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Breitbandausbau nervt Anwohner

Im Landkreis Bautzen häufen sich die Beschwerden wegen Pfusch auf den Baustellen. Die Telekom schweigt dazu.

Wolfgang Domula ist genervt: Nur zwei Wochen, nachdem der Breitbandausbau in Callenberg bei Crostau abgeschlossen war, ist die Straße vor seinem Haus wieder offen - vermutlich wegen Baupfusch.
Wolfgang Domula ist genervt: Nur zwei Wochen, nachdem der Breitbandausbau in Callenberg bei Crostau abgeschlossen war, ist die Straße vor seinem Haus wieder offen - vermutlich wegen Baupfusch. © SZ/Uwe Soeder

Schirgiswalde-Kirschau. Gut vier Wochen ist es her, da griff eine Frau aus dem Schirgiswalde-Kirschauer Ortsteil Callenberg zum Telefon und machte ihrem Ärger Luft. Seit zweieinhalb Monaten, erzählte sie, laufe der Breitbandausbau auf der rund 300 Meter langen Gartenstraße bereits.

Den ganzen August hindurch sei die Straße aufgebuddelt gewesen, sowohl von ihrem oberen als auch ihrem unteren Ende her. Zwei Bautrupps wären dafür im Einsatz gewesen - aber nicht dauerhaft: "Mal haben die einen, mal die anderen den Falter gemacht, haben ihr Zeug gepackt und waren wieder weg", erinnert sich die Frau. Zurück blieben tiefe Gräben auf der Straße - und genervte Anwohner.

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Die Zeit verging, die Baustellen rückten schließlich weiter und kamen zum Abschluss. Bis am vergangenen Montag Wolfgang Domula meinte, seinen Augen nicht zu trauen. Auch er meldete sich bei Sächsische.de; klang wütend und aufgebracht: "Müssen wir uns das denn gefallen lassen, wie hier mit uns umgegangen wird?", fragte er und meinte die neuerliche Breitband-Baustelle vor seinem Haus.

Die Arbeiten an der Kirschauer Straße, an der der Unternehmer seinen Gebäudereinigungs- und Hausmeister-Service betreibt, seien doch seit gerade einmal zwei Wochen abgeschlossen gewesen, als die Straße erneut aufgerissen wurde, erzählt Wolfgang Domula empört.

Anwohner fühlen sich schlecht informiert

Auch er beklagt, dass die ersten Arbeiten sich bereits über Wochen hingezogen hätten. Informiert worden seien die Anwohner über die geplanten Maßnahmen oder ihre Dauer nicht. Unternehmer Domula ärgert das am meisten: "Wenn das alles ordentlich organisiert worden wäre, wäre das ja gar kein Problem. Aber wir mussten uns zum Teil hier regelrecht durchkämpfen. Meinen Mitarbeitern habe ich gesagt, sie sollen die Firmenwagen mit nach Hause nehmen, weil wir ja nicht wussten, ob wir am nächsten Tag noch durchkommen."

Und damit nicht genug: Telefonleitungen seien bei den Bauarbeiten zerrissen, der gute Zustand der Kirschauer Straße zerstört worden. Den möglichen Grund dafür hat auch Wolfgang Domula nur über den Dorfklatsch erfahren: "Angeblich sind die Leerrohre nicht tief genug verlegt worden."

Das klingt plausibel. Denn nicht nur in Callenberg gibt es Probleme beim Breitbandausbau. Auch Obergurigs Bürgermeister Thomas Polpitz (CDU), in dessen Gemeindegebiet der Breitbandausbau kurz vor dem Abschluss steht, hat bereits Mängel festgestellt. So sei dort teilweise der Unterbau nicht ordentlich ausgeführt oder Granitpflaster nicht fachgerecht verlegt worden. Die Folge: Straßen und Wege sacken ab.

Das Problem nicht tief genug verlegter Rohre kennt auch der Malschwitzer Bürgermeister Matthias Seidel (CDU) aus dem Ortsteil Wartha: "Dort habe ich eine Schleudertruppe erwischt", sagt er und meint den Subunternehmer, der die Arbeiten im Auftrag der Telekom durchführt. Nachdem der Missstand aufgefallen war, habe er Nachbesserung angemahnt, erinnert sich Seidel. Aber auch die sei wieder mangelhaft ausgeführt worden.

Auch in der Gemeinde Obergurig gab es Probleme mit dem Breitbandausbau. Weil beispielsweise das Granitpflaster nicht ordentlich verlegt wurde, senkt sich an der Bahnhofstraße in Singwitz der Gehweg.
Auch in der Gemeinde Obergurig gab es Probleme mit dem Breitbandausbau. Weil beispielsweise das Granitpflaster nicht ordentlich verlegt wurde, senkt sich an der Bahnhofstraße in Singwitz der Gehweg. © SZ/Uwe Soeder

Bei der Vielzahl an aktuellen Breitbandbaustellen in den Orten um Bautzen kostet diese aufwendige Nachkontrolle die Städte, Gemeinden und den Landkreis viel Kraft. Denn obschon der Auftraggeber - das ist in weiten Teilen des Landkreises die Telekom, in Bischofswerda die Enso - für die mangelhafte Ausführung haftet und auch die sachgemäße Durchführung der Arbeiten kontrolliert, ist es Aufgabe der jeweiligen Behörde, die für die Straße zuständig ist, die Maßnahme abzunehmen.

Landkreis vermittelt bei Problemen auf Baustellen

Die Landkreisverwaltung, die den Ausbau des Breitbandnetzes im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung an die Telekom und die Enso vergab, versucht, bei Problemen mit der Bauausführung als Vermittler zu fungieren: "Die Kreisverwaltung steht seit Beginn des Breitbandprojektes in engem Kontakt mit den Gemeindeverwaltungen. Probleme werden besprochen und gelöst", heißt es aus dem Landratsamt.

Bei Schäden im öffentlichen Raum seien die jeweiligen Verwaltungen erste Anlaufstelle für die Einwohner. Aber auch der Kreis ist Ansprechpartner für Privatpersonen. Mithilfe eines Kontaktformulars auf der Projektseite des Landkreises können sich Bürger an die Behörde richten, sollten an Privateigentum Schäden aufgetreten sein, die mit der zuständigen Baufirma - ungefähr 20 verschiedene beschäftigt die Telekom im gesamten Kreisgebiet - nicht zu klären sind.

Eine Vielzahl von Anfragen sei auch schon eingegangen, bestätigt das Landratsamt. Im Zuge der fortschreitenden Arbeiten hätten sich deren Inhalte gewandelt: "Zu Beginn des Breitbandprojektes ging es darum, ob eine Adresse förderfähig ist und ein unentgeltlicher Hausübergabepunkt installiert wird. Mit Fortschreiten der Arbeiten werden nun Fragen zum Zeitraum und zum Ablauf der Arbeiten gestellt. Sollte mal etwas nicht so gut in der Bauausführung laufen, werden auch diese Hinweise und Beschwerden aufgenommen und mit der Telekom geklärt", teilt die Kreisverwaltung mit.

Der Telekom, die voraussichtlich erst im Herbst kommenden Jahres den Breitbandausbau im Landkreis Bautzen abschließen wird, liegt seit dem 4. November eine schriftliche Anfrage von Sächsische.de vor. Trotz wiederholter Nachfrage äußerte sich das Unternehmen bislang nicht zu den Vorwürfen der teilweise mangelhaften Bauausführung.

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