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Bautzen: Wie wäre es mit einer eigenen Gruft?

Verlassene Grabstellen auf dem Taucherfriedhof können von Interessenten übernommen und verschönert werden. Exklusive Einblicke gibt es am Sonntag.

Für sechs Gruften auf dem Bautzener Taucherfriedhof werden Paten gesucht. Interessenten bekommen am Sonntag bei Tag des offenen Denkmals von Friedhofsverwalter Robert Eckhardt Informationen dazu.
Für sechs Gruften auf dem Bautzener Taucherfriedhof werden Paten gesucht. Interessenten bekommen am Sonntag bei Tag des offenen Denkmals von Friedhofsverwalter Robert Eckhardt Informationen dazu. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Seit rund zehn Jahren kümmert sich Friedhofsverwalter Robert Eckhardt mit seinem Team um zahlreiche Grabstellen auf dem Bautzener Taucherfriedhof. Denn nicht immer gibt es Angehörige, die auf die letzten Ruhestätten ihrer Verwandten aufpassen und diese pflegen. Bereits vor einiger Zeit hat er sich etwas überlegt: "Wir haben Grabpaten gesucht, woraufhin sich einige gemeldet haben und sich bis heute um die Gräber kümmern", berichtet er.

"Wenn das Grab niemandem gehört, kann man da eine Patenschaft übernehmen, und man hat später selber die Möglichkeit, dort beigesetzt zu werden", fügt Eckhardt an. Denn dann übernimmt man freiwillig Arbeiten, wie die Grabpflege oder das Instandhalten von Gemäuern.

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Nach dem gleichen Prinzip sollen nun insgesamt sechs Gruften einen neuen Paten beziehungsweise Eigentümer finden. Diese bestehen jeweils aus einem von außen einsehbaren Bereich und einem Raum, der eine Etage tiefer liegt, wo Särge eingelagert werden können.

So sieht es im Inneren einer Gruft aus. Darunter befindet sich noch der Sargraum.
So sieht es im Inneren einer Gruft aus. Darunter befindet sich noch der Sargraum. © SZ/Uwe Soeder

"Eine Gruft hat bereits jemand erworben, darum kümmern wir uns jetzt zusammen, dass sie wieder schön wird", betont Eckhardt. Während der Besitzer der Gruft für den Innenraum zuständig ist, kümmert sich die Friedhofsverwaltung anlässlich des 2023 anstehenden Jubiläum zum 500-jährigen Bestehens des Friedhofs um die Fassade und die Tore. Dafür sind noch Sponsoren gesucht, die an einer kleinen Tafel geehrt werden sollen.

Zu diesen und allen anderen Themen rund ums Bestatten gibt es am Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag zahlreiche Informationen auf dem Taucherfriedhof. "Ich möchte die Kanzlei von 10 bis 16 Uhr öffnen, damit die Leute einfach vorbeikommen und auch Beratungsgespräche durchgeführt werden können", sagt Robert Eckhardt. Denn ein Großteil der Menschen würde sich erst mit dem Thema Bestattung beschäftigen, wenn sie das auch wirklich müssen.

Panische Anrufe nach der Beerdigung

"Meistens ist es so, dass man sich vorher keine Gedanken macht und am Tag X gezwungen ist, Entscheidungen zu treffen, die man dann vielleicht bereut", erzählt er. Da komme es auch mal vor, dass wenige Tage nach einer Beerdigung panische Anrufe in der Verwaltung eingehen, weil man doch ein ganz anderes Grab möchte. Doch in vielen Fällen ist es dafür dann zu spät. Das könne aber durch Vorabgespräche verhindert werden.

Daneben gibt es am Tag des offenen Denkmals mehrere Führungen auf dem Friedhof, beispielsweise zur sehr gut erhaltenen Frankschen Gruft, die auf dem Taucherfriedhof ein Paradebeispiel gilt. Der Stifter Friedrich Gottlob Franke ließt sie 1745 errichten. Diese Gruft ist ansonsten nur einmal im Jahr öffentlich zugänglich - und zwar am Pfingstdienstag. An diesem Tag übergibt der Evangelische Schulverein Gaußig dort Stipendien an sozial engagierte Schüler.

Beim Denkmaltag am Sonntag gibt es auf dem Taucherfriedhof Führungen - unter anderem zur Frankschen Gruft.
Beim Denkmaltag am Sonntag gibt es auf dem Taucherfriedhof Führungen - unter anderem zur Frankschen Gruft. © SZ/Uwe Soeder

Zwar sind die anderen sechs Gruften auf dem Taucherfriedhof kleiner und nicht ganz so pompös - als Familiengrabstätte aber dennoch etwas ganz Besonderes. "Man hat es oft, dass der eine hier und der andere dann dort liegt", betont Eckhardt. Denn die "Grüne Wiese" oder auch Gemeinschaftsgräber seien aktuell sehr beliebt, was nicht immer finanzielle Gründe habe, sondern auch mit reiner Bequemlichkeit verbunden sei. Denn nach der Beerdigung gibt es keine Verpflichtungen mehr.

Sargräume müssen freigelegt werden

Das ist bei einem Familiengrab oder sogar einer Gruft natürlich anders. Doch steht für einen möglichen neuen Besitzer erstmal die Restaurierung der um 1850 erstmals mit Särgen belegten Gebäude an, was nicht ganz billig ist. "Da sind wir finanziell schon im fünfstelligen Bereich", sagt der Friedhofsverwalter. Doch betreffe das ausschließlich die Sanierungsarbeiten, denn so etwas wie einen Kaufpreis gibt es nicht. "Ich bin jedem dankbar, der uns eine Gruft abnimmt und sich ordentlich um sie kümmert", betont Eckhardt.

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In einem ersten Schritt müssen die Gruften erstmal vom Schutt befreit werden. Denn sie seien zum Teil vor einiger Zeit einfach verfüllt worden, wodurch der Sargraum im Untergrund jetzt erstmal wieder freigelegt werden muss. Ebenso sollten der Putz im Innenraum erneuert und die vorhandenen Grabsteine wieder ansehnlich gemacht werden. "Arbeit gibt es genug, aber am Ende hat man etwas Einmaliges", sagt Eckhardt.

Informationen und Kontaktmöglichkeiten zur Friedhofsverwaltung gibt es auf der Internetseite.

Weitere Tipps für den Tag des offenen Denkmals in Bautzen gibt es hier.

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