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Wo der Pfefferkuchen in die Bierflasche kommt

Von Kakaobier bis Tyrannosaurator: In der kleinen Brauerei von Tobias Frenzel in Bautzen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Teil 12 der SZ-Sommerserie.

Tobias Frenzel zeigt in seiner Brau-Manufaktur in Bautzen den Werdegang des Biers: Hinten stehen die Braukessel, vorn die Kästen mit dem frischen Bier.
Tobias Frenzel zeigt in seiner Brau-Manufaktur in Bautzen den Werdegang des Biers: Hinten stehen die Braukessel, vorn die Kästen mit dem frischen Bier. © www.loesel-photographie.de

Bautzen. Schon beim Betreten der Brauerei duftet es so unwiderstehlich nach Bier und - Pfefferkuchen. Tobias Frenzel kann das ganz schnell erklären: "Wir haben jetzt die erste Charge für unser Pfefferkuchenbier angesetzt. Das muss nun erstmal ein paar Wochen reifen." Genauer gesagt, lässt Frenzel-Bräu in Bautzen den Gerstensaft mit Pfefferkuchengeschmack sogar zweimal nacheinander reifen. "Genauso wie das Senf-Honig-Bier", sagt der Chef der kleinen Bautzener Brauerei.

Bei diesen Worten stutzt der Gast schon nicht mehr ganz so sehr. Es gibt in Bautzen Senf-Eis, Senf-Cocktails, Senf-Braten und vieles mehr mit der Würzpaste; vieles davon das ganze Jahr über, manches nur zu den jährlichen Senfwochen, die jetzt gerade stattfinden und noch bis zum 12. September dauern. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Brauer auch Senf-Bier erfindet. Und da das mit Senf allein wohl etwas zu scharf wäre, kommt als Ausgleich auch noch etwas Honig vom heimischen Imker mit rein.

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Im Verkaufsregal von Frenzel-Bräu im Bautzener Süden steht das Senf-Honig-Bier gleich neben Pils, Frenzel's Kirsch, Rauchbier, Hefeweizen und Tyrannosaurator. Das klingt nach Dinosaurier - kein Zufall: Mit dem Saurierpark Kleinwelka hat Frenzel-Bräu eine weitere Bautzener Spezialität in die Flasche und aufs Etikett gebracht. "Ein dunkles, starkes Bockbier", erklärt der Chef einer vierköpfigen Mannschaft, die je nach Jahreszeit und Saison bis zu 18 verschiedene Sorten braut.

Zum Beispiel Kamenzer-Würstel-Bier - das hat Tobias Frenzel zusammen mit Fleischern aus der Lessingstadt entwickelt. Oder Kakaobier - dafür hat sich der tüftelfreudige Bautzener mit einer Schokoladenmanufaktur in Dresden zusammengetan. In der Landeshauptstadt ansässig ist auch die Destillerie, von der Frenzel-Bräu gebrauchte Holzfässer für sein Whisky-Bier bekommt. Das hat es mit mehr als acht "Umdrehungen" entsprechend in sich.

Auch das Pfefferkuchenbier erfanden Frenzels zusammen mit einem Partner aus der Region - selbstredend aus Pulsnitz. In der Rhabarber-Zeit wird's in Frenzels Braukessel fruchtig, eine Kelterei in Ebersbach-Neugersdorf freut sich über den Stammkunden für die aromatischen Stangen. Regional ist Trumpf.

Im Verkaufsregal von Frenzel-Bräu stehen Pils, Kirschbier, Tyrannosaurator und weitere Sorten in kleinen und großen Flaschen.
Im Verkaufsregal von Frenzel-Bräu stehen Pils, Kirschbier, Tyrannosaurator und weitere Sorten in kleinen und großen Flaschen. © www.loesel-photographie.de

"Wir sind eine Manufaktur, keine Bierfabrik", erläutert Tobias Frenzel. "Das heißt, wir produzieren auch kleinste Mengen auf Bestellung. Große Brauereien würden damit gar nicht erst anfangen." Zum Beispiel brauten die Bautzener schon mal ein Überraschungsbier für die Kulturinsel Einsiedel an der Neiße oder auch Sondereditionen für Betriebsfeiern. In der Manufaktur ist alles Handarbeit, und die zeigen die Hausherren auch. Voraussichtlich ab November will Tobias Frenzel wieder Brauerei-Führungen anbieten.

Die erste Bier-Lektion kam vom Vater

Der Fantasie scheinen keine Grenzen gesetzt in dem Flachbau an der Bautzener Humboldtstraße. Woher nimmt der 34-Jährige nur die vielen spritzigen Ideen? "Die kommen mir nicht alleine", verrät der junge Unternehmer. "Meist passiert das, wenn ich mit meinem Vater zusammensitze. Da reden wir über Bier und die Welt, und dann kommen die Ideen." Die Vater Thomas dann umsetzt - er ist von den Vieren der Mann fürs Brauen.

Vom Vater erhielt Tobias Frenzel auch seine erste Hopfenlektion. Thomas Frenzel betrieb damals ein kleines Erlebnis-Brauhaus in der Bautzener Altstadt, der kupferne Braukessel stand mitten im Lokal. Das Bier war damals wie heute ungefiltert, also naturtrüb. Frenzels wollten und wollen sich von anderen Brauereien unterscheiden.

2006 verlagerte der Senior die Manufaktur in die Spree-Pension im Bautzener Spreetal. Der Junior aber ging nach der Schule erst einmal in eine Wein- statt Bierregion. In der Nähe des französischen Straßburg erlernte er die Kunst des guten Kochens. Von dort ging er nach der Lehre ein Jahr in ein Hotel nach Luxemburg. An der Hotelfachschule in Heidelberg erwarb Tobias Frenzel seinen Bachelor als Hotelbetriebswirt. Aber immer wieder zog es ihn auch zurück nach Bautzen. Vor neun Jahren kam er zurück an die Spree: „Meine Eltern haben hier ihren Betrieb. Ein bisschen habe ich mich auch verpflichtet gefühlt."

Neue Abfüllanlage für größere Mengen

2015 wurde es in der Spree-Pension zu klein für die Braumanufaktur. "Wir waren mit 200 Hektolitern Bier bei einer Menge angekommen, die nebenbei nicht mehr zu händeln war. Da haben wir gesagt: Jetzt gehen wir es richtig an“, sagt der tatendurstige Unternehmer. Inzwischen brauen Frenzels um die 800 Hektoliter pro Jahr, das sind 80.000 Liter Bier. Etwa jeder zweite Liter davon ist Pils.

Die Brau-Manufaktur ist in einem kleinen Flachbau im Bautzener Süden ansässig. Hier befindet sich auch der Fabrikverkauf, der jeden Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist.
Die Brau-Manufaktur ist in einem kleinen Flachbau im Bautzener Süden ansässig. Hier befindet sich auch der Fabrikverkauf, der jeden Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist. © www.loesel-photographie.de

Etwa zwei Drittel ihrer naturtrüben Biere füllen Frenzels in Flaschen ab, die es außer im hauseigenen Fabrikverkauf inzwischen auch in vielen Regional- und Supermärkten zwischen Dresden und Görlitz zu kaufen gibt. Rund ein Drittel fließt in Fässer und von dort aus in durstige Kehlen unter anderem in Frenzels Spree-Pension, auf dem Campingplatz am Silbersee bei Hoyerswerda und in einer Zittauer Billard-Kneipe. Aber auch auf der Biermeile in Berlin, dem Bierfest in Dresden und bei Volksfesten in der Region wurde und wird Frenzel-Bier gezapft.

So ein Anblick lässt bei jedem Bierkenner das Herz schneller schlagen - in der Abfüllanlage kommt der erfrischende Gerstensaft in die Flaschen.
So ein Anblick lässt bei jedem Bierkenner das Herz schneller schlagen - in der Abfüllanlage kommt der erfrischende Gerstensaft in die Flaschen. © www.loesel-photographie.de

Vieles davon fiel im vergangenen und in diesem Jahr den Corona-Maßnahmen zum Opfer, und die kleine Brauerei spürte das schmerzlich beim Ab- und Umsatz. Doch Tobias Frenzel nutzte die Zeit, um eine moderne Abfüllanlage zu beschaffen und zu installieren. Die soll in den nächsten Monaten in Betrieb gehen. "Unser Ziel sind 3.000 Hektoliter im Jahr", gibt der junge Chef die Richtung vor.

Alles hausgemacht

Seit 2003 betrieb Thomas Frenzel das Bautzener Altstadt-Brauhaus. 2006 braute er dann in der Spree-Pension im Bautzener Spreetal das erste Frenzel-Bräu. 2010 wurde dem Unternehmen die nahe Spree zum Verhängnis, die Flut beschädigte die Technik. Seit 2015 ist Frenzel-Bräu im Gewerbepark an der Humboldtstraße ansässig.

Noch mehr Appetit auf Bautzener Spezialitäten? Bis zum 12. September finden die diesjährigen Bautzener Senfwochen statt, in der zwölf Restaurants besondere Gerichte mit der Würzpaste anbieten. Eine breite Auswahl von Senf und regionalen Erzeugnissen - auch Frenzel-Bier - gibt es im Senfladen und -museum am Bautzener Fleischmarkt. Wer Senf und andere ungewöhnliche Zutaten in frostiger Form kosten will, findet erfrischende Kreationen beim Eis-Dealer an der Bautzener Seminarstraße.

Kontakt: Braumanufaktur Tobias Frenzel, Humboldtstraße 21a, 02625 Bautzen, Telefon 03591 5984 401, www.frenzel-braeu.de

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Alle bisher erschienenen Teile der Serie "So schmeckt Sachsen" finden Sie hier

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