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Bautzen: Wie weiter nach dem Pannen-Warntag?

Die Aktion hat gezeigt: Um die Bevölkerung bei Gefahr wirklich flächendeckend warnen zu können, muss im Landkreis Bautzen noch eine Menge passieren.

194 dieser Sirenen gibt es laut Landratsamt im Landkreis Bautzen. Doch offen ist nicht nur, ob diese Zahl noch stimmt, sondern auch, warum so viele Sirenen am Warntag stumm blieben.
194 dieser Sirenen gibt es laut Landratsamt im Landkreis Bautzen. Doch offen ist nicht nur, ob diese Zahl noch stimmt, sondern auch, warum so viele Sirenen am Warntag stumm blieben. © dpa-Zentralbild

Bautzen. Die gute Nachricht zuerst: Der Warntag am vergangenen Donnerstag war nur ein Test, es gab weder Hochwasser noch einen Terroranschlag oder ähnliches. Die schlechte Nachricht: Wäre es kein Test gewesen, sondern hätte eine echte Gefahr bestanden, hätte die Warnung viele Einwohner des  Landkreises Bautzen nicht erreicht. Sächsische.de fasst die Lehren aus dem Warntag mit Pannen zusammen.

Klären: Wie viele Sirenen gibt es im Landkreis?

Der Landkreis braucht einen Überblick, wo es über all Sirenen gibt. Theoretisch hätten am Donnerstag um 11 Uhr 194 Sirenen Alarm geben müssen. So viele gibt es dem Landratsamt zufolge. Doch es ist fraglich, ob die Behörde über die aktuellsten Zahlen verfügt. Laut dem Amt soll es zum Beispiel in Hochkirch 14 Sirenen geben. Bürgermeister Norbert Wolf (CDU) kennt jedoch nur zwei.

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"Im Landkreis Bautzen besteht derzeit kein lückenloses Netz an Sirenen", erklärt Kreissprecherin Cynthia Thor. Anfang der 1990er-Jahre hätten mehrere Kommunen die Sirenen nach eigenem Ermessen abgebaut. Wo und wie viele sind verschwunden, wo müssen eventuell neue errichtet werden? Das ist jetzt zu ermitteln.

Überprüfen: Warum blieben viele Sirenen stumm?

Wie viele Sirenen tatsächlich am Donnerstag im gesamten Landkreis heulten, weiß niemand genau. Dem Landratsamt  zufolge "liegen keine belastbaren Rückmeldungen vor, dass Sirenen im Landkreis nicht bestimmungsgemäß ausgelöst haben".

Doch in der Kreisstadt war keine Sirene zu hören, weil sie nicht ausgelöst wurde. Laut Stadtsprecherin Laura Ziegler hatte sich das Rathaus entschieden, die Feuerwehr über Funkmeldeempfänger zu alarmieren. Dies habe problemlos funktioniert. Im Stadtteil  Kleinwelka hingegen sei die Netzabdeckung schlecht, dort sei die Sirene in Gang gesetzt worden. In Königswartha gingen kurz die Sirenen. "Eine andere Warnung oder Alarmierung gab es nicht", berichtet Bürgermeister Swen Nowotny (CDU). "Leider konnte man am Warntag nicht viel davon merken, was funktioniert, sondern leider mehr, was nicht funktioniert." In Kamenz blieben die Sirenen stumm. Warum, konnte Stadtsprecher Thomas Käppler bisher nicht aufklären.

Teilweise sind die vorhandenen Sirenen sehr alt, viele stammen noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die Signaltöne, die für den Warntag festgelegt wurden, konnten einige von ihnen gar nicht abspielen. Für die Instandhaltung der Sirenen ist dem Landratsamt zufolge die jeweilige Stadt- oder Gemeindeverwaltung zuständig. Hier besteht Handlungsbedarf!

Erläutern: Welche Signale gibt es?

Durch Sachsens Innenministerium wurde den Landkreisen freigestellt, entweder das Sirenensignal "Signalprobe" oder "Warnung vor einer Gefahr" auszusenden. Die Signalprobe besteht aus einem Ton von zwölf Sekunden Dauer. Die Warnung vor einer Gefahr dauert eine Minute - fünf Sekunden Signalton und fünf Sekunden Pause wechseln sich sechsmal ab.

Die Landkreise Bautzen und Görlitz entschieden sich für die kurze Signalprobe. Nur: Das hat in der Öffentlichkeit niemand gewusst, viele warteten auf ein langes Signal. Cynthia Thor begründet die Entscheidung mit einer "kürzeren Belastung des Alarmierungsnetzes". Bei der Signalprobe werde lediglich eine Alarmadresse angesteuert, was weniger als zehn Sekunden dauere. Werde flächendeckend die Warnung vor einer Gefahr ausgesendet, müsste das Signal etwa 90 Alarmadressen erreichen. Das dauere mehrere Minuten. Hätte es in diesen Minuten am Donnerstag einen wirklichen Alarm für Rettungsdienste und Feuerwehren gegeben, wäre das Netz wegen des Warntags blockiert gewesen.

Überdenken: Sollten Lautsprecherwagen warnen?

Es gibt Fahrzeuge mit Lautsprechern, zum Beispiel bei der Polizei, beim Technischen Hilfswerk und anderen Organisationen. Theoretisch hätten sie am Donnerstag dorthin fahren können, wo es keine Sirenen zur Warnung gibt. Praktisch aber blieben die Fahrzeuge auf dem Hof oder in der Garage, wenn sie nicht gerade zu einem Einsatz unterwegs waren. Das Landratsamt entschied sich, auf diese Reserve zu verzichten.

Die Kreissprecherin begründet das so: "Die Durchsage von Warnungen über die Lautsprecher von Fahrzeugen ist prinzipiell möglich, jedoch aufgrund der geringen Anzahl von Fahrzeugen, die technisch dafür ausgestattet sind, nicht geeignet, eine große Fläche beziehungsweise den gesamten Landkreis zu erreichen." Also wurde das am vergangenen Donnerstag gar nicht erst versucht. Dabei haben zum Beispiel alle Fahrzeuge der Feuerwehr Bautzen sowohl Lautsprecher als auch eine mobile Sirene, sagt Stadtsprecherin Laura Ziegler

Erwägen: Braucht der Kreis eine eigene Warn-App?

Deutschlandweit existieren mehrere Warn-Apps, die sich Interessenten auf ihrem Smartphone installieren können. So soll die App "Nina" des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rund sieben Millionen Nutzer im gesamten Bundesgebiet erreichen. Allerdings hat "Nina" am Donnerstag vielfach erst deutlich verspätet Alarm geschlagen. BBK-Präsident Christoph Unger sagte: "Erste Analysen haben ergeben, dass um elf Uhr nicht nur zentral die Warnung ausgelöst worden ist, sondern viele andere angeschlossene Leitstellen ebenfalls eigenständig Warnungen ausgelöst haben, sodass es zu einer Überlastung des Systems gekommen ist. Dies muss für den nächsten Warntag noch viel deutlicher abgestimmt werden."

Der Landkreis Bautzen hatte auf Nina und andere Apps keinen Einfluss, stellt Cynthia Thor klar. Eine eigene Warn-App für den Landkreis Bautzen ist nicht geplant.

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