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Großdubrau: Wolf tötet vier Schafe

Erst vor wenigen Tagen hatte eine Schäferin eine doppelt gesicherte Koppel für ihre Tiere aufgebaut. Doch sie hielt dem Raubtier nicht stand.

Ina Schmidt steht am Zaun ihrer Koppel bei Göbeln, einem Ortsteil von Großdubrau. Hier hat der Wolf vier Schafe gerissen.
Ina Schmidt steht am Zaun ihrer Koppel bei Göbeln, einem Ortsteil von Großdubrau. Hier hat der Wolf vier Schafe gerissen. © Steffen Unger

Großdubrau. Fassungslos steht Ina Schmidt am Koppelzaun. Erst am Dienstag hatte sie die neuen Netze angebracht und am Mittwoch dann zehn Schafe hierhergebracht. Nun sind vier tot, zwei trächtige Mutterschafe und zwei Lämmer. Eins davon habe ein Jäger 200 Meter entfernt entdeckt, erzählt die Schäferin vom Spreehof Göbeln bei Großdubrau.

In der Nacht zum Freitag hat der Wolf zugeschlagen. Wieder einmal. „Dabei hatten wir diesmal die Koppel extra doppelt gestellt“, erklärt Schmidt, die früher eine richtig große Schafherde hatte. Schon damals habe es immer wieder Wolfsangriffe gegeben. Nach dem ersten seien gleich 13 Tiere tot und weitere verletzt gewesen, erzählt die Schäferin. 

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Vor einigen Jahren hat Ina Schmidt die gewerbliche Schafzucht aufgegeben und sich auf andere Standbeine konzentriert. Sie beherbergt Feriengäste auf ihrem Hof, betreibt dort auch einen Laden und bietet Projekte für Kinder an. Bei denen bezieht sie auch die Schafe mit ein. Denn „einmal Schäferin, immer Schäferin“, sagt Ina Schmidt bestimmt.

Wolf holte am helllichten Tag ein Schaf

Und so habe sie sich erst letzte Woche dann eben doch entschieden, mit einer kleinen Schafherde weiterzumachen. Die Corona-Krise hat auch bei ihr Spuren hinterlassen. So konnten dieses Jahr kaum Projekte mit Kindern stattfinden. Daher stand zwischenzeitlich wieder die Frage im Raum, ob sie weiter Schafe halten will. Sie wollte – und beschaffte sich deshalb das Netzmaterial für die neuen Koppelzäune, bekam dafür auch Geld vom Freistaat. Denn der zahlt Zuschüsse für die Anschaffung von Elektrozäunen und weiteren Utensilien, damit Halter ihre Nutztiere richtig vor dem Wolf schützen.

„Oft ist man ja als Tierhalter schuld“, beklagt Ina Schmidt den Fakt, dass mancher nach Wolfsangriffen für gerissene Tiere nicht entschädigt wird, weil eben bestimmte Schutz-Kriterien nicht erfüllt waren. Sie habe manchen Vorfall deshalb schon gar nicht mehr gemeldet, sagt Ina Schmidt, zum Beispiel den von Ende September. Da habe ein Wolf am helllichten Tag ein Schaf geholt.

Schäferin hat Anspruch auf Entschädigung

Doch diesmal hat die Schafhalterin in puncto Schutz ihrer Tiere nichts versäumt oder gar falsch gemacht. Das bestätigt Karin Bernhardt vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, bei dem die Fachstelle Wolf angesiedelt ist. Der geforderte Mindestschutz sei eingehalten gewesen. Ina Schmidt hat den Vorfall auch rechtzeitig an die Fachstelle Wolf gemeldet. So war noch am Vormittag eine Rissbegutachterin vor Ort, die feststellte, „dass der Wolf als Verursacher hinreichend sicher ist“, teilt Sprecherin Karin Bernhardt mit. Merkmale wie der wolfstypische Kehlbiss ließen darauf schließen.

Eins der vier toten Tiere in Göbeln bei Großdubrau: Der Kehlbiss deutet auf einen Wolf als "Täter" hin.
Eins der vier toten Tiere in Göbeln bei Großdubrau: Der Kehlbiss deutet auf einen Wolf als "Täter" hin. © Steffen Unger

Ina Schmidt hat damit Anspruch auf Entschädigung für die vier gerissenen Tiere. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen steht die Frage, wie sie die verbliebenen Schafe künftig schützen soll, wenn nicht einmal der doppelte, 1,08 Meter hohe Zaun ausgereicht habe.

Wahrscheinlich laufe es darauf hinaus, die Schafe nachts in den Stall zu sperren und früh wieder raus zu lassen. Aber das bringe eben zusätzlichen Aufwand mit sich. Wirtschaftlich sei das nicht. Auch deshalb habe schon mancher Tierhalter in der Region aufgehört, schätzt Ina Schmidt ein. „Tierhaltung wird nur noch zum Hobby“, mutmaßt sie.

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