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Lausitz: Kommt nach der Braunkohle die Blaualge?

Ein neues Bündnis setzt beim Strukturwandel in der Region auf Aquakultur - und hofft dafür auf 15 Millionen Euro Fördergeld.

In der Ferne dampft noch das Braunkohlenkraftwerk Schwarze Pumpe. Die Zukunft für den Landkreis Bautzen und die Lausitz sieht das Bündnis Aquatech Lausitz mit Regionalkoordinator Andreas Kretschmer aber im Wasser.
In der Ferne dampft noch das Braunkohlenkraftwerk Schwarze Pumpe. Die Zukunft für den Landkreis Bautzen und die Lausitz sieht das Bündnis Aquatech Lausitz mit Regionalkoordinator Andreas Kretschmer aber im Wasser. © HY-photo Gernot Menzel

Bautzen. Die Zukunft liegt im Wasser. So sehen das jedenfalls die Initiatoren des Bündnisses Aquatech Lausitz. Sie wollen ihre Ideen für einen gelungenen Strukturwandel in Ostsachsen und Südbrandenburg umsetzen. Angesichts der Energie- und Rohstoffwende dränge sich Wasser als nachhaltige und regionale Ressource geradezu auf, sagt Regionalkoordinator Andreas Kretschmer von der Greentec Consult GmbH aus Nebelschütz. „Wasser wird uns weiter zur Verfügung stehen, und es gibt eine reale Nachfrage aus verschiedenen Branchen“, etwa für Mikro- und Makroalgen, Wasserpflanzen oder Fisch.

Blaualgen als Basis für Futter- und Nahrungsmittel

Gesteuert wird das Bündnis Aquatech Lausitz von der Technischen Universität Dresden in Person von Koordinator Felix Krujatz vom Institut für Naturstofftechnik. Man wolle „Aquakultur zukunftsfähig machen“ und zwar mit der in der Lausitz bereits existierenden Fisch- und Teichwirtschaft, aber auch mit Garnelen oder Blaualgen, die wertvolle Ressourcen sein können, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter für Bioverfahrenstechnik und Projektleiter für Algenbiotechnologie. Blaualgen kommen etwa als Basis für Produkte der Nahrungs- und Futtermittelindustrie, für Kosmetik- und Pharmaerzeugnisse oder für Biomaterialien etwa in Kunststoffunternehmen infrage.

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Laut Aquatech Lausitz ist Mikroalgenbiomasse eine Quelle für nachhaltig produzierte und biobasierte Lebensmittel und Wirkstoffe.
Laut Aquatech Lausitz ist Mikroalgenbiomasse eine Quelle für nachhaltig produzierte und biobasierte Lebensmittel und Wirkstoffe. © AquaTechLausitz

Aquatech Lausitz hofft auf Förderung aus dem Programm „Wir“ (Wandel durch Innovation in der Region) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung - und befindet sich aktuell in der entscheidenden Phase. Im Mai muss es wie die anderen 43 Bewerber sein Konzept einreichen. 25 davon werden schließlich gefördert. Laut Felix Krujatz könnte Aquatech bis zu 15 Millionen Euro für sechs Jahre Projektlaufzeit bekommen. Im Landkreis Bautzen würde dann ein Zentrum für angewandte Aquakultur und Bioökonomie eingerichtet. Es könnten neue Unternehmen gegründet und Forschungen ausgebaut werden.

Aquatech Lausitz will "Spirulina" auch in der Lausitz produzieren. Das Cyanobakteriumsei wurde bereits 1974 durch die WHO als gesündestes Lebensmittel der Zukunft bezeichnet.
Aquatech Lausitz will "Spirulina" auch in der Lausitz produzieren. Das Cyanobakteriumsei wurde bereits 1974 durch die WHO als gesündestes Lebensmittel der Zukunft bezeichnet. © TU Dresden, Institut für Naturstofftechnik, Dr.-In

Regionalkoordinator Andreas Kretschmer sieht Chancen für die Industrie, etwa im Bau von Produktions- oder Verarbeitungsanlagen für Mikroalgen. Jobs im Maschinen- und Anlagenbau seien hier vorstellbar und Lausitzer Firmen angesprochen. Dass damit ein Großteil der schwindenden Arbeitsplätze aus dem Kohleabbau kompensiert werde, sei aber nicht realistisch. „Die wertschöpfende Produktion in der Lausitz geht nur automatisiert“, sagt Kretschmer.

Sorbisches Institut ist ebenfalls beteiligt

Dem technologieorientierten Bündnis gehören bislang 49 Mitglieder an, die vor allem aus der Wirtschaft sowie der Bildung und Forschung kommen. Dazu gehören etwa die Grünerdüngen GmbH aus Dresden oder die Firma Ökotec-Anlagenbau aus der Region Leipzig, die bei Biogas, in der Landwirtschaft und Industrie tätig ist. Aus der Forschung und Bildung sind das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei dabei - aber auch das Sorbische Institut in Bautzen.

Dieses hat zwar nichts mit Naturwissenschaften zu tun, könne aber trotzdem einen Beitrag etwa mit Blick auf die deutsch-sorbische Zweisprachigkeit leisten, erklärt Fabian Jacobs, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut.

Das Bündnis biete die Möglichkeit, neue Kooperationen zu schaffen. Das Sorbische Institut könne etwa bei der Zusammenarbeit mit Kommunen und Akteuren beraten. Natur- und Minderheitenschutz könnten außerdem verknüpft werden. Fabian Jacobs sieht den Strukturwandel als Gelegenheit, die man nutzen müsse. „Es gibt ein steigendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit, für die sorbische Minderheit, für kooperatives Arbeiten oder die Beteiligung von Bürgern“, stellt er fest.

Projekte könnten ab Dezember starten

Neben Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist auch der Landkreis Bautzen Projektpartner bei Aquatech Lausitz. Er könnte dabei helfen, das Bündnis zu erweitern, vor allem um regionale Partner, wie es Koordinator Felix Krujatz vorschwebt.

Aufgrund der vielfältigen Kontakte zur einheimischen Wirtschaft will der Landkreis die Suche nach innovativen und regionalen Kooperationspartnern unterstützen, wie eine Sprecherin bestätigt. „Darüber hinaus können wir die Initiatoren und gewonnene Projektpartner gezielt beraten, zum Beispiel was Genehmigungen, die Verfügbarkeit geeigneter beziehungsweise gut angebundener Gewerbe- und Industrieflächen sowie Möglichkeiten der Fachkräftesicherung betrifft.“

Aber zunächst stehen die Abgabe des Aquatech-Konzepts beim Fördermittelgeber und dessen Begutachtung an. Sollte das Bündnis gefördert werden, beginnt die Umsetzungsphase im Dezember mit der Förderung über eine Million Euro für drei interne Bündnis-Maßnahmen wie etwa eine Machbarkeitsstudie. Frühestens Mitte 2022 wären Projekte mit Partnern mittels weiterer Fördermillionen möglich.

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