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Bautzen verbessert den Hochwasserschutz

Im Westen der Stadt werden Rückhaltebecken gebaut. Davon profitieren aber vor allem Anlieger an anderer Stelle.

Torsten Höhne, Ortsvorsteher von Stiebitz, hat sich lange für den Bau von Rückhaltebecken eingesetzt. EIns wird hier am Bautzener Ortsausgang nahe der Neukircher Straße entstehen.
Torsten Höhne, Ortsvorsteher von Stiebitz, hat sich lange für den Bau von Rückhaltebecken eingesetzt. EIns wird hier am Bautzener Ortsausgang nahe der Neukircher Straße entstehen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Der Hochwasserschutz für Bautzen beginnt im Westen der Stadt und seiner Ortsteile. So ließe sich die Meinung des Stiebitzer Ortsvorstehers Torsten Höhne sehr verkürzt zusammenfassen. Und mit den Hochwasserrückhaltebecken, die hier errichtet werden sollen, macht die Stadt Bautzen die richtigen Schritte, findet er. „Dafür haben wir lange und hart gearbeitet. Seit dem Hochwasser 2010, dem letzten Extrem-Ereignis, sind elf Jahre vergangen - und jetzt endlich wird mit diesen Becken das Projekt Stiebitzbach abgeschlossen.“

Gleich zwei Becken am Stiebitzbach plant die Stadt. Das erste, 3.500 Kubikmeter große soll 2022 für 390.000 Euro entstehen und wird sich am Stiebitzer Ortsausgang in Richtung Neukirch rechts der Fahrbahn befinden. Das zweite Becken nordöstlich der Herrenteichsiedlung soll laut dem städtischen Hoch- und Tiefbauamt ein Jahr später folgen, mit 9.500 Kubikmetern Fassungsvermögen fast dreimal so groß sein und 410.000 Euro kosten. Fördermittel in Höhe von jeweils 90 Prozent werden dafür genutzt.

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Bett des Stiebitzbachs schon ausgebaut

In Stiebitz ist laut Torsten Höhne schon einiges gemacht worden mit dem Flussbettausbau. „Der Stiebitzbach ist ja komplett fertig bis zur Mündung unten am Spreebad. Deswegen wird dort alles allmählich trocken, weil man die Flusssohle 40 bis 50 Zentimeter tiefer gemacht hat.“ Das sei alles gut erledigt bis auf den letzten Punkt: eben die Hochwasserrückhaltebecken.

Dabei werden die Becken gar nicht mal so sehr den Stiebitzern helfen, erläutert der Ortsvorsteher, denn „die waren schon geschützt. Aber der Stiebitzbach geht ja weiter und hat eine Gartenanlage am Herrenteich zerstört und Schäden in der Nähe des Spreebades angerichtet. Und diese Sachen werden jetzt geschützt.“ Dass der Hochwasserschutz nun mit dem Becken an der Quelle umgesetzt werde, sei eine glänzende Lösung.

In Stiebitz selbst habe der Bach beim großen Hochwasser 2010 nicht so viele Anwohner betroffen, weil es damals noch nicht so viel Bebauung gab. Vor allem ein Vierseithof sei betroffen gewesen, erinnert sich Torsten Höhne. „Einige, die jetzt im Gut Stiebitz neu gebaut haben, können sich nicht vorstellen, welche Wassermengen dort ankamen.“

Neues Rückhaltebecken in Rattwitz

Eine Ursache für die Hochwasserproblematik in Stiebitz gelte für Rattwitz gleichermaßen, erklärt der Ortsvorsteher. „Ab dem Kreisverkehr Dreistern geht ein leichtes Gefälle Richtung Bautzen und vor der Stadt geht es wieder hoch.“ Wasser, das diesen Weg nimmt, werde durch die Straße geteilt. „Alles nördlich der Dresdener Straße fließt in den Jordanbach, und alles, was südlich ist, fließt dann durch die Eisenbahnlinie in den Stiebitzbach.“

Auch in Rattwitz hat die Stadt Bautzen Hochwasserschutz am Jordanbach eingeplant. Wie das Hoch- und Tiefbauamt auf Anfrage mitteilt, sind eine Entwässerungsmulde für 320.000 Euro sowie für insgesamt 250.000 Euro bauliche Änderungen am Rattwitzer Teich und des Durchlasses am Hofweg geplant, wobei der Jordanbach teilweise offengelegt werden soll.

Zudem soll für 1,3 Millionen Euro ein Hochwasserrückhaltebecken zwischen Rattwitz und der Seidau an der ehemaligen Bahnstrecke Bautzen-Hoyerswerda gebaut werden. Ziel sei es, noch Ende 2022 mit dem Bau zu beginnen.

Problem durch den Jordanbach ist größer

Da der Jordanbach am Ende durch die Seidau muss, sei das Problem im Vergleich zum Stiebitzbach komplexer, erklärt Torsten Höhne. „Da hängen wesentlich mehr Anwohner dran als in Stiebitz.“ In Rattwitz würden auch größere Wassermengen entstehen. „Ein Drittel des Wassers, das in der Seidau große Schäden verursacht hat, kommt westlich der Ortslage zustande“, ist sich Torsten Höhne sicher, ohne das wissenschaftlich belegen zu können.

Etwa 2018 sei das zu beobachten gewesen, als sehr viel Wasser einerseits durch die Rohre unter der Autobahn gekommen und andererseits aus Richtung Dreistern nicht versickert sei. Auch in Rattwitz hätte sich Torsten Höhen Hochwasserschutz bereits vor der Ortslage gewünscht, aber der komme nun logischerweise aus Kostengründen erst später am alten Bahndamm.

Die Maßnahmen in Stiebitz und Rattwitz sind nicht die einzigen. Laut Haushaltsplanung der Stadt sollen bis einschließlich 2024 für öffentliche Gewässer und wasserbauliche Anlagen insgesamt rund 8,4 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Laut Hoch- und Tiefbauamt ist dieses Geld „für die Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen, Gewässerunterhaltung und Renaturierung vorgesehen". Auch der Albrechtsbach spielt dort eine Rolle in Bezug auf nachhaltigen Wiederaufbau und Hochwasserschutz. Für alle Maßnahmen würden Fördermittel erwartet.

Beschlossen ist der Bautzener Haushalt noch nicht. Da die Stadt etwa 3,4 Millionen Euro mehr ausgeben will, als sie zur Verfügung hat, will sie voraussichtlich verschiedene Bauprojekte verschieben, darunter den Baustart an der Allende-Oberschule oder die Drei-Feld-Sporthalle, was für Ärger bei Vereinen oder Schulen sorgt. Die Baupläne zum Hochwasserschutz scheinen davon jedoch nicht betroffen zu sein.

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