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"Zu 100 Prozent gefährlich für die Umwelt"

350 Liter Chemikalien stellten Polizei und Feuerwehr in einer Wohnung in Bautzen sicher. Jetzt gab die Entsorgungsfirma weitere Einzelheiten bekannt.

Zu einem Gefahrguteinsatz auf der Wendischen Straße in Bautzen ist in der vergangenen Woche auch die Firma Becker Umweltdienste gerufen worden. Ein eher unüblicher Einsatz für die Firma.
Zu einem Gefahrguteinsatz auf der Wendischen Straße in Bautzen ist in der vergangenen Woche auch die Firma Becker Umweltdienste gerufen worden. Ein eher unüblicher Einsatz für die Firma. © lausitznews.de

Bautzen. Nein, auch die Firma Becker-Umweltdienste, die sich mit dem Sichern von Gefahrenstoffen auskennt, erlebt einen solchen Fall nicht alle Tage. „Wir werden eigentlich eher dann gerufen, wenn irgendwo unfreiwillig Chemikalien austreten“, sagt Frank Wenke, Betriebsleiter der Firma am Standort in Reichenbach. Er konkretisiert: „Ich meine zum Beispiel Säuren, Fette oder Laugen.“ Also: Wenn zum Beispiel ein Laster mit Öl umkippt und ausläuft, dann wird Becker-Umweltdienste angerufen.

Als am Dienstag vor einer Woche die Feuerwehr die Firma um Hilfe bat, ging es aber um den Einsatz in einer Privatwohnung. Weil die Wohnung eines 48-Jährigen in der Wendischen Straße in Bautzen zwangsgeräumt werden sollte, war die Polizei vor Ort. Und die hatte massenweise Behältnisse mit übelriechenden Flüssigkeiten gefunden.

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In der Wohnung stank es nach faulen Eiern

Dieses Bild bot sich dann auch der Firma Becker. „Wir fanden Mörtelkisten aus dem Baumarkt, etwa zehn bis dreizehn Stück“, erzählt Rüdiger Rimpler, Chemiker der Firma, „gefüllt mit schwarzer Flüssigkeit.“ Chaotisch sei es in der Wohnung gewesen, Krempel habe herumgestanden. „In der Luft lag ein chemisch und zugleich modriger Geruch, es roch nach faulen Eiern“, sagt er. Und bei den großen Kübeln blieb es nicht: In mindestens zehn Umzugskisten fanden die Einsatzkräfte Flaschen, gefüllt unter anderem mit Säuren.

So unüblich dieser Einsatz für die Firma auch war – unbekannt ist ihnen die Wohnung nicht. „Wir waren vor rund einem Jahr schon einmal da“, sagt Rimpler. Damals war einem Nachbarn der Schwefelgeruch aufgefallen, er hatte die Polizei gerufen. Auch damals hatte die Umwelt-Firma viele Flüssigkeiten sichergestellt.

Alkalische Schwermetalllösungen mussten umgefüllt werden

Aber wie lief das also ab? „Unsere Kollegin ist hingefahren und hat sich angesehen, was wir für Technik brauchen“, sagt Rüdiger Rimpler. „Wir haben dann Pumpen, Kanister und Manpower organisiert.“ Weil die Firma die Wohnung kannte, sei schnell klar gewesen, dass es sich bei den Stoffen um alkalische Schwermetalllösungen handelte – in der Flüssigkeit entsprechend auch Schwermetalle enthalten waren. Damals war bekanntgeworden, dass der Mann in seinem Hobbylabor Edelmetalle aus den Überresten technischer Geräte lösen wollte.

„Wir haben die Inhalte der Mörtelkisten in Gefahrstoffkanister umgepumpt“, berichtet Rimpler. Die Kisten mit den Flaschen nahm die Firma mit, wie sie waren. Die Flüssigkeiten – die Experten schätzen die Menge auf mehr als 350 Liter – lagern jetzt, bis sie entsorgt werden dürfen. Denn es sei unklar, ob der Mann diese vielleicht sogar zurückbekommen dürfe – schließlich haben eventuell enthaltene Edelmetalle einen gewissen Wert.

Gefahr für die Umwelt

Wie gefährlich die Stoffe waren, kann die Firma nicht genau sagen. Denn für die Entsorgung sei es zunächst nicht entscheidend. Sicher ist: „Es war Gefahrpotenzial vorhanden“, sagt Rimpler. „Die Stoffe waren zu 100 Prozent gefährlich für die Umwelt“, ordnet auch Frank Wenke ein. „Wenn diese zum Beispiel in ein Gewässer gelangen, können die Fische sterben.“ Eine Explosionsgefahr der Stoffe schließen die Experten aber aus. Und die Feuerwehr habe getestet, dass es keine Beeinträchtigung der Atemluft gebe.

Was der Einsatz kostet, ist noch unklar. Möglich ist aber, dass der Bewohner diesen zahlen muss. Im vergangenen Jahr jedenfalls war das so, teilt die Pressestelle der Stadt Bautzen mit. Zur Summe will sie aber keine Auskunft geben. Mittlerweile ist bekannt, dass es sich bei dem Hobbychemiker damals wie heute um denselben Mann handelt. Auch dieses Mal ermittelt die Polizei aber nicht weiter. Die Flüssigkeitsgemische haben keine strafrechtliche Relevanz, teilt sie mit.

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