaltung gegenüber der freien Wirtschaft am kürzeren Hebel sitzt. „Die Konkurrenz mit der freien Wirtschaft ist hart, der öffentliche Dienst ist für viele Spezialisten (diese Erfahrungen machen zurzeit viele Kommunen im Bau- oder IT-Bereich) nicht mehr attraktiv genug – daran können wir als Stadt aber allein nichts ändern“, sagt er. Im öffentlichen Dienst sei durch die Tarifbindung eine individuelle höhere Zahlung von Entgelt – im Gegensatz zur freien Wirtschaft – nicht möglich.

Noch während des Auswahlverfahrens im November hieß es aus der Stadtverwaltung: „Für die Stelle Leiter Bauhof haben sich viele Interessenten beworben.“ Bewerberzahlen wurden damals der SZ nicht genannt. In der vorangegangenen Bewerbungsrunde wollten noch 40 Männer und Frauen Leiter des Bauhofs werden.

Aus Kreisen des Stadtrates kommt Kritik am Auswahlverfahren. Denn Stadträte waren an den letzten beiden Entscheidungen über die Stellenbesetzung nicht beteiligt. „Das muss sich ändern. Ich möchte im Voraus wissen, wen die Stadt einstellt“, sagte ein Abgeordneter der SZ. Die Stadtverwaltung sieht dagegen keinen Handlungsbedarf, spricht im Gegenteil von „einem ganz normalen Vorgang“, der sich aus der Hauptsatzung der Stadt ergibt. Demnach sei es aufgrund der Eingruppierung der beiden letzten Bauhofleiter und der sich daraus ergebenden Bezahlung nicht erforderlich gewesen, den Stadtrat bzw. dessen Verwaltungsausschuss bei der Ernennung einzubeziehen. „Es wurde/wird immer ein reguläres Auswahlverfahren durchgeführt, bei dem neben dem Oberbürgermeister auch Fachleute der Stadtverwaltung und der Arbeitnehmervertretung (Personalrat) eingebunden sind/waren. Dazu gehören selbstverständlich auch die Frauenbeauftragte und die Schwerbehindertenvertretung“, sagt Holm Große.

Stadtrat wird darüber diskutieren

Wie schon in der letzten Vakanzzeit ist jetzt Bauamtsleiter Holger Berthel für den Bauhof verantwortlich. Die konkrete Arbeitseinteilung wird von den beiden Vorarbeitern vorgenommen. Über die künftige personelle Ausrichtung des Bauhofes werde die Verwaltung „ergebnisoffen“ mit dem Stadtrat sprechen, kündigt der OB an. Zu klären wird da auch sein, ob und wann die Stelle ein weiteres Mal ausgeschrieben wird. Auf den bisherigen Bewerberpool zurückgreifen kann die Stadt nicht, da das Bewerberverfahren abgeschlossen ist.

Trotz des personellen Problems an der Spitze ist der Bauhof mit seinen rund 20 Mitarbeitern handlungsfähig. „Unsere Bauhof-Mitarbeiter arbeiten in ihren jeweiligen Bereichen professionell. Mit hohem persönlichen Einsatz haben sie auch in der Vergangenheit die zeitweiligen Vakanzen der Stelle ausgefüllt“, sagt Holm Große. Eine Lösung auf Dauer ist das freilich nicht.