merken
PLUS Bautzen

Großpostwitz: Bauverzug am Gemeindeamt

Eine unzuverlässige Firma, Mehraufwand und jetzt der Winter: Bis die Verwaltung in den alten Bahnhof einziehen kann, braucht es mehr Zeit - und mehr Geld.

Ist der Umbau des Großpostwitzer Bahnhofs erst perfekt, wird Bürgermeister Markus Michauk mit seinem Gemeinderat unter hölzernem Gebälk tagen. Bis es soweit ist, dauert es allerdings länger als geplant.
Ist der Umbau des Großpostwitzer Bahnhofs erst perfekt, wird Bürgermeister Markus Michauk mit seinem Gemeinderat unter hölzernem Gebälk tagen. Bis es soweit ist, dauert es allerdings länger als geplant. © Steffen Unger

Großpostwitz. Großpostwitz hat wirklich Pech: Mit der Umgestaltung des ehemaligen Bahnhofsgebäudes zum Verwaltungssitz hat sich die Gemeinde beim Baubeginn im September 2019 viel vorgenommen; wollte mit 2,7 Millionen Euro und einem straffen Zeitplan den Umzug der Gemeindeämter von Großpostwitz und Obergurig bis zum Jahresende 2020 stemmen und das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1877 nach 16 Jahren des Leerstandes wieder einer öffentlichen Nutzung zuführen.

Beides - Zeit- und Kostenrahmen - sind nicht mehr zu halten. Bei Bürgermeister Markus Michauk (OLG) sorgt das mitunter auch für Frust. Die Firma, die bereits im Juli vergangenen Jahres mit den Estricharbeiten im gesamten Gebäude beauftragt worden war, habe die Gemeinde trefflich an der Nase herumgeführt und hielte nunmehr nahezu den gesamten inneren Bauablauf auf, informiert er.

Anzeige
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig
Digitaler Infotag an der BA Riesa & Leipzig

Die Berufsakademie (BA) Sachsen in Riesa und Leipzig lädt Studieninteressierte am 13. März 2021 zum digitalen Tag der offenen Tür mit Praxispartnern ein.

Bereits unmittelbar nach der Auftragsvergabe, erklärt Markus Michauk, habe es Versuche gegeben, mit dem Hallenser Unternehmen Termine für die Estrich-Arbeiten zu vereinbaren. Dabei sei lange Zeit wenig Fassbares herausgekommen. "Als es Anfang Dezember endlich soweit sein sollte, bekamen wir bescheid, dass sich die Arbeiten wegen Krankheits- und Quarantänefällen verzögern. Danach musste die gesamte Mannschaft wegen eines Corona-Falls erneut in Quarantäne", erinnert sich Michauk. Die Krönung aber sei gewesen, als die Gemeinde bescheid bekommen habe, dass die Arbeiter nunmehr von Halle aus starten würden - und niemand in Großpostwitz ankam.

Gemeinde hat Vertrag gekündigt

Zwei Fristen, die die Gemeinde dem Unternehmen hieraufhin im Januar 2020 setzte, verstrichen ungehört. Dann kündigte Großpostwitz den Vertrag mit dem Dienstleister und machte sich auf die Suche nach neuen Angeboten. "Man muss schließlich mal weiterkommen", stellt Michauk klar. Letztlich sei der Zuschlag an ein Löbauer Unternehmen gegangen. Markus Michauk sieht darin das Gute: "Dass wir den Auftrag letztlich regional vergeben konnten, ist eine schöne Sache."

Aber die Nähe zum Auftragnehmer nutzt ihm gerade nicht viel: "Inzwischen haben wir tatsächlich Winter", sagt Michauk mit Blick aus dem Fenster und fügt hinzu: "Ich glaube nicht, dass man bei minus zehn Grad Celsius Estrich verlegen kann." Der müsse schließlich frisch gemischt werden, der Sand dürfe dabei nicht gefroren sein. Diese Vorgaben seien derzeit nicht einzuhalten, obschon die Gemeinde dem Löbauer Unternehmen erlaubt habe, die Arbeiten bei Temperaturen bis fünf Grad unter dem Gefrierpunkt auszuführen.

Beim Warten auf besseres Wetter gerät die Baustelle weiter unter Zeitdruck: Die Folgegewerke wie Heizungs- und Trockenbauer müssen ihre Einsätze verschieben. Grob zwei Monate sei man inzwischen im Verzug, schätzt Markus Michauk.

Der Giebel des nördlichen Kopfbaus ist bereits gestrichen. Wo im Mittelbau künftig der Haupteingang ins Innere des neuen Gemeindeamtes führen soll, dauern die Arbeiten an. Drinnen wird auf die Verlegung des Estrichs gewartet.
Der Giebel des nördlichen Kopfbaus ist bereits gestrichen. Wo im Mittelbau künftig der Haupteingang ins Innere des neuen Gemeindeamtes führen soll, dauern die Arbeiten an. Drinnen wird auf die Verlegung des Estrichs gewartet. © Steffen Unger

Die rühren nicht allein aus dem missglückten Estrich-Bau. Die Arbeit an dem historischen Gebäude ist per se aufwendig: Türstöcke müssen aufgearbeitet, viele schützenswerte Details erhalten werden - etwa die Sandsteinelemente an der Außenfassade. Hinzu kommen nunmehr die außerplanmäßigen Arbeiten, wie sie bei der Arbeit an alten Gebäuden hinter jeder Ecke lauern können. Das Dach etwa habe während der Planungsarbeiten im Vorfeld den Eindruck erweckt, als könne man die Schalung wieder nutzen. Letztlich habe sich herausgestellt, dass alles komplett erneuert werden müsse. "Erst, wenn du die Wand wegreißt, siehst du, was dahinter ist", fasst Markus Michauk seine Erfahrungen aus knapp anderthalb Jahren Bahnhofsumbau pragmatisch zusammen.

Kosten steigen auf vier Millionen Euro

Diese Erfahrung ist teuer: Bei den zuvor geschätzten 2,7 Millionen Euro, von denen das Landeswirtschaftsministerium aus dem Förderprogramm „Vitale Dorfkerne und Ortszentren im ländlichen Raum“ zwei Millionen beigesteuert hatte, blieb es nicht. Inzwischen rechnet Michauk mit Gesamtkosten von rund vier Millionen Euro. Dass den Fördermitteln bereits zwei Nachschläge folgten, ist dabei ein Trost. Aber mehr als insgesamt 2,5 Millionen Euro wird es für Großpostwitz aus dem Ministerium nicht geben.

Die Gemeinde reagiert auf die Mehrkosten mit besonnener Haushaltsplanung. Markus Michauk: "Wir wollen verhindern, dass uns der Bau des Bahnhofs überfordert und steuern jeden Haushalt so an, dass wir die ein oder andere Ausgabe auch ruhen lassen können." Eine Klimaanlage im neuen Ratssaal unter dem Dach wird es daher nicht geben. Weiteren Verzicht musste die Gemeinde bislang noch nicht üben.

Die Freude darüber, den Bahnhof bald wieder öffentlich zugänglich machen zu können, lässt Markus Michauk sich trotz der Kapriolen nicht nehmen. Die Maßnahme entspräche schließlich nicht nur dem Wunsch vieler Großpostwitzer, sondern wird der Verwaltung, die sich bisher auf zwei Standorte in Großpostwitz und Obergurig verteilt, die Arbeit erleichtern. Lange warten muss sie darauf nicht mehr. Voraussichtlich im Herbst dieses Jahres, wagt der Bürgermeister eine vorsichtige Prognose, kann der Bahnhof offiziell als Gemeindeamt eröffnet werden.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen