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Gaußig: Großer Zoff an einem kleinen Weg

Weil die Gemeinde einen Zaun abgerissen hat, sehen Anwohner ihr Eigentum beschädigt. Der drei Jahre dauernde Streit erreicht jetzt einen neuen Höhepunkt.

Bis vor drei Jahren stand am Grundstück von Bärbel und Klaus Preißler in Gaußig ein Zaun. Den ließ die Gemeinde entfernen. Das Anwohnerehepaar erhebt schwere Vorwürfe gegen den Bürgermeister. Der dementiert.
Bis vor drei Jahren stand am Grundstück von Bärbel und Klaus Preißler in Gaußig ein Zaun. Den ließ die Gemeinde entfernen. Das Anwohnerehepaar erhebt schwere Vorwürfe gegen den Bürgermeister. Der dementiert. © SZ/Uwe Soeder

Gaußig. Der Weg An der Kirche in Gaußig ist winzig - kaum groß genug, um von Orstunkundigen gefunden zu werden. Nur Fußgänger und Fahrradfahrer passen hier hindurch - wenn auch nicht nebeneinander. Doch trotz ihrer Winzigkeit sorgt die schmale Gasse für Streit im Ort. Genauer gesagt: Ein rund 40 Meter langer Abschnitt, der an das Grundstück von Bärbel und Klaus Preißler grenzt.

Bis vor drei Jahren stand dort ein Zaun. Die hölzerne Einfriedung gehörte nach Aussage des Ehepaares Preißler zu seinem Privatbesitz, sei im Kaufpreis enthalten gewesen, als die beiden das Grundstück samt Wohnhaus 1993 vom Vorbesitzer erwarben.

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Gesichert ist, dass der Zaun, der eine Barriere zwischen dem hier verlaufenden Gaußiger Wasser und der Gasse An der Kirche bildete, auf dem Grund der Gemeinde Doberschau-Gaußig stand. Das unterschied das Bauwerk von den übrigen Zäunen entlang des Weges. Die Gemeinde ließ ihn im September 2018 entfernen. Weil sie die Auflage bekommen habe, den Zaun instand zu setzen, wie Bürgermeister Alexander Fischer (CDU) begründet.

Denn anders als die Preißlers sieht er es nicht als gesichert an, dass die Einfriedung zum Eigentum des Ehepaares zählt: "Wem der Zaun gehört, konnte nie nachgewiesen werden", so Fischer, gegen den Klaus Preißler nach dem überraschenden Abriss eine Anzeige wegen Diebstahls stellte.

Anwohner sehen Sicherheit von Passanten gefährdet

Obwohl Alexander Fischer beteuert, Familie Preißler vor dem Abriss des Zaunes mündlich - und am Tag des Abrisses auch schriftlich - über sein Vorhaben in Kenntnis gesetzt zu haben, empfanden Preißlers die Maßnahme als "brutalen, nicht angekündigten Abriss von Privateigentum". Und das nicht nur, weil sie sich um ihr Eigentum betrogen fühlen, sondern auch, weil sie sich Sorgen um die Passanten auf dem Weg machen.

"Nachts ist es hier komplett dunkel, im Winter glatt. Ohne Zaun könnte jederzeit jemand in den Bach rutschen", sagt Bärbel Preißler. Ganz zu schweigen von den knapp 400 Kindern, die jeden Tag in der Nähe spielen würden, pflichtet Klaus Preißler ihr bei und zeigt auf das Nachbargrundstück, wo der Kindergarten des Ortes und der Hort des Evangelischen Schulzentrums untergebracht sind. Häufig würden, so Preißler weiter, Bälle über den Zaun fliegen, denen die Kinder nachrennen. Ohne Zaun steige die Gefahr, dass ein Kind in das Gaußiger Wasser falle.

Weshalb Preißlers drei Jahre nach dem Zaunabriss mit der Geschichte an die Öffentlichkeit gehen, begründen sie mit dem jüngsten Starkregen, der das Gaußiger Wasser habe ansteigen lassen. "Von so viel Wasser werden Kinder doch magisch angezogen", so Klaus Preißler, der das Wiederaufstellen des Zaunes auch als Maßnahme zur Gefahrenabwehr begreift.

Bürgermeister will Anwalt einschalten

Die beiden Betreuungseinrichtungen teilen Preißlers Einschätzung nur bedingt: "Bälle sind auch vor hundert Jahren über den Zaun geflogen. Ernsthaft passiert ist aber noch nie etwas", sagt Pfarrer Thomas Schädlich für den Evangelischen Schulverein, in dessen Trägerschaft sich der Hort befindet. Kita-Leiterin Silvia Symmank gibt an, von dem Problem ebenfalls nicht betroffen zu sein, weil sich die Einrichtung in ausreichend Abstand zum Gaußiger Wasser befindet.

Und Bürgermeister Alexander Fischer will sich die öffentlichen Vorwürfe nicht länger gefallen lassen: "Wir haben den Preißlers angeboten, den Zaun auf ihrer Seite des Grundstücks neu zu errichten und sind ihnen sogar soweit entgegengekommen, dass sie dabei nicht einmal den vorgeschriebenen Gewässerrandstreifen von fünf Metern einhalten müssten", sagt er. Da dies nicht zu einer Befriedung des Streits geführt hat, will er den Sachverhalt nun seinem Anwalt übergeben.

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