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Bautzen: Ärger beim Breitbandausbau

Viele Orte im Landkreis bekommen schnelleres Internet. Doch die Freude darüber wird oft getrübt.

Viel Arbeit für Obergurigs Bauamtsleiter Udo Brosig: Weil es wie etwa in der Bahnhofstraße beim Breitbandausbau zu Baumängeln kam, werden die Straßen und Gehwege uneben.
Viel Arbeit für Obergurigs Bauamtsleiter Udo Brosig: Weil es wie etwa in der Bahnhofstraße beim Breitbandausbau zu Baumängeln kam, werden die Straßen und Gehwege uneben. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Echte Begeisterung klingt anders: "Die ganze Überwachung und Abstimmung kostet die Gemeindeverwaltung viel Zeit und Kraft", sagt etwa Bürgermeister Alexander Fischer (CDU) für Doberschau-Gaußig. "Für die Gemeinde ist das ein riesengroßer Aufwand", stellt Sohlands Bürgermeister Hagen Israel (parteilos) fest. Und der Pulsnitzer Bauamtsleiter Kay Kühne spricht von einem "Papierkrieg", der mit dem normalen Personalstamm kaum zu bewältigen sei. Die Rede ist vom Breitbandausbau im Landkreis Bautzen.

Das Projekt ist gewaltig: Die Gesamtkosten für den kreisweiten Ausbau des schnellen Internets werden sich auf etwa 104,5 Millionen Euro belaufen. Dabei werden mehr als 7.000 Kilometer Glasfaserkabel verlegt - die Länge entspricht einer Strecke von Bautzen bis Peking. Etwa 60.000 Haushalte und 8.800 Unternehmen werden damit erschlossen. 

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Damit beschäftigt sind im gesamten Landkreis derzeit etwa 20 Tiefbauunternehmen, die im Auftrag der Bauherren - in Bischofswerda ist das die Enso, im Rest des Kreises die Telekom - die Baumaßnahmen umsetzen. In 27 Orten sind die Arbeiten inzwischen abgeschlossen. Beendet sein sollte die gesamte Maßnahme eigentlich Ende dieses Jahres. Doch sie wurde nun bis Herbst 2021 verlängert.

Papierkrieg in den Bauämtern

In den Gemeinden, so gemeinhin der Tenor, ist man froh und dankbar über die Erschließung. Aber die Vielzahl der Maßnahmen, auch das ist zu hören, sind eine große Belastung für die jeweiligen Verwaltungen.

Kay Kühne vom Pulsnitzer Bauamt, wo die Arbeiten im Wesentlichen abgeschlossen sind, erklärt: "Drei Monate lang war hier die Hölle los. Für jedes kleine Loch, das hier irgendwo gemacht wird, braucht es drei Anträge. Dann muss man die Bauten auch überwachen. Aber wenn man an dem einen Graben steht, entsteht zehn Meter weiter der nächste. Mit dem normalen Personalstamm ist das eigentlich nicht zu machen."

Obergurig: Wenn Granitpflaster nicht ordnungsgemäß verlegt wird, gibt es Absenkungen. Im schlimmsten Fall können die Steine gelockert und beim Überfahren aus dem Verbund herausgeschleudert werden.
Obergurig: Wenn Granitpflaster nicht ordnungsgemäß verlegt wird, gibt es Absenkungen. Im schlimmsten Fall können die Steine gelockert und beim Überfahren aus dem Verbund herausgeschleudert werden. © SZ/Uwe Soeder

Kritik gibt es auch an der Qualität der durchgeführten Arbeiten. In Bischofswerda, hört man, habe das besser geklappt. Zwar attestieren die Gemeinden den Unternehmen vielfach schnelles Arbeiten - aber oft eben auch mangelhafte Durchführung.

So wie in Obergurig, wo es vielfach nach Abschluss der Arbeiten an Straßen und Gehwegen zu Absenkungen kam. Den Grund erklärt Bauamtsleiter Udo Brosig: "Der Unterbau der Straßen und Wege ist vielfach nicht regelkonform wieder aufgebaut worden, nachdem die Leerrohre verlegt wurden. Da wurde einfach alles, was sie unter der Erde gefunden haben, auf einen Haufen geworfen und wieder in die Straße geschmissen." Obergurigs Bürgermeister Thomas Polpitz (CDU) sagt: "Wir hatten hier sehr gute Gehwege. Jetzt kann man dort zum Teil kaum noch laufen."

Flach verlegte Kabel und huckelige Gehwege

Unsachgemäß gearbeitet wurde etwa auch im Doberschau-Gaußiger Ortsteil Brösang, berichtet Alexander Fischer. Dort stehe derzeit eine Straßenbaumaßnahme mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr an. Die gerät ins Stocken. Der Grund: "Die Kabel wurden dort so flach verlegt, die liegen uns jetzt schon im Weg. Es macht viel Mühe, das wieder hinzurichten." Lange offenstehende Gräben seien ein weiteres Problem. Auch Sohlands Bürgermeister Hagen Israel versucht, die Unfallgefahr in seinem Gemeindegebiet zu minimieren, die entsteht, weil dort Gräben, die im Zuge der Breitbandoffensive gezogen wurden, nur zögerlich wieder verschlossen werden. "Das ist eine Gefahr für Fußgänger und Fahrradfahrer", sagt er.

Immerhin: Die Telekom, das bescheinigt die Mehrheit der Befragten, kümmere sich bei Beanstandungen um die Nachbesserung. Das Unternehmen selbst antwortete trotz wiederholter Anfrage bis zum Donnerstag nicht auf die Fragen von Sächsische.de. Das Bautzener Landratsamt, das die Maßnahme vergeben hat, versichert aber: "Selbstverständlich gibt es regelmäßige Beratungen mit der Telekom und mit der Enso. Sollte mal etwas nicht so gut in der Bauausführung laufen, werden diese Hinweise und Beschwerden aufgenommen und mit der Telekom oder der Enso geklärt", heißt es von dort.

Gemeinden rechnen mit weiteren Mängeln

Wie die Städte und Gemeinden mit den Baumängeln umgehen, ist unterschiedlich: In Obergurig bemüht man sich um Vorabnahmen der Baustellen, um etwaige Mängel sofort anmerken zu können. Udo Brosig sagt aber auch: "Es wird immer wieder zu Absenkungen kommen." In Schirgiswalde-Kirschau versucht man, dem vorzubeugen, indem Versuche an wieder verschlossenen Wegen und Straßen unternommen werden, mit denen die Dichtigkeit des Unterbaus kontrolliert werden kann. 

Im Malschwitzer Ortsteil Wartha wurde bereits nachgebessert. Doch in Pulsnitz fehlen Kapazitäten. Ein halbes Jahr vor Ablauf der zweijährigen Gewährleistungsfrist, informiert Kay Kühne, will man sich dort alle ehemaligen Breitband-Baustellen noch einmal genau ansehen, um Nachbesserungen anmahnen zu können.

Ob das reicht, um wieder Zufriedenheit herzustellen, weiß er nicht, vermutet aber, dass auch nach Ablauf der Frist immer wieder Baumängel ans Licht kommen können. Letztlich aber, findet er, müsse man sich auch immer vor Augen halten, wie sehr man sich freuen werde, wenn das schnelle Internet endlich anliegt.

Update: Der Beitrag wurde am 5. November 2020, 21.30 Uhr, korrigiert. In einer früheren Fassung des Textes war von 1,7 Millionen Kilometer Glasfaserkabel, die verlegt werden, die Rede.  

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