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Das tut sich in Königswarthas Plattenbaugebiet

Anfang des Jahres sorgte der Verkauf von mehr als 400 Wohnungen für Aufsehen. Seitdem hat sich anscheinend nicht viel getan. Doch dieser Eindruck täuscht.

Von Uwe Menschner
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Ein Blickfang im grauen Häusermeer des Plattenbaugebietes Königswartha: Die Wohnungsgenossenschaft hat ihre beiden Wohnblöcke modernisiert. Aber was tut sich in den Häusern des zweiten großen Vermieters?
Ein Blickfang im grauen Häusermeer des Plattenbaugebietes Königswartha: Die Wohnungsgenossenschaft hat ihre beiden Wohnblöcke modernisiert. Aber was tut sich in den Häusern des zweiten großen Vermieters? © Uwe Menschner

Königswartha. Im Plattenbaugebiet von Königswartha treten zwei Wohnblöcke als Blickfang aus dem grauen Häusermeer hervor: An den Kastanienring-Gebäuden mit den Eingangsnummern 1 bis 33 haben in den letzten Jahren umfangreiche Modernisierungsarbeiten stattgefunden. Schon aus der Entfernung sticht die fast schon futuristische 3D-Fassadengestaltung ins Auge.

Nachdem die Wohnungsgenossenschaft Königswartha 2020 am ersten Block Personenaufzüge installiert hatte, geschah dies im laufenden Jahr auch am Nachbargebäude. „Außerdem haben wir an die Einraumwohnungen Balkone angebaut“, erklärt Vorstandsvorsitzender Frank Woithe. Und fügt hinzu: „Diese Maßnahmen tragen maßgeblich zur Verbesserung der Wohnqualität bei, und wir haben auch fast keine freien Wohnungen.“

Selbst die Politik macht sich Sorgen

Das mag verwundern, gelten doch die in DDR-Zeiten entstandenen Neubaugebiete gerade in kleineren Orten als wenig begehrt und von hohen Leerständen geplagt. Und generell macht dabei auch Königswartha keine Ausnahme. Denn: Die Aussage von Frank Woithe trifft nur auf die zwei Häuser seiner Genossenschaft zu. Mit ihren insgesamt 175 Wohnungen ist sie der weitaus kleinere von zwei Vermietern, die sich in dem Gebiet betätigen. Vom Wirken des anderen Vermieters hat der Vorstandsvorsitzende nach eigenem Bekunden noch nicht allzu viel mitbekommen.

Auch der Königswarthaer Bürgermeister Swen Nowotny meint, dass es ein knappes Dreivierteljahr nach dem Verkauf der Wohnbau Königswartha GmbH an die in Jena ansässige SIVG-ICJ-Gruppe noch „recht ruhig“ sei. Die Gesellschaft sei in der Gemeinde noch nicht sehr stark in Erscheinung getreten.

Immerhin sei die gemeindliche Versorgungsgesellschaft, wie bereits in der Zeit der Wohnbau GmbH, mit der Verwaltung des Wohnungsbestandes betraut. „Die dafür erforderliche Umstellung der Systeme war schwierig und hat Kraft gekostet“, sagt Swen Nowotny. Insofern will er den „Neuen“ durchaus eine gewisse Karenzzeit zugestehen. Jedoch: „Ich hoffe, dass das im kommenden Jahr etwas mehr Fahrt aufnimmt“, so der Bürgermeister.

Halina Rösner kümmert sich in Königswartha um die Vermietung der leer stehenden Wohnungen, die einst zur Wohnbau GmbH gehörten. 15 wurden - wie diese am Eichbergweg – bereits saniert.
Halina Rösner kümmert sich in Königswartha um die Vermietung der leer stehenden Wohnungen, die einst zur Wohnbau GmbH gehörten. 15 wurden - wie diese am Eichbergweg – bereits saniert. © Uwe Menschner

Verkäufe von größeren Wohnungsbeständen gab es in der Vergangenheit eher in großen Städten, weniger in kleinen Orten wie Königswartha. Daher sorgte die Nachricht vom Engagement des Jenaer Immobilienunternehmens auch in der Politik für Aufhorchen. So kommentierte die Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (Die Linke): „Private Käufer kaufen aus Profitinteresse – auf kurze Sicht mögen Privatisierungen finanzielle Entlastung bringen, auf lange Sicht aber schaden sie dem Gemeinwohl. Bezahlbarer Wohnraum lässt sich damit ebenso wenig sichern wie mit der Forderung, die Leute sollten eben aufs Land ziehen, wenn sie in der Großstadt keine Wohnung mehr finden.“ Zuvor hatte sie sich mit einer kleinen Anfrage bei Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) über den Vorgang informiert.

Bereits 15 Wohnungen wurden saniert

Berechtigte Sorgen – oder doch nur ein Sturm im Wasserglas? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass der scheinbare Stillstand im früheren Wohnbau-Bestand nur äußerlich ist. Im Inneren der erworbenen Häuser tut sich nämlich durchaus schon etwas. „Wir haben in Königswartha einen Bestand mit 427 Einheiten erworben. Der Leerstand beträgt hier fast 40 Prozent“, gibt Christiane Groth von der SIVG-ICJ-Gruppe auf Anfrage zunächst allgemein Auskunft. Und weiter: „Ziel ist es, den zügigen Leerstandsabbau in den Beständen zu erreichen und attraktiven, modernen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Daher haben wir uns bisher vorwiegend hierauf konzentriert. In diesem Zusammenhang erfolgt derzeit die Sanierung der Leerwohnungen entsprechend der Nachfrage von Mietinteressenten.“

Konkret bedeutet dies, dass bereits 15 leer stehende Wohnungen komplett saniert wurden. „Einige“ davon konnte man schon vermieten, die genaue Zahl nennt die SIVG nicht. Probleme bereiten laut Christiane Groth die hohe Auslastung der regionalen Handwerksfirmen und „allgemeine Lieferschwierigkeiten“. Viele Wohneinheiten des übernommenen Bestandes seien in einem guten Zustand und bedürften nur kleinerer Sanierungsarbeiten. Andere müssten jedoch umfangreicher saniert werden.

Auch die Aufwertung des Wohnumfeldes hat die SIVG-ICJ-Gruppe laut Christiane Groth im Blick: „Wir sind sehr bestrebt, die Pläne hierzu im kommenden Jahr konkreter fassen zu können.“ Das wünscht sich auch der Königswarthaer Bürgermeister ganz besonders, vor allem im Hinblick auf die Spielplätze.

Immerhin stehen den Bewohnerinnen und Bewohnern der früheren Wohnbau-Häuser die vertrauten Mitarbeiter der Versorgungs GmbH nach wie vor zur Verfügung, „sie kümmern sich als feste Ansprechpartner in einem Mieterbüro vor Ort um die Belange der Mieter“, so Christiane Groth.