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Doberschau: Gutshof wird Ferienparadies

Familie Proske hat eine alte Immobilie liebevoll saniert. Jetzt genießen Städter hier das Landleben - inklusive Übernachtung in einem besonderen Bett.

Eva-Maria und Heiko Proske haben im alten Gutshof in Doberschau vier Ferienwohnungen eingerichtet. Viele Arbeiten erledigten sie in Eigenleistung.
Eva-Maria und Heiko Proske haben im alten Gutshof in Doberschau vier Ferienwohnungen eingerichtet. Viele Arbeiten erledigten sie in Eigenleistung. © SZ/Uwe Soeder

Doberschau-Gaußig. Fast auf den Tag genau drei Jahre ist es her, dass bei Eva-Maria und Heiko Proske aus Doberschau das Telefon klingelte. Am anderen Ende meldete sich ein Onkel der Familie mit einem Angebot. Er wollte den alten Dreiseithof an der Friedrich-Engels-Straße, der sich schon lange im Besitz der Familie befand, verkaufen. Familie Proske, die für sich selbst bereits ein Haus in Doberschau ausgebaut hatte, nahm sich einen Monat Bedenkzeit und ließ eine Idee reifen. Zu Weihnachten 2017 stand dann fest: "Wir nehmen es und bauen Ferienwohnungen in das Gutshaus", erinnert sich Heiko Proske.

Ein knappes Jahr später, Mitte August 2018, starteten die Arbeiten. Ein Mammutprojekt für die Proskes, die heute sagen: "Es war ein Glück, dass wir unser Haus bereits saniert hatten und es quasi ein Probeprojekt für den Bauernhof war. Hätten wir den Hof als Erstes gemacht, wir wären daran kaputtgegangen." Nicht nur, dass das Ensemble unter Denkmalschutz steht. Proskes machten es sich auch zur Aufgabe, im Inneren des Anwesens alte Materialien einzusetzen, wo es die Gegebenheiten zuließen, und möglichst viel der alten Geschichte des Hauses zu erhalten.

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Lehm- und Kalkputz dominieren heute die Wände im Inneren des Gutshauses, in dem das Ehepaar vier Ferienwohnungen eingerichtet hat. Alte Türen, Fliesen und Dielen wurden aufgearbeitet und erhalten, genau wie die altertümlichen Fenstergriffe. Das meiste davon passierte in Eigenleistung, denn: "Da findet man keine Firma, die so etwas macht", sagt Eva-Maria Proske.

Corona verhindert Eröffnung

Als Proskes im März 2020 schließlich in den letzten Zügen steckten, wurde die corona-bedingte Schließung von Übernachtungsstätten beschlossen. Und auch seit dieser Woche müssen Gäste erneut vertröstet werden. Dennoch findet Heiko Proske: "Es war die richtige Entscheidung. Für uns und für das Haus." 

80 Gäste konnte das Paar in den ersten Monaten in den historischen Mauern begrüßen. Besonders Eva-Maria Proske sind viele dieser Begegnungen in positiver Erinnerung geblieben. Bei Kaffee und Kuchen erzählt sie von Großstädterinnen, die im Garten das erste Mal eine Sauerkirsche vom Baum pflücken konnten, oder von einer Familie, die begeistert sämtliche Walnüsse einsammelte. Für solche Augenblicke, sagt sie, sei sie mit ihrem Mann dieses Wagnis eingegangen: "Der schönste Moment war, als alle Wohnungen mit Familien belegt waren, die einen Abend am Wochenende gemeinsam im Garten verbracht haben. Einige haben gegrillt, andere haben mit den Kindern gespielt, es sind Freundschaften entstanden. Genau so stelle ich mir altes Landleben vor."

All diese Beobachtungen sind für die Proskes, die Wert auf den nachhaltigen Ausbau des etwa 230 Jahre alten Hauses legten, das Zeichen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben: "Wir wollten von vornherein den 'Öko-Berliner' ansprechen, der im Urlaub Lust auf echtes Landfeeling hat", erklärt Heiko Proske.

Reminiszenzen an das ursprüngliche Landleben finden sich auch im Hausinneren. In der Gutsherrenwohnung hat die Familie das alte Bauernbett der Urgroßeltern erhalten. "Wir haben es verlängern lassen. Die Leute waren ja damals ein ganzes Stück kleiner", sagt Eva-Maria Proske.

Spannende Geschichten ranken sich auch um die Ausgedinge-Wohnung nebenan. Dort, erklärt Heiko Proske, seien früher die ehemaligen Bewohner untergekommen, sobald sie den Hof an die nächste Generation übergeben hatten. Alte Verträge künden vom damaligen Zusammenleben. Die Proskes ließen sie übersetzen und sagen heute lachend: "Da war ganz genau geregelt, wie oft der Backofen benutzt werden durfte, wie viele Kuchen am Sonntag auf dem Tisch zu stehen hatten und wie oft die ehemaligen Besitzer zur Kirche gefahren werden mussten."

Gastgeber mit Leidenschaft

Beim Zuschnitt der Räumlichkeiten orientierten sich die beiden Gastgeber, die selbst vier Kinder haben, auch an den eigenen Erfahrungen. "Wir wissen, wie schwer es ist, für eine so große Familie eine Ferienwohnung mit ausreichend Betten zu finden", sagt Eva-Maria Proske und führt in die ehemalige Kornkammer unters Dach. Bis zu sechs Personen kommen hier unter.

Im ganzen Haus gibt es Betten für bis zu 17 Personen, darüber hinaus einen großen Gemeinschaftsraum mit angeschlossener Küche und eine kleine Leseecke zur allgemeinen Verfügung. All das in Schuss zu halten, kostet Zeit. Während Heiko Proske weiterhin voll berufstätig ist, trat seine Frau beruflich einen Schritt zurück. Aus gutem Grund, wie sie erzählt: "Einmal piepte am Sonntagnachmittag, wir saßen grade beim Kaffee, mein Handy. Gleich darauf klingelte es an der Tür. Das waren Gäste, die über unsere Internetseite gebucht hatten, als sie schon auf dem Hof standen. Sie erzählten, sie würden immer so Urlaub machen. Auf solche Fälle will ich vorbereitet sein."

Die letzten liebevollen Dekorationen wird die Familie noch in den Wohnungen verteilen, bis sie sich daran machen, weitere Pläne zu schmieden. Denn auch die Nebengebäude des alten Hofes wollen die Proskes in Zukunft ausbauen. Ideen hätten sie bereits, wollen sie aber noch geheim halten. Heiko Proske verrät nur so viel: "Ferienwohnungen sollen dort keine rein."

Im Jahr 1794 wurde das Grundstück, auf dem sich heute der Gutshof befindet, aus dem Doberschauer Rittergut herausgekauft. Die Gebäude entstanden vermutlich in dieser Zeit. Die Fassadengestaltung stammt aus dem Jahr 1880. 
Im Jahr 1794 wurde das Grundstück, auf dem sich heute der Gutshof befindet, aus dem Doberschauer Rittergut herausgekauft. Die Gebäude entstanden vermutlich in dieser Zeit. Die Fassadengestaltung stammt aus dem Jahr 1880.  © privat
Den Garten finden die Proskes besonders behaglich. Hier darf nicht nur entspannt, sondern auch gekostet werden. 
Den Garten finden die Proskes besonders behaglich. Hier darf nicht nur entspannt, sondern auch gekostet werden.  © privat
Das alte Ehebett der Urgroßeltern wurde verlängert und hat seinen neuen Platz in der Gutsherrenwohnung gefunden. Auch der Bauernschrank durfte bleiben. 
Das alte Ehebett der Urgroßeltern wurde verlängert und hat seinen neuen Platz in der Gutsherrenwohnung gefunden. Auch der Bauernschrank durfte bleiben.  © SZ/Uwe Soeder
Die kleine Bibliothek steht allen Gästen zur Verfügung. Hier dürfen Bücher getauscht und Spiele ausgeborgt werden.
Die kleine Bibliothek steht allen Gästen zur Verfügung. Hier dürfen Bücher getauscht und Spiele ausgeborgt werden. © SZ/Uwe Soeder
Viel Wert legen Proskes auf Details. Der Stil des historischen Anwesens wurde erhalten. Trotzdem hielt auch die Moderne Einzug. 
Viel Wert legen Proskes auf Details. Der Stil des historischen Anwesens wurde erhalten. Trotzdem hielt auch die Moderne Einzug.  © SZ/Uwe Soeder

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