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Bautzen: Mann für sexuelle Belästigung verurteilt

Ein Mann aus Weißwasser soll Bewerberinnen um einen Job in Bautzen an die Brust gefasst haben. Jetzt stand er vor Gericht – nicht zum ersten Mal.

Von Theresa Hellwig
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Einem Kfz-Meister im Ruhestand aus Weißwasser wird vorgeworfen, bei Bewerbungsgesprächen in Bautzen drei Frauen sexuell belästigt zu haben.
Einem Kfz-Meister im Ruhestand aus Weißwasser wird vorgeworfen, bei Bewerbungsgesprächen in Bautzen drei Frauen sexuell belästigt zu haben. © lausitznews.de

Bautzen. Nachts, so erzählt die Zeugin am Dienstagmorgen vor dem Schöffengericht des Bautzener Amtsgericht, bekomme sie kein Auge mehr zu. Sie traue sich zu keinem Vorstellungsgespräch mehr – und habe durch das Erlebte generell Probleme, Vertrauen zu Leuten zu fassen. Eine Beziehung? Gerade kaum möglich. „Ich musste zum Arzt gehen, nehme Antidepressiva – und habe meinen Job verloren, weil ich mich durch die Schlafprobleme nicht mehr konzentrieren konnte“, sagt sie. Ihre Stimme bricht, als sie davon erzählt.

Nahezu regungslos sitzt indes der Mann auf der Anklagebank, der der 31-Jährigen das angetan hat. Nur seine Finger bewegt der 69-Jährige unaufhörlich auf und ab.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen sexuelle Belästigung und sexuelle Nötigung vor. Gegenüber drei Frauen soll sich der Mann aus Weißwasser übergriffig verhalten haben. Als Leiter eines Bautzener Vereins soll er über die Bundesagentur für Arbeit ein Stellenangebot veröffentlicht haben. Im Bewerbungsgespräch und beim Probearbeiten soll er die drei Frauen dann belästigt haben.

Einer jungen Autistin griff er unter den Pullover

Jene junge Frau, die an diesem Tag mit zitternder Stimme von ihrem Erlebnis berichtet, hatte sich am 26. September 2020 bei dem Angeklagten vorgestellt. Zum Ende des Gesprächs hin habe der Angeklagte sie gefragt, ob er sie umarmen dürfe, berichtet die Frau. Sie habe das verneint. Der 69-Jährige habe sich dann so vor sie gestellt, dass sie nicht weg konnte. „Er hat mich so umgriffen, dass ich meine Arme nicht bewegen konnte“, sagt sie. Er habe sich an ihr gerieben, gestöhnt und dabei eine Erektion gehabt. Außerdem habe der Mann ihr über das Gesicht geleckt und sie an der Brust berührt.

Erst als jemand an der Haustür zu hören war, soll der Mann abgelassen haben. „Den Moment habe ich genutzt und bin weg“, erzählt die Frau vor Gericht. Das Erlebte verfolge sie, vor allem nachts.

Und nicht nur dieser Frau gegenüber soll sich der Kfz-Meister im Ruhestand übergriffig verhalten haben. Einer anderen Bewerberin soll er an das Knie gefasst – und seine Hand dann zum Bauch geschoben haben.

20 Vorstrafen auf dem Kerbholz

Besonders schwer mit anzuhören ist der dritte Tatvorwurf. Denn dabei geht es um eine 23 Jahre alte autistische Frau. Ihr erspart das Gericht die Zeugenaussage, um sie zu schonen. Dieser Frau, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, soll der Angeklagte unter den Pullover und unter das Unterhemd an die Brust gefasst haben. Außerdem soll er sie geküsst haben. Kurz betritt die junge Frau den Gerichtssaal. Ihre Schultern hat sie leicht vorgebeugt, ihr Gesicht hat kindliche Züge. Sie hat eine Begleiterin dabei.

Ihre Aussage wird auch deshalb nicht notwendig, weil der Angeklagte alle Tatvorwürfe gesteht – bis auf den Umstand, dass er eine Erektion gehabt haben soll. Erst auf Nachfrage des Gerichts spricht er eine kurze Entschuldigung aus; nicht aber in Anwesenheit des Opfers. Warum er die Frauen so behandelt habe, wisse er nicht, sagt er. Er wolle eine Therapie deshalb machen – habe aber bislang keinen Termin bekommen.

Dass er die Taten gesteht und der Frau mit schwerer Behinderung die Aussage erspart, rechnet das Gericht zu Gunsten des Mannes an. Was das Urteil verschärft, ist wiederum sein Vorstrafenregister. 20 Vorstrafen hat er auf dem Kerbholz – eine Zahl, die in dieser Höhe selbst für das Gericht nicht unbedingt Alltag ist.

Auch Körperverletzung, schwerer Diebstahl und weitere Taten werden dem Mann vorgeworfen. Ein weiteres Betrugsurteil hat er gerade erst ganz frisch kassiert. Das Gericht bildet eine Gesamtstrafe aus dem neuen Betrugsurteil und den Sexualdelikten. Anderthalb Jahre Freiheitsstrafe bekommt der Mann – auf Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.