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Viel Kritik am neuen Busplan - Landratsamt Bautzen reagiert

Längere Fahrtwege und Wartezeiten, fehlende Verbindungen: Eltern fordern vor allem im Schülerverkehr Verbesserungen. Einige kommen jetzt - schrittweise.

Von Lucy Krille
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Thomas Böttcher holt seine Kinder in Commerau (Gemeinde Großdubrau) von der Bushaltestelle ab. Der direkte Weg mit dem Bus in den Wohnort Jetscheba würde deutlich länger dauern.
Thomas Böttcher holt seine Kinder in Commerau (Gemeinde Großdubrau) von der Bushaltestelle ab. Der direkte Weg mit dem Bus in den Wohnort Jetscheba würde deutlich länger dauern. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Thomas Böttcher aus Jetscheba (Gemeinde Großdubrau) ist sauer. Er muss jetzt früh seine Söhne zur Bushaltestelle im Nachbardorf Commerau fahren, weil der direkte Weg mit dem Linienbus für die Kinder seit dem Fahrplanwechsel zum Jahresbeginn zu lang wäre.

Die Busse sind nicht nur neu nummeriert, sondern fahren jetzt auch anders. Die Kinder aus Jetscheba müssten nun beispielsweise schon 5.46 Uhr am Bus stehen, um in Bautzen die Schule zu erreichen. „Der Unterricht startet am Sorbischen Gymnasium aber erst 7.40 Uhr“, erklärt Böttcher.

Schulwege von bis zu zwei Stunden

Seine Kinder wären also eine Stunde mit dem Bus unterwegs, müssten zwischendurch umsteigen und hätten anschließend noch eine Wartezeit von fast einer Stunde. Das steht für den Vater in keinem Verhältnis, weshalb er die Kinder ins Nachbardorf bringt, wo der Bus später und direkt nach Bautzen fährt.

„Nachmittags hat ein Bus die Kinder vor dem Fahrplanwechsel dann von Commerau nach Jetscheba gefahren“, erklärt Böttcher. Diese Verbindung gibt es nicht mehr. Die Alternative mit Umstieg in Großdubrau dauert jetzt anderthalb Stunden, manchmal sogar länger. Deswegen holt Böttcher seine Kinder auch nach der Schule in Commerau ab. "Das geht aber nur, weil ich selbstständig arbeite."

Auch andere Schüler aus der Region nördlich von Bautzen haben längere Wege durch den neuen Fahrplan, beispielsweis ein Kind aus Wartha (Gemeinde Königswartha), das an die Sorbische Oberschule in Ralbitz geht. Obwohl kurz nach 14 Uhr Schulschluss ist, ist es frühestens um 16 Uhr zu Hause.

Auch im Oberland gibt es Probleme

Ähnliche Probleme erlebt eine Mutter aus Sohland im Oberland. Ihre Kinder müssen früh anderthalb Stunden vor Schulbeginn am Gymnasium in Wilthen losfahren und zwischendurch umsteigen, da der Bus die Haltestelle im Oberdorf nicht mehr anfährt.

Auf dem Rückweg gibt es nach der achten Stunde ebenfalls keine Direktverbindung, außerdem liegen zwischen Schulschluss und Abfahrt ab Wilthen nur sechs Minuten. „Der neue Busplan ist überhaupt nicht an die Schüler angepasst“, beklagt auch eine Sohländerin, deren Enkelin das Berufliche Gymnasium in Bautzen besucht.

Ines Richter wandte sich als Elternsprecherin des Gymnasiums in Wilthen zusammen mit den Elternvertretern der Oberschule und den Schulleitern sowie Bürgermeister Michael Herfort (CDU) an das Landratsamt. Bereits vor dem Fahrplanwechsel hatte es Probleme im Schülerverkehr gegeben. Doch die Hoffnung auf eine Besserung durch den neuen Fahrplan ab Januar hat sich nicht erfüllt. Eher kämen weitere Probleme hinzu, wie längere Wartezeiten vor Schulbeginn und weniger direkte Verbindungen von und zur Schule.

Anpassungen ab 10. Januar auf über 30 Linien

Dies führt bei vielen zu Frust. In den sozialen Netzwerken häufen sich Beschwerden über den neuen Plan. Eine Petition, mit der eine Überarbeitung gefordert wird, hatte am Freitag bereits knapp 2.500 Unterzeichner. Der Landkreis reagiert nun mit Änderungen, die ab 10. Januar auf über 30 Linien in Kraft treten sollen.

Das zuständige Straßenverkehrsamt setzt beispielsweise seine Ankündigung, die Situation für die Schüler aus dem Sohländer Oberdorf zu verbessern, um. Ab dem 10. Januar soll eine andere Linie, die später durch Sohland fährt, auch das Oberdorf ansteuern.

Am Nachmittag scheint es dagegen bisher keine Lösung zu geben. „Die Abfahrtszeit in Wilthen nach der achten Stunde ist sehr knapp zu erreichen“, gibt eine Sprecherin des Landratsamtes zu. Allerdings sei eine Verschiebung nicht möglich, weil die Anschlusslinie 511 in Kirschau sonst nicht erreicht werden könnte. Die 511 ist eine sogenannte PlusBus-Linie, die strengen Kriterien unterliegt. So müssen beispielsweise die Anschlüsse an den Schienenverkehr abgesichert sein.

Landratsamt kündigt weitere Verbesserungen an

Weitere Anliegen, beispielsweise ein Verstärkerbus nach Weifa am Nachmittag, werden nach Aussage vom Landratsamt geprüft. Andreas Hage, stellvertretender Elternsprecher am Wilthener Gymnasium, freut sich, dass etwas passiert. „Das kann aber nur der Anfang sein“, hofft Hage auf weitere Verbesserungen.

Das Landratsamt gibt zu bedenken, dass der Öffentliche Personennahverkehr auch unter wirtschaftlichen Aspekten geplant werden muss, so hätten manche Linien gekürzt werden müssen. Pressesprecherin Sarah Günther bittet die Fahrgäste aber um konstruktive Kritik, das Netz zu verbessern. Das Landratsamt stehe in ständigem Austausch mit den Busunternehmen.

Das bestätigen die Unternehmen Regionalbus Oberlausitz und Schmidt-Reisen. „Anfragen, die wir durch Fahrgäste oder auch die Busfahrer bekommen, werden an das Landratsamt weitergeleitet“, erklärt Regiobus. Beispielsweise habe ein Busfahrer auf einer Kamenzer Strecke festgestellt, dass der Bus dort überfüllt sei, und dies an die Leitstelle übermittelt. Nun werde geprüft, ob eine Verbesserung möglich ist.

Auch auf das Anliegen aus Jetscheba hat das Landratsamt reagiert: Die Söhne von Thomas Böttcher könnten nun eine viertel Stunde später von ihrem Wohnort aus mit dem Bus fahren. „Abfahrtszeit ist 6.01 Uhr. Das ist immer noch sehr früh“, sagt Thomas Böttcher.

Der Beitrag wurde am 11.01. um 11:30 Uhr überarbeitet. Fehlerhafte Angaben zur Elternsprecherin des Immanuel-Kant-Gymnasiums wurden korrigiert.