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Bautzen: Freiraum für kreative Köpfe

In einem Geschäft in der Tuchmacherstraße teilen sich junge Macher ein Büro. Dabei entstehen oft überraschende Verbindungen.

Arbeiten an unterschiedlichen Projekten und teilen sich ein Büro: Anne Wilhelm und André Mirtschink im Tagwerk in Bautzen.
Arbeiten an unterschiedlichen Projekten und teilen sich ein Büro: Anne Wilhelm und André Mirtschink im Tagwerk in Bautzen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Hinter der offenen Ladentür in der Tuchmacherstraße 18 in Bautzen sitzen André Mirtschink und Anne Wilhelm an einem langen Tisch bei der Arbeit. André bastelt an einem Modell, das er mit dem 3-D-Drucker erstellt hat und das als Vorbild für sein neues Projekt dienen soll. Auch Anne plant ihr nächstes Projekt: eine Nachhaltigkeitswoche in Bautzen. Beides hat nichts miteinander zu tun – und trotzdem teilen sich die beiden ein Büro.

„Ich habe einen Ort gebraucht, an dem ich für wenig Geld meine Werkstatt einrichten und arbeiten kann“, sagt André Mirtschink. Weil er damit nicht allein war, tat er sich mit drei Freunden zusammen und mietete im April vorigen Jahres den Raum auf der Tuchmacherstraße. Hier, im Tagwerk, kann er seine Tätigkeit als selbstständiger Gestalter für Holzmöbel und sein Bedürfnis nach Begegnung und Austausch miteinander verbinden. Das ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts des sogenannten Co-Working-Space.

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Miteinander arbeiten

„Es ergeben sich oft Projektüberschneidungen und gute Symbiosen“, sagt Anne Wilhelm, die für ihre berufliche und ehrenamtliche Arbeit gern ins Tagwerk kommt. „Als wir beispielsweise auf der Suche nach einem Raum für eine Verteilstation für Lebensmittel waren, saß zufällig mein Kollege Reno daneben und konnte mir den Kontakt zum Vermieter des Postgebäudes vermitteln“, sagt die 28-Jährige.

Sie ist eine von rund zehn Menschen, die die Räumlichkeiten zurzeit für ihre Arbeit nutzen. Ab und zu kommen auch größere Gruppen, beispielsweise Mitarbeiter vom Steinhaus, um in einer neuen Umgebung Meetings abzuhalten und außerhalb ihrer gewohnten Denkmuster neue Ideen zu entwickeln.

Der Laden ist größer, als er von außen vermuten lässt, und beherbergt neben der Holzwerkstatt Technik wie eine CNC-Fräse oder einen 3-D-Drucker. Richard, der gerade hereinkommt, hat hier außerdem eine kleine Fahrradwerkstatt, in der er Fahrräder von Freunden repariert. Die Werkstatt kann aber grundsätzlich jeder benutzen.

Wissen und Werkzeuge frei für alle

„Man kommt einfach vorbei und wenn jemand da ist, kann man ins Gespräch kommen und mitmachen“, sagt André Mirtschink, der aus Jeßnitz stammt und zuletzt als Chemiker in der Forschung gearbeitet hat. Er wollte sogar Professor werden. Doch weil er das Gefühl hatte, immer mehr damit beschäftigt zu sein, Geld zu organisieren, statt wissenschaftlich zu arbeiten, hat er diesen Plan aufgegeben.

Er ist großer Fan von offenen Räumen und für jeden frei zugängliche Ressourcen und Wissen. „Ich zum Beispiel als junger Selbstständiger kann noch keine großen Investitionen machen, um mir teure Technik anzuschaffen. In offenen Werkstätten kann ich sie trotzdem nutzen, um meine Arbeit voranzubringen“, sagt er. Aber er wolle auch über seine eigenen unternehmerischen Belange hinauswirken.

Menschen zum Mitmachen bewegen

„Wir wollen Leuchttürme schaffen und zeigen: Hey, hier ist was los!“, sagt der 34-Jährige. „Und dass man was bewegen kann, wenn man will“, pflichtet Anne Wilhelm ihm bei. Dafür haben sie ihre Türen öfter für Veranstaltungen geöffnet oder gehen selbst raus. Bisher haben sie unter anderem den Markt der schönen Dinge organisiert, einen Themenabend Elektromobilität und Workshops zum Thema Grafikdesign für Vereine veranstaltet. Aber auch Papierschmuck-Basteln und Makramé-Ornamente-Knüpfen standen auf dem Plan. Außerdem gibt es beim Tagwerk eine Ausleihstation für E-Bikes und Lastenräder von Teilrad Bautzen.

André hat mit Schülern kleine Spielekonsolen programmiert und gebastelt. „Wir können junge Menschen an mögliche Berufe heranführen und dabei diskutieren: Was stellt man mit den Technologien an? Und wie nachhaltig ist das Ganze?“, erzählt er. Für die Zukunft hat er noch einige Ideen, die im Tagwerk mit Leben erfüllt werden sollen, beispielsweise eine Integrationswerkstatt mit geflüchteten Kindern, Kochworkshops oder Programmier-Kurse.

Jeder kann mitmachen

Im November gestaltet das Tagwerk zusammen mit der Naturschutzstation Neschwitz und der Kreisvolkshochschule Bautzen eine Woche rund um nachhaltige Stadtentwicklung. Dann gibt es unter anderem Workshops, Vorträge und Kino zum Thema und einen Zero-Waste-Stadtrundgang, bei dem Teilnehmer erfahren, wie man beispielsweise ohne Plastikverpackungen einkaufen kann.

Für ihre weiteren Unternehmungen wollen die Nutzer des Co-Working-Space einen Verein gründen. Jeden Mittwoch 18 bis 20 Uhr ist außerdem offener Treff. Wer das Tagwerk für seine Arbeit nutzen möchte, kann sich per Mail anmelden. 

Infos und Anmeldung: tagwerk.space ([email protected])

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