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Bautzener Oberbürgermeister besucht Brandhaus

Wegen des Hausbrands in Bautzen mussten 23 Menschen evakuiert werden. Die Bewohner des Nachbarhauses konnten zurückkehren – die des Brandhauses nicht.

Von Theresa Hellwig
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In der Bautzener Innenstadt stand in der Nacht zu Sonntag ein Haus in Flammen. Nun steht fest: Die Bewohner können nicht zurückkehren.
In der Bautzener Innenstadt stand in der Nacht zu Sonntag ein Haus in Flammen. Nun steht fest: Die Bewohner können nicht zurückkehren. © Lausitznews/Toni Lehder

Bautzen. Der Geruch von Rauch liegt noch in der Luft am Sonntagmittag in der Schülerstraße in der Bautzener Innenstadt. Sowohl die Schülerstraße als auch die Straße Gickelsberg sind durch Baustellenzäune abgesperrt. Auf dem Boden vor dem Eckhaus liegen zerschepperte Dachziegeln. Viele von ihnen sind schwarz verfärbt. Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) läuft an der Absperrung entlang, bleibt stehen – und blickt zum Dach des Hauses hinauf. „Das ist echt bitter“, sagt er. „Ich hoffe, das Haus kann stehenbleiben.“

Bautzens Oberbürgermeister ist gekommen, um sich selbst ein Bild zu machen von dem Unglück, das sich hier in der Nacht zum Sonntag ereignet hat. Gegen 00.45 Uhr, so berichtet Paul Stübner von der Bautzener Feuerwehr, ging der erste Notruf ein: Der Dachstuhl des Hauses in der Schülerstraße sechs stehe in Flammen, hatte eine Bewohnerin berichtet, die gerade nach Hause zurückgekehrt war. Danach traf ein Notruf nach dem nächsten ein. Der Feuerschein über dem Haus in der Innenstadt war von Weitem zu sehen.

Vom Ruß verfärbte Dachziegelteile liegen am Sonntagmittag vor dem Brandhaus in der Bautzener Innenstadt.
Vom Ruß verfärbte Dachziegelteile liegen am Sonntagmittag vor dem Brandhaus in der Bautzener Innenstadt. © SZ/Theresa Hellwig

Wie die Polizei mitteilt, wurde bei dem Brand zwar niemand verletzt. Doch zehn Bewohner des betroffenen Hauses und 13 des Nachbarhauses mussten evakuiert werden. Sie wurden zunächst in Versorgungszelten betreut. Einige von ihnen mussten später in einem Hotel untergebracht werden, berichtet Paul Stübner von der Bautzener Feuerwehr. Andere kamen bei Freunden oder Verwandten unter.

Die Bewohner des Nachbarhauses konnten am Sonntag wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Anders die Menschen, die in dem Brandhaus lebten. Was die Polizei mit einem nüchternen Satz ausdrückt, macht die Betroffenen auf einen Schlag wohnungslos: „Das Haus bleibt aufgrund der Schäden und Verrußungen bis auf Weiteres unbewohnbar“, heißt es in einer Polizeimitteilung.

„Vor allem die oberen Wohnungen des Brandhauses sind durch das Löschwasser sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Dort besteht Sanierungsbedarf“, sagt Paul Stübner von der Feuerwehr. Und davon berichtet auch Astrid Riechmann, Geschäftsführerin des Geflüchtetenvereins Willkommen in Bautzen. Der Verein hat seinen Sitz im Erdgeschoss des Gebäudes. „Der Wasserschaden ist immens“, sagt sie. „Es tropft durch die Decke.“ Eine Nachbarin habe den Verein noch in der Nacht informiert. „Heute früh durften wir noch einmal ins Gebäude, um unsere Technik zu retten“, sagt Astrid Riechmann.

Flammen schlugen aus dem Dach des Hauses in der Schülerstraße 6.
Flammen schlugen aus dem Dach des Hauses in der Schülerstraße 6. © Lausitznews/Toni Lehder
Insgesamt 71 Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungskräfte waren im Einsatz.
Insgesamt 71 Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungskräfte waren im Einsatz. © Lausitznews/Toni Lehder
In den engen Gassen der Bautzener Innenstadt war der Einsatz nicht ganz einfach für die Feuerwehrleute.
In den engen Gassen der Bautzener Innenstadt war der Einsatz nicht ganz einfach für die Feuerwehrleute. © Lausitznews/Toni Lehder
Der Dachstuhl brannte lichterloh.
Der Dachstuhl brannte lichterloh. © Lausitznews/Toni Lehder
Die Kameraden der Feuerwehr löschten von einer Drehleiter aus.
Die Kameraden der Feuerwehr löschten von einer Drehleiter aus. © Lausitznews/Toni Lehder
Insgesamt 13 Bewohner des Hauses mussten evakuiert werden. Sie wurden zunächst in Versorgungszelten betreut.
Insgesamt 13 Bewohner des Hauses mussten evakuiert werden. Sie wurden zunächst in Versorgungszelten betreut. © Lausitznews/Toni Lehder

Die Computer konnten gerettet werden – doch auch der Verein steht nun vor dem Problem, vorerst keine Räume mehr zu haben. „Wir können unsere Beratungen nächste Woche bei den Linken im Büro durchführen. Für danach müssen wir uns noch etwas suchen“, berichtet Astrid Riechmann. Dass sich schnell eine Lösung finde, sei wichtig. Denn sie vermute, dass der Bedarf an Beratungen in den nächsten Tagen steigen werde, weil es sein könnte, dass die Mitarbeiter des Landratsamtes, die eigentlich für die Flüchtlingssozialarbeit zuständig sind, wegen der Pandemie im Gesundheitsamt aushelfen müssen. „Wir sind jetzt aber in erster Linie froh, dass es keinen Personenschaden gab und verhindert werden konnte, dass das Feuer auf die Nachbarhäuser übergreift. Unser Dank gilt der Feuerwehr“, sagt Astrid Riechmann.

Für die Kameraden war es indes kein einfacher Einsatz, berichtet Paul Stübner. Insgesamt 71 Kräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst waren im Einsatz. Sie mussten die Einsatzwagen durch die engen Gassen rangieren. Autos, die ordnungsgemäß auf den Parkplätzen standen, erschwerten die Arbeit. „Wichtig ist, dass die Hydranten nicht zugeparkt werden. Das war dieses Mal aber kein Problem“, so Stübner. Auch die Polizei berichtet von Schwierigkeiten bei den Löscharbeiten. So sei durch herabfallende Dachziegeln eine Gefahr für die Einsatzkräfte ausgegangen. Ein geparktes Auto wurde dabei beschädigt.

Die Löscharbeiten des Kernbrandes dauerten etwa anderthalb Stunden. Vor Ort waren die Einsatzkräfte allerdings noch bis sechs Uhr am Morgen, um Glutnester nachzulöschen.

Derzeit ermittelt ein Brandursachenermittler der Kriminalpolizei, wie es zu dem Feuer kommen konnte. Zur Schadenssumme liegen noch keine Informationen vor.

Die Schülerstraße und die Straße Gickelsberg bleiben auch nach den Löscharbeiten im Bereich des Hauses voll gesperrt. Es besteht Gefahr, dass Gebäudeteile herabstürzen, warnt die Polizei.

Auch die Stadt Bautzen will sich noch einmal mit dem Haus befassen. Am Montag tage ohnehin der Krisenstab der Stadt, berichtet Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens. Dort solle das Brandhaus Thema sein.