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Corona: Bautzen bittet Bundeswehr um Hilfe

Das Gesundheitsamt schafft es nicht mehr, schnell die Infektionsketten nachzuverfolgen. Intern wurde bereits Hilfe organisiert. Doch das reicht nicht.

Wie hier in Hannover sollen nun auch im Kreis Bautzen Soldaten der Bundeswehr bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten helfen.
Wie hier in Hannover sollen nun auch im Kreis Bautzen Soldaten der Bundeswehr bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten helfen. © Julian Stratenschulte/dpa

Bautzen. Wenn das Landratsamt Bautzen eine Mitteilung mit den Worten "In eigener Sache" überschreibt, muss in der Kreisverwaltung schon etwas Ungewöhnliches passiert sein. Und es ist in der Tat ungewöhnlich, wenn ein Amt öffentlich einräumen muss: Wir schaffen unsere Arbeit nicht mehr so, wie es eigentlich sein sollte.

Am Wochenende teilte das Gesundheitsamt mit, dass "aufgrund des sehr stark erhöhten Bearbeitungsaufkommens" die Übermittlung von Befunden nach Corona-Tests " in einzelnen Fällen länger als 48 Stunden" dauern könne.

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Dabei arbeiten im Gesundheitsamt bereits Mitarbeiter aus anderen Fachbehörden des Landratsamtes mit. "Weitere Abordnungen sind in hoher Zahl in den nächsten Tagen vorgesehen", erklärt Pressesprecherin Sabine Rötschke. 

Doch weil die intern organisierte Hilfe immer noch nicht ausreicht, kommt nun auch Unterstützung von Beschäftigten des Freistaates. Unter anderem helfen Mitarbeiter des Statistischen Landesamtes Kamenz jetzt bei der Gesundheitsbehörde des Landkreises.

Außerdem hat der Landkreis am Montag auch die Bundeswehr um Hilfe gebeten. "Die genauen Details werden derzeit besprochen", sagt die Kreissprecherin. Der Einsatz soll voraussichtlich Mitte dieser Woche beginnen. Im Nachbarlandkreis Görlitz helfen schon seit vergangener Woche 20 Soldatinnen und Soldaten, Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln und mit ihnen zu sprechen.

Infizierte sollen Kontakte selbst informieren

Das ist neben den Corona-Tests aktuell für das Gesundheitsamt die wichtigste, aber auch zeitaufwendigste Aufgabe. Denn während manch positiv Getesteter nur ganz wenige Kontaktpersonen hatte, sind es bei anderen, die etwa in einem Großbetrieb arbeiten oder in einem Heim wohnen, gleich mal Dutzende. 

Weil das Gesundheitsamt jetzt teilweise mehr als 48 Stunden benötigt, um alle Kontaktpersonen zu informieren, sollen die Infizierten selbst aktiv werden und ihre  Kontakte direkt ansprechen. Entscheidend, so das Amt, seien der Zeitpunkt und die Art des Kontaktes. Am dringendsten zu benachrichtigen seien demnach die Personen, mit denen in den zwei Tagen vor dem Auftreten der ersten Corona-Symptome Kontakt bestand.

"Ein höheres Infektionsrisiko besteht bei einem 15-minütigen Kontakt von Angesicht zu Angesicht, oder wenn man sich etwa 30 Minuten in einem schlecht durchlüfteten Raum mit einer infizierten Person aufgehalten hat oder Kontakt zu Sekreten des Infizierten hatte", informiert das Landratsamt. Und weiter: "In diesen Fällen melden sich Kontaktpersonen bei der Corona-Hotline des Landratsamtes 03591 525112121 und begeben sich in Quarantäne. Sie gehen dann auch nicht mehr auf Arbeit. Die 14-tägige Quarantäne wird dann rückwirkend durch das Gesundheitsamt ausgesprochen, damit die Betroffenen auch finanziell durch die Verdienstausfallentschädigung abgesichert sind."

Alle Kontakte werden weiterhin nachverfolgt

Derzeit sind rund 145 Mitarbeiter des Landratsamtes im Corona-Dienst. Allein 100 von ihnen kümmern sich um die Kontaktpersonen der Infizierten. Zu dieser Hundertschaft gehören auch das Abstrich-Team, die Befundbearbeitung und die Quarantäne-Telefonisten.

Auch wenn es teilweise länger als 48 Stunden dauert, werden nach wie vor alle Nachverfolgungen abgearbeitet, versichert Amtssprecherin Sabine Rötschke: "Die Frage ist, wie schnell dies passiert. Hier wollen wir mit mehr Personal noch besser werden. Wenn wir Infektionen in Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen, Schulen, Kitas und ähnlichen Einrichtungen feststellen, werden diese mit höherer Priorität bearbeitet."

Mit Blick auf die Übermittlung der Testergebnisse rät das Landratsamt, die Corona-Warn-App des Bundesgesundheitsministeriums zu nutzen. Die meldet praktisch von selbst sofort, sollte der Test positiv ausgefallen sein. Dafür sorgt ein sogenannter QR-Code, den Getestete bekommen. Dieser Code muss nur mit dem Smartphone gescannt werden, alles andere erledigt sich automatisch.

Dass im Gesundheitsamt jetzt Mitarbeiter aus anderen Abteilungen des Landratsamtes aushelfen, hat allerdings auch einen Nachteil: Derweil bleibt ihre eigentliche Arbeit liegen. Deshalb könne es dazu kommen, dass die Bearbeitung von anderen Dienstleistungen des Landratsamtes länger dauert als üblich, so Rötschke. Das Gesundheitsamt selbst hat zum Beispiel die Schuleingangsuntersuchungen künftiger ABC-Schützen erst einmal verschoben.

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