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Rechte Musik: Verein distanziert sich

Auf dem Gelände des SV Kleinwelka fand ein rechtsextremes Treffen statt. Der Organisator stammt aus dem Umfeld von Chris Ares. Der Verein sieht sich getäuscht.

Rico Glaser und Mathias Herrmann vom SV Kleinwelka fühlen sich hintergangen: Als ein Vereinsmitglied den Sportplatz für eine private Feier mietete, wussten sie nicht, dass es sich um eine Veranstaltung mit rechtsextremer Musik handeln würde.
Rico Glaser und Mathias Herrmann vom SV Kleinwelka fühlen sich hintergangen: Als ein Vereinsmitglied den Sportplatz für eine private Feier mietete, wussten sie nicht, dass es sich um eine Veranstaltung mit rechtsextremer Musik handeln würde. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mathias Herrmann und Rico Glaser sind bedrückt. Die beiden reden leise, sachlich – wollen mit offenen Karten spielen. Der Vereinsvorsitzende und der Schatzmeister des SV Kleinwelka haben sich von sich aus an die Redaktion von Sächsische.de gewendet. Nachdem Kleinwelka am Wochenende Negativ-Schlagzeilen machte, wollen sie sich distanzieren: „Wir sind ganz klar gegen Rechtsextremismus und gegen Rassismus“, erklärt Rico Glaser, „wir sind für Gleichberechtigung aller Menschen aller Hautfarben.“

Aber was ist überhaupt passiert? In der Nacht zum Sonntag ist die Polizei nach eigenen Angaben auf einem Sportplatz in Kleinwelka „auf eine rechtsorientierte Musikveranstaltung“ aufmerksam geworden. Laut Polizeibericht „wurde Musik mit Texten nationalsozialistischer Gesinnung und der Verherrlichung der Person Adolf Hitlers abgespielt“. Von insgesamt 22 Deutschen habe die Polizei die Identitäten festgestellt, darunter Leute aus acht verschiedenen Bundesländern. Entgegen einer ersten Behauptung soll doch kein USB-Stick sichergestellt worden sein; stattdessen seien lediglich die Inhalte eines USB-Sticks fotografiert worden, teilt die Polizei auf Anfrage von Sächsische.de mit.

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Auch in der letzten Woche sind Babys auf die Welt gekommen, die im Landkreis Bautzen zu Hause sind.

Verbindungen zu rechtsextremen Rapper Chris Ares

Bei dem Veranstalter handelt es sich laut Polizei um einen 38-Jährigen aus dem Landkreis Bautzen. Mehr sagt die Polizei aus Datenschutzgründen nicht – nach Informationen von Sächsiche.de aus mehreren unabhängigen Quellen handelt es sich aber um Markus Baumgart. Der 38-Jährige wird vom Sächsischen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem geführt. Gegen ihn und andere wurde laut dem Bürgermeister von Cunewalde schon wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung ermittelt. Baumgart betreibt den Textilhandel Isegrim Fashion – eine Modemarke, die in der rechten Szene beliebt ist. Brisant ist das Ganze auch, weil der rechtsextreme Rapper Chris Ares (Sächsische.de berichtete) in Baumgarts Geschäftsräumen in Cunewalde sein Tattoo-Studio eröffnen will.

Markus Baumgart selbst erklärte gegenüber Sächische.de, zu dem Vorfall in Kleinwelka nichts sagen zu wollen. Anders handhabt es der Sportverein SV Kleinwelka. Der Verein besteht darauf, den Namen nicht zu nennen – und spricht deshalb nur von dem Mieter des Sportplatzes. Dieser sei erst vor Kurzem dem Verein beigetreten; von seiner Gesinnung habe der Verein nichts gewusst. Er sei immer hilfsbereit und sympathisch aufgetreten, erzählen Glaser und Herrmann. Er habe sich nie politisch geäußert. 

Der Verein vermietet seine Räume und den Platz immer mal wieder an Vereinsmitglieder oder andere, die einen Veranstaltungsort suchen. Auch dieser Mieter habe angefragt – und erklärt, er wolle eine Privatfeier in familiärer Atmosphäre veranstalten. Am Nachmittag vor der Veranstaltung habe es auch nicht ausgesehen, als sei etwas Anderes geplant gewesen, berichten die beiden Vereinsmitglieder. Auch ein Kindergarten, der bis abends in dem Vereinsheim eingemietet war, habe nichts Ungewöhnliches wahrgenommen. „Hätten wir etwas geahnt – wir hätten das niemals zugelassen“, sagt Mathias Herrmann.

Verein: Einige Mitglieder überlegen, zu kündigen

Dass Mathias Herrmann und Rico Glaser die Sache nahegeht, ist ihnen anzumerken. „Wir machen uns doch selber schon so unglaublich viele Gedanken, was derartige Vorwürfe für den Ort Kleinwelka bedeuten“, sagt Herrmann. Dennoch: Einige Mitglieder haben schon bekannt gegeben, kündigen zu wollen – auch Sponsoren seien unsicher, ob sie den Verein weiter unterstützen wollen. „Wir machen das alles ehrenamtlich“, erklärt Herrmann – für den Verein sind Mitglieder und Sponsoren das Lebenselixier. Gerade will der Verein eine Spendenaktion starten, um die über 40 Jahre alte Kohle-Heizung gegen eine moderne Anlage auszutauschen. Schon seit Jahren sparen die Mitglieder dafür – all die Arbeit, nun umsonst?

„Wir prüfen nun, welche internen Schritte und Maßnahmen sich aus den Vorwürfen ergeben“, sagt Mathias Herrmann. Auch vereinsintern soll das Geschehene aufgearbeitet werden. „Wir informieren unsere Mitglieder“, sagt Glaser, eine erste Mitteilung und Distanzierung auf Facebook ist schon veröffentlicht worden. Außerdem hat der Verein Rat beim Kulturbüro gesucht – um zu erfahren, wie er sich nun verhalten kann.

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