merken
PLUS Bautzen

Kirschau: So läuft's jetzt in der Körse-Therme

Seit 1. Oktober hat das Hallenbad nach langer Schließzeit wieder offen. Doch wo bleiben die Besucher?

Gabriele Förster aus Großpostwitz hat ihren kleinen Enkel Theodor zu Besuch. Um die gemeinsame Zeit aktiv zu verbringen, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael die Badetasche gepackt und ist in die Körse-Therme nach Kirschau gefahren.
Gabriele Förster aus Großpostwitz hat ihren kleinen Enkel Theodor zu Besuch. Um die gemeinsame Zeit aktiv zu verbringen, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael die Badetasche gepackt und ist in die Körse-Therme nach Kirschau gefahren. © SZ/Uwe Soeder

Kirschau. Eine reichliche Woche ist es jetzt her, dass die Körse-Therme - nach anderthalb Jahren Schließzeit - wieder geöffnet wurde. Und wie nehmen es die Besucher an? Ein Besuch am Montagvormittag: Eine überschaubare Zahl an Autos ist auf dem großen Parkplatz vor dem Bad abgestellt. Darunter, das fällt auf, eine ganze Reihe auswärtiger Kennzeichen: Aus Löbau und Kamenz haben genauso Besucher hierher gefunden wie aus dem Landkreis Meißen. Sogar ein Auto mit Kennzeichen aus dem hessischen Frankfurt wartet hier auf die Rückkehr seiner Besitzer.

Verhaltener Start nach der Wiedereröffnung

Drinnen lässt sich der Tag bei 27 Grad Wassertemperatur gemächlich an. Auf den Liegen am Beckenrand herrscht noch freie Platzwahl. Im Außenbecken verdampft warmes Wasser in der kühlen Luft des Oktobermorgens. Ein einzelner Schwimmer dreht seine Bahnen im großen Becken. Ältere Menschen betreten die Halle, um kurz darauf im blubbernden Whirlpool zu versinken. Ihnen folgt ein Paar aus Neustadt in Sachsen. Die junge Frau erklärt, als Kind sei sie oft in der Körse-Therme gewesen. Nun hätten sie und ihr Mann Urlaub, die Kinder abgegeben und wollten sich einen Tag Entspannung in Solebecken und Sauna gönnen. "Dass die Körse-Therme erst seit einigen Tagen wieder geöffnet hat, wusste ich gar nicht", sagt sie erstaunt.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Die Mitarbeiterin, die an diesem Tag die Besucher an der Kasse bedient, wundert diese Aussage kaum: "So richtig herumgesprochen hat sich die Wiedereröffnung noch nicht", sagt sie. Selbst an vielen Einheimischen, ist ihr aufgefallen, sei die Nachricht vorbeigegangen.

Seit 16. März 2020 war Kirschaus Ganzjahresbad geschlossen. Der Lockdown in einem der umsatzstärksten Monate hatte dem defizitären Bad-Betrieb arg zugesetzt. Schnell machten Gerüchte die Runde, das Bad würde nicht mehr öffnen. Bewahrheitet haben die sich nicht: Trotz allerhand Unklarheiten über die langfristige Finanzierung des Bad-Betriebs darf seit 1. Oktober dieses Jahres in der Körse-Therme wieder geschwommen und sauniert werden - wenigstens bis das Bad voraussichtlich ab 2022 erneut schließen muss. Dann für die geplante Sanierung, für die derzeit mit einem Kostenaufwand von etwa 15 Millionen Euro gerechnet wird.

Geschäftsführerin: "Zahlen waren ein echter Schock."

Doch der Neustart war mäßig: "Wir sind gestartet wie an einem schlechten Sommertag, die Nachfrage war sehr verhalten", sagt die Geschäftsführerin der Körse-Therme, Henriett Pietsch. Sie rechnet vor: An den ersten vier Tagen seit Wiedereröffnung hätten jeweils knapp 150 Besucher die Therme besucht. Danach hätten die Gästezahlen sich allmählich der 300er Marke genähert. Und dennoch: "Zwischen dem 1. und dem 9. Oktober hatten wir knapp 1.800 Besucher. Im Jahr 2019 waren es im gleichen Zeitraum um die 4.000; in den Jahren davor auch schon einmal um die 5.000 Besucher", erklärt Pietsch. Ihr Fazit: "Die Zahlen waren ein echter Schock."

Erklärungen dafür kann sie eine ganze Reihe geben: An den ersten Oktobertagen sei fabelhaftes Wetter gewesen, am Eröffnungswochenende dazu noch eine große Auswahl an kulturellen Veranstaltungen. Sie alle konkurrierten mit dem Badbesuch. Und: "Das Hygiene-Konzept hat sicher viele verunsichert. Insbesondere die Beschränkung der Besucherzahl auf 200 könnte jene abgehalten haben, die ein paar Kilometer weiter fahren müssen", mutmaßt die Geschäftsführerin. Diese Regel ist nun weggefallen. Stattdessen gilt 3G. Und auch das könnte viele abschrecken: Durch Einführung der kostenpflichtigen Tests, von denen jeder zwischen 15 und 20 Euro kostet, könnte sich der Badbesuch für viele Familien als zu teuer erweisen, fürchtet Pietsch.

Teuer und nicht eben gut für das Image des Bades war wohl auch jene Nachricht aus der vergangenen Woche, wonach Diebe zehn Spinde im Umkleidebereich aufgebrochen und etwa 1.100 Euro Beute gemacht hätten. Sven Gabriel, der Verbandsvorsitzende des Zweckverbandes Körse-Therme, bestätigt das am Telefon und erklärt: "Wer solche kriminelle Energie hat, hat einen Spind in drei Sekunden aufgebrochen." Erst ein einziges Mal sei ein solcher Vorfall in der über 20-jährigen Geschichte des Bades bekanntgeworden. Gabriel rechnet deshalb nicht damit, dass dieser Vorfall zur Gewohnheit wird, versichert aber: "Unsere Mitarbeiter werden den Spindbereich künftig natürlich genauer beobachten."

Mehr Kinder und Jugendliche als früher

Neben all diesen Start-Schwierigkeiten hat Henriett Pietsch aber auch eine überraschende Beobachtung zu vermelden: "So viele Kinder und Jugendliche wie in den ersten Tagen habe ich in der Körse-Therme noch nie gesehen", sagt sie.

Weiterführende Artikel

Er soll die Körse-Therme retten

Er soll die Körse-Therme retten

Frank Nägele wurde von Landkreis und Zweckverband als Berater beauftragt, das defizitäre Bad in Kirschau zu modernisieren. Wie er das schaffen will.

Körse-Therme: Das sagt eine Mitarbeiterin

Körse-Therme: Das sagt eine Mitarbeiterin

22 Jahre hat sie dem Bad die Treue gehalten, nun steht sie vor einer ungewissen Zukunft. Das drohende Aus für das Kirschauer Hallenbad trifft sie hart.

Von dieser neuen Zielgruppe ist am Montagmorgen verständlicherweise nicht viel zu sehen. Einzig der kleine Theodor, der in Potsdam wohnt und zu Besuch bei seinen Großeltern Gabriele und Michael Förster in Großpostwitz weilt, macht sich am Beckenrand bereit für ein Ballspiel im Wasser. Seit eineinhalb Jahren kann er schwimmen, erklärt seine Oma. Das wolle man fördern - und bei der Gelegenheit selbst aktiv bleiben. In der Körse-Therme sei das immerhin noch zu erschwinglichen Preisen möglich.

Mehr zum Thema Bautzen