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Schweinepest: Jetzt bekommt der Kreis Bautzen Zäune

Bei Niedergurig und südlich der Königsbrücker Heide sind Bautrupps unterwegs. Auch an anderen Stellen rücken sie bald an. Und es wird noch mehr getan.

Von Uwe Menschner
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An der B 156 zwischen Bautzen und Niedergurig ein Schweinepest-Schutzzaun errichtet worden. Auch an anderen Stellen im Kreis Bautzen entstehen jetzt solche Anlagen.
An der B 156 zwischen Bautzen und Niedergurig ein Schweinepest-Schutzzaun errichtet worden. Auch an anderen Stellen im Kreis Bautzen entstehen jetzt solche Anlagen. © Uwe Menschner

Niedergurig. Seit einigen Tagen arbeiten sich mehrere kleine Bautrupps an der B 156 von der Bautzener Stadtgrenze aus in Richtung Norden voran. Derzeit befinden sie sich unter anderem im Bereich von Niedergurig. Mit dabei haben sie einen Bagger, Metallpfähle und Rollen von Drahtzaun. Was im Landkreis Görlitz bereits zum gewohnten Bild gehört, beginnt jetzt auch im Kreis Bautzen: der Aufbau von Schutzzäunen gegen Wildschweine mit dem Ziel, die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu verzögern.

„Gegenwärtig läuft der Zaunbau entlang der B 156 von der Autobahn bis zum Bärwalder See“, erklärt Cynthia Thor, Referentin im Sächsischen Sozialministerium, auf Anfrage von Sächsische.de. Betroffen sind davon neben der Stadt Bautzen die Gemeinden Malschwitz und Großdubrau sowie Boxberg im Kreis Görlitz. Parallel dazu sind die Bautrupps auch schon südlich der Königsbrücker Heide unterwegs. Diese Abschnitte sollen bis Weihnachten fertig sein.

Schweinezüchter haben Verluste

Doch das ist erst der Anfang: „Darüber hinaus ist auch der Bau von Zäunen ab der Autobahnabfahrt Burkau in Richtung Hoyerswerda sowie in Richtung tschechische Republik geplant“, so Cynthia Thor. Dabei handelt es sich nicht um die unter Strom stehenden sogenannten Flatterzäune, sondern um stabile Metallzäune mit Untergrabeschutz. Sie sollen die Ausbreitung der ASP verlangsamen; verhindern können sie sie nicht.

„Dazu müssten Mauern von einer Größe gebaut werden, wie man sie in der Landschaft nicht sehen möchte“, meint Rico Krause. Er ist Geschäftsführer eines Landwirtschaftsbetriebes, der Schweinezucht unter anderem in Ralbitz sowie in Kodersdorf betreibt und daher stark von den Auswirkungen der Schweineseuche betroffen ist. Diese bestehen sowohl in Mehrausgaben als auch in Mindereinnahmen: „Jeder Transport muss vom Veterinäramt begutachtet und verplombt werden, wir müssen in jedem unserer Betriebe wöchentlich Blutproben nehmen, um nachzuweisen, dass die Herde ASP-frei ist.“

Suche nach Kadavern wird intensiviert

Dazu kommen erhöhte Transportkosten für die Masttiere zum Schlachthof in Niedersachsen und Preisabschläge, weil die Schweine aus dem ASP-Gebiet angeblich schlechter zu vermarkten sind. Pro Tier, rechnet Rico Krause vor, macht das einen Nachteil von bis zu 23 Euro, „wobei die normalen Preise schon ruinös sind.“ Dies sei wirtschaftlich nicht mehr darstellbar. In der Folge denken viele Betriebe darüber nach, die Schweinehaltung aufzugeben.

Dem sächsischen Sozialministerium ist diese Problematik bekannt, es versucht, auf mehrere Arten dagegen zu wirken. Neben dem Zaunbau kommen dabei der Jagd auf Wildschweine sowie der Suche nach Kadavern eine große Bedeutung zu. „Die Fallwildsuche muss auch und gerade auf noch ASP-freien Flächen durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass das Virus noch nicht weiter vorgedrungen ist als bisher ermittelt“, erklärt Cynthia Thor.

Kreis Bautzen ist nicht mehr Schweinepest-frei

Deshalb finden im Landkreis Bautzen bereits seit längerer Zeit gezielte Fallwildsuchen statt. Seit Oktober gab es bisher insgesamt 24 Suchtage mit Hundegespannen. Die Jägerschaft, so betont die Referentin, stelle sich ihrer Aufgabe in der Seuchenbekämpfung. Allerdings müsse sichergestellt sein, dass die Jagd „nicht die Virusbekämpfung konterkariert, das heißt, die Ausübung der Jagd darf nicht zu einer Verbreitung der Seuche führen.“

Dies könne geschehen, wenn die Rotten über ein größeres Territorium versprengt werden: „Aus diesem Grunde werden Drückjagden in aktiven Infektionsarealen beziehungsweise in der Nähe davon untersagt.“ Eine massive Reduzierung der Wildschweine könne aufgrund der Populationsgröße und der Vermehrungsrate ohnehin erst längerfristig erreicht werden. Das Sozialministerium warnt daher davor, „bei der Seuchenbekämpfung auf die Tötung der Wildschweine zu fokussieren.“

Mittlerweile wurden auch im Landkreis Bautzen „nahe am Infektionsgeschehen im Landkreis Görlitz“ drei Fälle der Afrikanischen Schweinepest festgestellt. Laut einer Karte des bundesweit für die Seuchenbekämpfung zuständigen Friedrich-Löffler-Instituts geschah dies auf dem Territorium der Stadt Weißenberg. Bis vor Kurzem galt der Landkreis immer als ASP-frei. Die weitaus meisten Fälle weist mit 703 der Landkreis Görlitz auf, im Kreis Meißen sind es bislang 10 (Stand 13. Dezember).