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Streik bei Lausitzer geht in die dritte Woche

Im Tarifstreit beim Sohlander Früchteverarbeiter gibt es keine Einigung. Während Mitarbeiter weiter streiken, hat die Leitung eine Entscheidung getroffen.

Bereits seit dem 16. Oktober streiken Beschäftigte der Lausitzer Früchteverarbeitung aus Sohland. Weil keine Einigung in Sicht ist, soll der Arbeitskampf in der kommenden Woche fortgesetzt werden.
Bereits seit dem 16. Oktober streiken Beschäftigte der Lausitzer Früchteverarbeitung aus Sohland. Weil keine Einigung in Sicht ist, soll der Arbeitskampf in der kommenden Woche fortgesetzt werden. © Archivfoto: Steffen Unger

Sohland. Ohne Zweifel: Die Fronten zwischen den streikenden Beschäftigten der Lausitzer Früchteverarbeitung aus Sohland/Spree und den Inhabern und Geschäftsführern der Firma, Werner und Maximilian Deharde, sind verhärtet. Das bestätigten sowohl Angestellte als auch die Geschäftsführung unabhängig voneinander. So sprach Olaf Klenke, der die Verhandlungen für die Beschäftigten im Namen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) führt, von einer „persönlich belasteten Beziehung“ zwischen Geschäftsführern und Angestellten: „Ich glaube, Werner und Maximilian Deharde wollen auf Zeit spielen. Die Beschäftigten werden hingehalten und von oben unter Druck gesetzt“, so der Gewerkschafter.

Den Druck, findet dagegen Thomas Gläser, der für den Sächsischen Arbeitnehmerverband Nahrung und Genuss (Sang) verhandelt, baue eher die Gewerkschaft auf: „Wild drauf los schießen, ist nicht der richtige Weg. Ich kann nachvollziehen, dass das Unternehmen unter den Bedingungen weitere Verhandlungen ablehnt. Den Scherbenhaufen haben wir nun“, sagt er.

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Konflikt spitzt sich seit September zu

Die Ursache des Konflikts liegt allerdings – das bestätigen beide Seiten - im anhaltenden Streik nicht begründet, sondern geht auf eine Verhandlungsrunde am 4. September zurück. Sieben Stunden lang, so Thomas Gläser, habe man an dem Tag verhandelt, bis ein Mitarbeiter des Unternehmens, das Mitglied der Tarifkommission ist, schließlich dem Unternehmen das Angebot unterbreitet habe, im Rahmen des beabsichtigten Haustarifvertrags eine Lohnangleichung von jährlich 50 Euro pro Monat festzuschreiben. Offen sei an diesem Tag geblieben, ob man den Haustarifvertrag auf zwei oder drei Jahre festschreiben wolle, so Gläser weiter. Nach seiner Ansicht sei das ein „verbindliches Angebot gewesen“, das die Unternehmensführung eine Woche später habe annehmen wollen. Das habe die Gewerkschaft aber mit der Begründung abgelehnt, die vorgesehenen Lohnsteigerungen seien zu gering.

Durch die Gegenseite würden Tatsachen verdreht, entgegnet hierauf Olaf Klenke. Ein derartiges Angebot seitens der Gewerkschaft sei nicht mit den Mitarbeitern abgestimmt gewesen und habe es daher nicht gegeben. Am 16. Oktober traten schließlich etwa 15 Mitarbeiter aus dem Bereich Fruchtzubereitung in den Streik. Ihre Forderung: Die Anhebung des Stundenlohns um einen Euro – von elf auf zwölf Euro. Vergangenen Montag schließlich habe die Gewerkschaft der Geschäftsführung ein erneutes Angebot vorgelegt, berichtet Klenke weiter. Dieses habe auf einen Haustarifvertrag abgezielt, der für ein Jahr die Erhöhung des Monatslohns um 85 Euro vorsieht. „Mehr Kompromissfähigkeit können wir nicht demonstrieren“, so Klenke.

Da die beiden Verhandlungsführungen bislang keinen Schritt aufeinander zugegangen seien, kündigte der NGG-Vertreter am Freitag an, die Gruppe der Streikenden habe sich entschieden, die Arbeit für eine weitere Woche niederzulegen. Wie genau die dritte Streikwoche bei der Lausitzer Früchteverarbeitung unter Corona-Bedingungen weitergehen könne, ließ Olaf Klenke am Freitag noch offen.

Geschäftsführung vereinbart neue Verträge

„Weitere Verhandlungen wird es nicht geben. Das Thema ist für uns durch“, macht daraufhin Geschäftsführer Maximilian Deharde klar, der das Vorgehen der Gewerkschaft als „unseriös“ bezeichnet. Den Aussagen von Streikenden, die Abteilung Fruchtzubereitung sei infolge der fehlenden Arbeitskräfte in Lieferengpässe geraten, widerspricht er. Man produziere zwar weniger, habe aber durch Umverteilung aus anderen Abteilungen die Arbeitsfähigkeit in der Fruchtzubereitung erhalten.

Darüber hinaus habe man sich mit jenen Mitarbeitern über neue Vertragskonditionen geeinigt, die nicht Mitglied der Gewerkschaft seien und am Streik nicht teilnähmen. „Es wird Anpassungen geben – allerdings ohne Gewerkschaft und ohne Tarifvertrag“, teilt Maximilian Deharde nun mit. Nach seinen Aussagen habe man sich mit der Mehrheit der Mitarbeiter auf eine Lohnsteigerung von 50 Euro pro Monat verständigt. „Alle anderen sind gern eingeladen, dieser Vereinbarung beizutreten. Dann geht’s mit denen weiter, die das wollen“, macht Deharde klar, der diesen Schritt auch als Neustart für das Unternehmen sieht.

„Herr-im-Hause-Politik“ nennt Olaf Klenke dieses Vorgehen und findet bezugnehmend auf Werner Deharde, der als Geschäftsführer auch dem Arbeitgeberverband Sang vorsteht: „Mit der sozialen Partnerschaft, die im Arbeitgeberverband gepredigt wird, hat dieses Verhalten nichts zu tun.“ Das Vorhaben, den Streik fortzusetzen, bleibe von der Ansage der Geschäftsführung unberührt.

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