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Kreis Bautzen: So wirkt sich der Lkw-Fahrer-Mangel aus

Auch im Landkreis Bautzen wollen offenbar immer weniger Menschen Fernfahrer werden. Woran das liegt und wie die Speditionen damit umgehen.

Ralf Michel ist Dispositionsleiter bei der Bautzener Spedition Wobst. Für ihn hat der Mangel an Lkw-Fahrern mehrere Gründe.
Ralf Michel ist Dispositionsleiter bei der Bautzener Spedition Wobst. Für ihn hat der Mangel an Lkw-Fahrern mehrere Gründe. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. 60.000 bis 80.000. So viele Lkw-Fahrer fehlen laut dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) deutschlandweit. Eine Herausforderung, die auch Spediteure im Landkreis Bautzen bewältigen müssen, bestätigt Ralf Michel. „Keiner will den Job machen“, spitzt der Dispositionsleiter der Bautzener Spedition Wobst zu. Diese Entwicklung sei allerdings nicht neu, sondern finde seit zehn bis zwölf Jahren statt.

Die Fahrer könnten gar nicht das Geld verdienen, was ihnen zustehe. Laut Ralf Michel sind die Kosten für Speditionen gestiegen, etwa für Kraftstoff, Reifen oder Zubehör. „Vor einem Jahr lag der Preis für einen Liter Diesel im Großeinkauf bei 90 Cent. Jetzt sind es 1,26 Euro“, rechnet Michel vor. „Die Speditionen können das nur abfangen, wenn die Auftraggeber aus der Industrie mehr zahlen. Der Großteil tut das aber nicht.“

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Lkw-Fahrer finden oft keine Parkplätze

Es herrsche vielmehr die Ansicht, dass Transporte billig sein müssen, meint Ralf Michel. „Bei Maschinen und Rohstoffen können wir nicht sparen. Wenn wir es bei Personalkosten tun, gehen die Leute.“ Abgesehen davon hätten seine Fahrer noch ganz andere Sorgen. Abends sei es oft aussichtslos, einen Parkplatz zu bekommen, und an den Raststätten würden sie schlecht behandelt.

Auch für Jan Dally spielt die Verkehrslage eine Rolle, wenn es um den Mangel an Lkw-Fahrern geht. „Der ständige Stau ist einer der Gründe, weshalb der Beruf immer unattraktiver wird“, erklärte der Geschäftsführer von vier Standorten des Unternehmens Schmalz + Schön, das im Gewerbegebiet Salzenforst ansässig ist, im September im Rahmen der Wahltour von Sächsische.de. Dazu kämen übervolle Parkplätze und verschärfte Auflagen zu Lenk- und Ruhezeiten. Bewerbungen für Fernfahrten bekomme das Unternehmen deshalb kaum noch, deshalb habe es seine Flotte verkleinern müssen.

Dass viele Fahrer zunehmend vom Fern- in den Nahverkehr wechseln wollen, bestätigen weitere Spediteure aus dem Landkreis Bautzen, etwa Marcel Wagner. „Sobald Familie eine Rolle spielt, wird der Fernverkehr immer unattraktiver“, weiß der Disponent für Nah- und Fernverkehr des Pulsnitzer Logistikunternehmens Locs, das weitere Standorte in Radeberg, Burkau, Bautzen, Großröhrsdorf und Bretnig betreibt.

Speditionen beschäftigen viele ausländische Fahrer

Noch könne sein Arbeitgeber alle Aufträge abdecken, aber früher oder später werde es zu wenig Berufskraftfahrer geben. Die Pulsnitzer würden seit Jahren auch ausländische Fachkräfte beschäftigen, zum Beispiel aus Russland oder Polen. „Das funktioniert, und wir sind mit den Kollegen zufrieden“, sagt Marcel Wagner.

Es gebe viele ausländische Fachkräfte in der Branche, bestätigt Dietmar von der Linde, Geschäftsführer der Fachvereinigung Spedition und Logistik im Landesverband des Sächsischen Verkehrsgewerbes. Oft kämen die Fahrer aus Polen oder Tschechien. „Der Personalmangel ist aber keine Besonderheit dieser Branche. Es gibt weniger Interesse an dem Beruf, weil die Menschen ein anderes Freizeitverhalten haben und die Arbeitszeiten als Fernfahrer abschrecken.“

Dass es nun Versorgungslücken wie in Großbritannien geben könnte, hält Dietmar von der Linde allerdings für ausgeschlossen. Dort sollten Soldaten Anfang Oktober Tanklaster durch England fahren, um den Mangel an Kraftstoff an den Tankstellen zu beheben. „Solche Verhältnisse werden wir nicht erleben.“

Fünf Maßnahmen gegen den Fernfahrer-Mangel

Dass es beim Militär zumindest die Möglichkeit gibt, den Lkw-Führerschein zu machen, sieht Mirko Wenzels prinzipiell positiv. Mit dem Wegfall der Wehrpflicht in Deutschland und weniger Berufssoldaten falle diese Ausbildungsmöglichkeit aber leider weg, sagt der Geschäftsführer der Wenzel Transport GmbH aus Bautzen. So zahlen Arbeitgeber wie er und andere für die Ausbildung oder Zusatzqualifikationen ihrer Fahrer. Auch in seinem Unternehmen seien viele polnische Fahrer beschäftigt. Bisher müssten bei ihm noch keine Aufträge liegenbleiben, weil es zu wenig Fahrer gibt.

Die Spedition Hultsch aus Wilthen transportiert vor allem Pkw innerhalb von Deutschland und muss bereits manche Fahrten an andere Speditionen weitergeben. Bewerbungen bekomme sie kaum noch, sagt Geschäftsführerin Beate Mirtschink. „Die Personalprobleme sind richtig massiv geworden. Das hängt auch mit dem Berufsfeld zusammen, das keine Lobby hat.“ Dazu komme der schlechte Ruf, etwa wegen betrunkenen Lkw-Fahrern. Die jüngsten offenen Stellen hätte sie ohne tschechische Fahrer nicht besetzen können.

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Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung hatte nun vor wenigen Tagen nicht nur den Mangel an Lkw-Fahrern beklagt, sondern auch einen Aktionsplan dagegen vorgelegt. Mit fünf verschiedenen Maßnahmen wolle man das Problem lösen. Dazu gehören mehr Wertschätzung und ein verbessertes Image, bessere Arbeitsbedingungen, weniger Bürokratie, Nachwuchsgewinnung und Digitalisierung sowie die Erleichterung der Fachkräftezuwanderung.

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