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Fast 17.000 Arbeitslose in der Oberlausitz

Die Arbeitslosenquote ist im Dezember leicht gestiegen. Arbeitssuchende kommen aktuell vor allem aus einer Branche - obwohl sie noch einen Job haben.

Von David Berndt
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Im Dezember waren in der Oberlausitz mehr Menschen arbeitslos als im November.
Im Dezember waren in der Oberlausitz mehr Menschen arbeitslos als im November. © Sebastian Gollnow/dpa (Symbolbild)

Bautzen. Die Zahl der Arbeitslosen in den Landkreisen Bautzen und Görlitz ist im Dezember 2021 leicht gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Bericht zum Arbeitsmarkt hervor, den die Agentur für Arbeit Bautzen am Dienstagvormittag vorstellte. Das hänge vor allem mit der vierten Welle der Corona-Pandemie zusammen. Rund 16.900 Menschen sind in der Oberlausitz derzeit ohne Job. Trotzdem gibt es mehr als 5.000 freie Stellen.

Wo es derzeit freie Stellen gibt

Ende Dezember waren 683 Menschen mehr arbeitslos als im November. Die Arbeitslosenquote betrug zum Jahresende 6,1 Prozent. Doch der ostsächsische Arbeitsmarkt habe sich über das gesamte Jahr 2021 leicht erholt, betont Kathrin Groschwald, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen. „Es arbeiten wieder mehr Menschen in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Anzahl der gemeldeten freien Arbeitsstellen ist nach wie vor hoch.“ Das liege etwa am breit gefächerten Branchenspektrum in der Region. Man sei nicht von einigen wenigen großen Arbeitgebern abhängig.

Im Vergleich zu 2020 sei die Arbeitslosenquote 2021 um 1,3 Prozent gesunken. Das heißt, es waren 244 Menschen weniger arbeitslos. Auf die rund 16.900 Menschen ohne Job kommen im Moment mehr als 5.000 freie Stellen. Die zu besetzen sei aber schwierig, führt Kathrin Groschwald aus. „Die meisten Stellen, die uns gemeldet werden, sind Vollzeit, unbefristet, aber sehr spezialisiert.“ Deshalb wolle man bereits Beschäftigte qualifizieren, um sie gezielt für andere Tätigkeiten auszubilden.

Nachfrage gebe es etwa in der Metallverarbeitung, der Pflege und dem Gesundheitswesen, der Informatik oder in kaufmännischen Berufen. Perspektivisch zeigt sich die Agentur-Geschäftsführerin optimistisch. Die Arbeitslosenquote werde sich 2022 bei unter sechs Prozent einpegeln. Eine hohe Impfquote könne eine weitere Erholung des Arbeitsmarktes unterstützen. Material- und Lieferengpässe würden dagegen noch für Unsicherheiten sorgen.

Wie es aktuell um das Thema Kurzarbeit steht

Dass die Arbeitslosenquote zum Jahresende nicht weiter gestiegen ist, hänge vor allem mit dem Kurzarbeitergeld zusammen. „Das Kurzarbeitergeld war die Brandmauer, um uns vor hohen Arbeitslosenzahlen zu schützen“, erklärt Kathrin Groschwald. Demnach seien die Anzeigen der Unternehmen zum Kurzarbeitergeld ab Oktober gestiegen.

Ob damit auch in jedem Fall Anträge auf Kurzarbeitergeld folgen, müsse sich erst zeigen. Im November und Dezember sind laut Arbeitsagentur rund 900 Anzeigen für insgesamt 7.600 Arbeitnehmer vor allem aus dem Gast- und verarbeitenden Gewerbe, sonstigen Dienstleistungen sowie Kunst und Kultur eingegangen.

Warum sich mehr Menschen arbeitssuchend melden

Auffällig sei zudem ein Anstieg der Zahl arbeitssuchender Menschen, die derzeit noch beschäftigt sind. Diese Zahl sei seit Mitte Dezember um 30 Prozent gestiegen. Wie Kathrin Groschwald ausführt, kommen sie speziell aus der Pflege und dem Gesundheitswesen. „Das hat mit der Impfpflicht zu tun.“

Es handele sich um Personen, die sich nicht impfen lassen möchten und nun präventiv arbeitssuchend melden, da sie möglicherweise ihre Jobs verlieren. Wie viele Arbeitssuchende dies konkret betrifft, teilte die Arbeitsagentur nicht mit.

Anfang Dezember wurde eine berufsbezogene Impfpflicht beschlossen. Damit müssen Beschäftigte in Einrichtungen wie Kliniken, Pflegeheimen und Arztpraxen bis Mitte März 2022 nachweisen, dass sie vollständig gegen Corona geimpft oder davon genesen sind, oder eine ärztliche Bescheinigung haben, dass sie nicht geimpft werden können.