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„Der Mensch braucht Nahrung für die Seele“

Bautzens Superintendent Tilmann Popp sagt, warum trotz Lockdown zu Ostern Gottesdienste stattfinden - und was er von der Kritik daran hält.

Seit Herbst 2019 ist Tilmann Popp Superintendent im Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz. Ein normales Osterfest in diesem Amt hat er noch nicht erlebt.
Seit Herbst 2019 ist Tilmann Popp Superintendent im Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz. Ein normales Osterfest in diesem Amt hat er noch nicht erlebt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Tilmann Popp ist seit September 2019 Superintendent des Kirchenbezirkes Bautzen-Kamenz. Er sagt, dass der Mensch Impulse braucht, die seine Seele stärken, gerade während der Corona-Krise. Im Interview mit Sächsische.de verteidigt er die Präsenzgottesdienste zu Ostern, betont aber auch die Verantwortung der Kirche.

Herr Superintendent Popp, ein Jahr Corona-Pandemie liegt hinter uns. Wie sehr belastet Sie dieses Thema?

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Corona nervt schon sehr. Es schränkt viele Sachen ein, die derzeit aber dringend notwendig wären. In dieser schwierigen Phase müssten sich eigentlich Menschen begegnen, miteinander ins Gespräch kommen. Das fehlt derzeit.

Aber man kann doch auch digital, zum Beispiel über eine Videokonferenz oder beim Online-Gottesdienst, zusammenkommen?

Keine Frage, im Digitalen liegen auch große Möglichkeiten. Wir als Kirche können so Menschen über große Entfernungen zusammenbringen. Aber das Digitale hat auch Grenzen. Es ist nur sehr schwer möglich, digital miteinander zu singen. Ein gemeinschaftlicher Gesang in der Kirche entfaltet eine ganz andere Kraft.

Sind die Präsenzgottesdienste für Christen deswegen so wichtig?

Manche Sachen muss man live vor Ort erleben. Nehmen wir zum Beispiel die Osternacht. Es ist etwas Besonderes, am frühen Morgen in eine dunkle Kirche zu kommen und mitzuerleben, wie es durch Kerzenlicht langsam hell wird. Letztes Jahr haben das einige digital versucht. Da sind auch tolle Formate entstanden. Aber es ist etwas anderes, es live zu erleben. Das sind sinnliche Erlebnisse, bei denen das Digitale an Grenzen stößt. Es wird nie eine Kirche geben, die rein digital agieren kann. Aber Online- oder Fernsehgottesdienste waren letztes Jahr zu Ostern und zu Weihnachten eine gute Alternative und werden auch weiterhin wichtig sein.

Gottesdienst am Bautzener Protschenberg fällt aus

Es ist Ihr zweites Osterfest als Superintendent des Kirchenbezirkes Bautzen-Kamenz und wieder können Sie es nicht mit einer vollen Kirche feiern. Was schmerzt Sie daran besonders?

Mir wird immer erzählt, dass der Gottesdienst am Protschenberg in Bautzen am Karsonnabend für viele Menschen ein wichtiges Ereignis ist. Selbst erlebt habe ich ihn aber noch nicht. Auch in diesem Jahr mussten wir ihn absagen, weil wir im Freien, wo viele Menschen zusammenkommen, die Hygieneauflagen nicht einhalten können. Ich bedauere diesen Schritt sehr. Aber wir haben auch eine Verantwortung.

Vielen Christen ist auch das Abendmahl zu Gründonnerstag sehr wichtig. Kann das stattfinden?

Das Abendmahl, bei dem gemeinsam aus einem Kelch getrunken wird, kann natürlich nicht stattfinden. Auch das finde ich schade, weil dadurch weniger Gemeinschaft entstehen kann. Aber wir sind da sehr zurückhaltend, weil wir die Hygienevorschriften einhalten wollen.

Kann das Abendmahl nicht auch digital stattfinden? Jeder nimmt sich ein Glas Wein und ein Stück Brot und feiert zu Hause Abendmahl. So entsteht doch auch Gemeinschaft.

Für uns Christinnen und Christen ist Abendmahl mehr, als nur Brot und Wein zu sich zu nehmen. Am Abendmahlstisch begegnet uns Jesus Christus selbst. So schön Zoom-Konferenzen auch sein mögen, nur wenn wir gemeinsam mit Freunden an einem Tisch sitzen, mit den Gläsern anstoßen und den Geruch des Essens wahrnehmen, können wir von einem festlichen Mahl sprechen. So ähnlich ist das beim Abendmahl.

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein

Digitale Gottesdienste wird es über die Osterfeiertage aber dennoch geben.

Ja, im gesamten Kirchenbezirk machen wir auch digitale Angebote. Wir verstehen absolut, dass derzeit auch Menschen sagen, dass sie nicht in die Kirche gehen können. Für sie ist es dann aber wichtig, dass ihnen von ihrer Kirchgemeinde ein digitales Angebot gemacht wird.

An der Kirche gibt es wegen der Präsenzgottesdienste in der aktuellen Situation viel Kritik. Verstehen Sie das?

Ja, absolut. Menschen, denen Religion nicht so wichtig ist, fällt es sicherlich schwer zu verstehen, warum wir Gottesdienste vor Ort feiern müssen. Dass Lebensmittelläden geöffnet sein müssen, versteht jeder. Der Mensch lebt aber nicht vom Brot allein. Der Mensch braucht Impulse, mit denen er in seiner Seele gestärkt wird. Man braucht auch eine Nahrung für die Seele. Deswegen halte ich es für richtig, dass die Kirchen unter strengen Hygieneauflagen öffnen dürfen. Aber ich sage zu meinen Kollegen auch: Wir sind verantwortlich, dass in den Kirchen niemandem etwas passiert.

Viele Menschen fragen sich aber, warum dann beispielsweise die Kultureinrichtungen nicht öffnen dürfen.

Ich würde es mir auch für die Kultur wünschen, dass sie öffnen darf. Das Bedürfnis nach Nahrung für die Seele ist weit gefasst.

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