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Bautzener demonstrieren gegen Rechtsextremismus

Rund 100 Menschen haben gegen die Pläne des rechten Rappers Chris Ares protestiert. Der ist dabei, sich in der Region anzusiedeln und war ebenfalls vor Ort.

Am Montagabend haben Menschen auf dem Bautzener Kornmarkt gegen Rechtsextremismus demonstriert.
Am Montagabend haben Menschen auf dem Bautzener Kornmarkt gegen Rechtsextremismus demonstriert. © Steffen Unger

Bautzen. Am Montagabend haben etwa 100 Menschen auf dem Bautzener Kornmarkt demonstriert, um ein „Zeichen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ zu setzen, wie eine Vertreterin des Bündnisses „keep togehther – Zusammen gegen Rechts“ aus dem Landkreis Bautzen bei der Eröffnung sagte. Dieses hatte zu der Versammlung aufgerufen.

Die Region Bautzen sei nicht erst jetzt Anlaufpunkt für Neonazis hieß es in ihrem Redebeitrag. Rechtsextreme Gruppen würden sich hier wohlfühlen und könnten sich entfalten, genau deshalb sei nun Chris Ares hierhergekommen. Die Gemeinden und Städte der Region dürften sich nicht zurücklehnen. Es müsse verhindert werden, dass hier weitere Anlaufpunkte für Neonazis entstehen.

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Anlass der Demonstration auf dem Kornmarkt war, dass Christoph Aljoscha Zloch und weitere Personen aus seinem Umfeld dabei sind, sich in Ostsachsen anzusiedeln. Zloch, der unter dem Namen Chris Ares als Rapper der rechten Szene agiert, wird vom bayerischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und ist mit der ebenfalls als rechtsextrem eingestuften Identitären Bewegung sowie der neurechten Szene verbunden.

Polizei trennt Gruppe um Ares von der Demo

Während der Demonstration tauchte Zloch mit weiteren Personen auf dem Kornmarkt auf, darunter seinem Freund und Rapper-Kollegen Kai Naggert alias Prototyp. Während die Versammlung mit Redebeiträgen zum Alltagsrassismus in Bautzen und der aktuellen Situation von geflüchteten Menschen auf der griechischen Insel Lesbos fortgesetzt wurde, trennte die Polizei die Gruppe um Zloch von den Versammlungsteilnehmern. Rund um Zloch und Naggert hatten sich zwischenzeitlich 20 bis 30 Menschen, darunter vor allem Jugendliche, versammelt. Dies blieb bis zum Ende der Versammlung so. Diese wurde von den Veranstaltern gegen 19.30 Uhr aufgelöst. Im Anschluss verließen Zloch und Naggert den Kornmarkt. Polizeibeamte blieben vor Ort und sorgten dafür, dass Versammlungsteilnehmer den Kornmarkt sicher verlassen konnten.

Christoph Aljoscha Zloch (Mitte) und Kai Naggert (links) beobachteten die Demonstration zuerst mit Abstand, gingen später immer mehr auf die Versammlungsteilnehmer zu.
Christoph Aljoscha Zloch (Mitte) und Kai Naggert (links) beobachteten die Demonstration zuerst mit Abstand, gingen später immer mehr auf die Versammlungsteilnehmer zu. © Steffen Unger

Bereits im Vorfeld hatte „keep together“ für die Demo angekündigt, eine starke Zivilgesellschaft mobilisieren und darauf aufmerksam machen zu wollen, wer der rechte Rapper Chris Ares ist. Dieser hatte in den sozialen Netzwerken immer wieder angekündigt, in Ostsachsen ein Jugendzentrum gründen und ein Wohnprojekt initiieren zu wollen. Chris Ares‘ mögliche Pläne, sich in Bischofswerda anzusiedeln, hatten sowohl der Stadtrat als auch junge Menschen bei einer spontanen Demonstration während einer Ratssitzung im Juni abgelehnt.

Im Juli wurde bekannt, dass Chris Ares gemeinsam mit dem Tätowierer Jan David Fautz aus Schweinfurt ein Gewerbe in Mättigs Geburtshaus in der Bautzener Altstadt angemeldet hatte. Ab dem 1. September sollten hier Tätowierungen angeboten sowie Kleidung und Tonträger verkauft werden. Doch bislang sind die Geschäftsräume leer, die Gewerbeanmeldung bestehe aber noch, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Auf Facebook kündigte Ares später an, dass sich das Tattoostudio außerhalb von Bautzen befinden werde und am 14. September eröffnet werden soll. Zumindest ist einem Gebäude von Markus Baumgart in Cunewalde seit vergangener Woche Leutreklame mit dem Schriftzug „Tattoo“ zu sehen. Er und Chris Ares kennen sich. Gegen einen möglichen rechten Treffpunkt in Cunewalde hat sich Bürgermeister Thomas Martolock (CDU) bereits ausgesprochen.

Baumgart gehört zur rechten Szene und ist Inhaber der Modemarke „Isegrim“, für die etwa mehrere Neonazis als Models vor der Kamera standen. Auch Chris Ares hat sich auf seinem Instagram-Kanal bereits in Kleidung der Marke „Isegrim2 gezeigt. Zudem kursieren Gerüchte, denen zufolge Chris Ares, eventuell mit weiteren Personen, in ein Haus in einer Oberlandgemeinde keine 20 Kilometer von Cunewalde entfernt eingezogen sein soll.

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