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Bautzen baut Bismarck-Denkmal wieder auf

Das Denkmal auf dem Czorneboh in Bautzens Stadtwald wurde 1950 zerstört. Wer nun hinter dem Wiederaufbau steckt - und was Stadträte dazu sagen.

Am Turm auf dem Czorneboh soll künftig wieder ein Bismarck-Denkmal stehen. Dem hat der Hauptausschuss des Bautzener Stadtrates jetzt zugestimmt.
Am Turm auf dem Czorneboh soll künftig wieder ein Bismarck-Denkmal stehen. Dem hat der Hauptausschuss des Bautzener Stadtrates jetzt zugestimmt. © SZ/Uwe Soeder, privat

Bautzen. Er gilt als eine der umstrittensten Figuren der deutschen Geschichte – und wird bald in Form einer Skulptur auf dem Czorneboh stehen. Die Rede ist vom ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck, der von 1815 bis 1898 lebte. Dass ihm ein Denkmal gebaut wird, hat am Mittwochabend der Hauptausschuss des Bautzener Stadtrates beschlossen.

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Die Initiative geht zurück auf den Verein Bautzener Liedertafel. Der Verein will das Denkmal wieder herrichten lassen, das einst im Bautzener Stadtwald auf dem Czorneboh stand – bis es 1950 zerstört wurde. Am Treppenaufgang zum Turm ist der Sockel des Denkmals sogar noch erhalten. Und dort will der Verein das Denkmal wieder aufstellen. Dann will er es der Stadt schenken. Für diese sollen nur in Form der Denkmalpflege Kosten entstehen.

Gestaltet werden soll das Denkmal nach dem Vorbild des Originals. Das hatte damals der Bildhauer Anton Schwarz gemeinsam mit seinem Bruder Adolf Schwarz geschaffen; die Künstler haben mehrere Skulpturen in Sachsen geschaffen.

Initiative geht auf AfD-nahen Verein zurück

„Wir, die Bautzener Liedertafel, sehen in der Zerstörung des Bismarck-Denkmals um 1950 einen Akt der Barbarei“, erklärt die Vereinsvorsitzende Monika Maschinsky in einem Schreiben an die Stadtverwaltung, in dem sie das Anliegen des Vereins schildert. Mitglieder der FDJ, also des kommunistischen Jugendverbands „Freie Deutsche Jugend“, hätten die Skulptur damals bewusst kaputt gemacht. „Über Bismarcks Bedeutung für unser Land sind sich die Historiker heute ziemlich einig“, schreibt Monika Maschinsky. „Welche Rolle dieser Mann in seinem Wirken für die Einheit Deutschlands bei seinen Zeitgenossen spielte, können wir kaum mehr ermessen.“

Der Verein „Bautzener Liedertafel – Verein für Liedgut und Heimatpflege“ ist umstritten. So sangen die Mitglieder bei Kundgebungen der AfD, die mittlerweile in Sachsen vom Verfassungsschutz als „Verdachtsfall Rechtsextremismus“ eingestuft worden ist. Bei einigen trat die Liedertafel gemeinsam mit Sachsens AfD-Vorsitzendem Jörg Urban und dem AfD-Bundestagsabgeordneten Karsten Hilse auf. Auch bei Pegida war die Gruppe; im Blauen Rundbrief des AfD-Kreisverbandes wurden Bilder davon abgedruckt. Auch der Brief, den die Liedertafel an die Stadtverwaltung geschrieben hat, zeigt eine gewisse AfD-Nähe. Als Adresse ist die Karl-Marx-Straße 15 angegeben – dieselbe Adresse wie das AfD-Parteibüro. AfD und Liedertafel teilen sich dort den Briefkasten.

Bismark schuf die gesetzliche Versicherung...

Das spielte in der Sitzung des Hauptausschusses des Stadtrates keine Rolle. Aber es gab kritische Anmerkungen zum Projekt an sich. Dennoch: Während andernorts – zum Beispiel in Hamburg - darüber diskutiert wurde, ob das Bismarck-Denkmal überhaupt zeitgemäß sei, ist in Bautzen nur verhaltene Skepsis zu hören. „Ich finde das Projekt etwas aus der Zeit gefallen“, ließ zum Beispiel CDU-Fraktionschefin Katja Gerhardi durchblicken. Als Geschichtslehrerin freue sie sich nun darüber, sagte sie mit ironischem Unterton, eine aktuelle Prüfungsfrage für das mündliche Abitur zu haben. Die Schüler könnten dabei das Für und Wider Bismarcks erörtern.

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) erklärte, dass sich darüber streiten lasse, ob das Denkmal jetzt das vordringlichste Problem der Stadt sei – aber er begrüße den Ansatz. Schließlich sei Bismarck ein Vorbild für unsere moderne Sozialversicherung.

... und verbot sozialdemokratische Vereine

Der ehemalige Reichskanzler hatte in den 1880er-Jahren eine gesetzliche Krankenversicherung, eine Unfall- und eine Rentenversicherung eingeführt. Roland Fleischer, Parteikollege des Oberbürgermeisters, erklärte, dem Ganzen zwiespältig gegenüberzustehen. Denn ja, Bismarck habe zwar die Kranken- und Unfallversicherung auf den Weg gebracht. Er werde deshalb auch für das Projekt stimmen, so Fleischer. Aber Bismarck habe eben auch das Sozialistengesetz durchgesetzt, das Sozialdemokraten ihre Vereine, Versammlungen und Druckschriften verbot.

Monika Vetter von der CDU forderte deshalb, dass an dem Denkmal eine Tafel angebracht wird, auf der die kritische Seite Bismarcks ebenfalls diskutiert wird. Eine Idee, die auch der Bautzener Oberbürgermeister für sinnvoll hielt.

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Die Debatte war damit für den Hauptausschuss beendet: Gegen das Projekt stimmte am Ende keiner der Stadträte. Die beiden CDU-Rätinnen Katja Gerhardi und Monika Vetter enthielten sich. Mit fünf Ja-Stimmen von SPD, AfD und Bürgerbündnis ist der Beschluss angenommen worden. Wann der Aufbau beginnt, ist noch unklar. Wie die Stadt mitteilt, geht es nun in die Planung des Projekts.

Hinweis: Der Text wurde am 8. Oktober um 9.40 Uhr geändert. Ursprünglich hatte es geheißen, Katja Gerhardi freue sich als Geschichtslehrerin über das Projekt. Das Zitat war unvollständig.

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