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Neue Attraktion für die Bautzener Sternwarte

Der Förderverein der Schulsternwarte hat Großes vor: Er will Stonehenge, das Kolosseum und die Himmelscheibe von Nebra vereinen - in einem alten Steinbruch.

Georgia Brauer vom Förderverein der Schulsternwarte Bautzen steht am Rande des alten Steinbruchs, in dem ein kleines Amphitheater entstehen soll. Auf einer Karte zeigt sie, wie das Ganze einmal aussehen könnte.
Georgia Brauer vom Förderverein der Schulsternwarte Bautzen steht am Rande des alten Steinbruchs, in dem ein kleines Amphitheater entstehen soll. Auf einer Karte zeigt sie, wie das Ganze einmal aussehen könnte. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Mit den Fernrohren der Bautzener Sternwarte lässt sich ganz weit ins Weltall schauen, und doch birgt das unendliche Universum noch jede Menge Geheimnisse. Aber um etwas Geheimnisvolles zu sehen, reichen auch schon ein paar Schritte in eine Ecke des Sternwarten-Geländes an der Czornebohstraße. Dort steht der Beobachter vor einem grasbewachsenen Kreis, der früher mal ein kleiner Steinbruch gewesen sein soll und sich im Lauf der Jahre mit Erde füllte. In der Mitte steckt ein Pfahl, acht weitere Pfähle ragen rundherum aus dem Kreisbogen.

Doch so geheimnisvoll, wie das Ganze aussieht, ist es gar nicht, erklärt Georgia Brauer: Vier Pfähle zeigen die Himmelsrichtungen an. Zwei stehen für die Sonnenwenden im Juni und Dezember und zwei für die Tag-und-Nacht-Gleichen im März und September.  Wir kennen die vier Tage als Beginn der Jahreszeiten. "Wenn Sie sich am 21. Dezember in die Mitte stellen und über den Pfahl für die  Wintersonnenwende schauen, sehen Sie genau dort die Sonne aufgehen", erläutert die ehemalige Astronomielehrerin. Beim Abstecken der Punkte hat ihr Ralf Herold von der Sternwarte Sohland geholfen.

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Wie die Sonnenwenden ablaufen, wussten schon die Altvorderen vor etwa 4.000 Jahren. Im Süden Englands bauten sie dazu ein steinernes Monument, das heute als Stonehenge Wissenschaftler und Touristen begeistert. In Mitteleuropa modellierten sie ihre Kenntnisse auf eine kreisförmige Platte aus Bronze - die berühmte Himmelsscheibe von Nebra. Sie gilt als älteste bisher bekannte Himmelsdarstellung, wurde 1999 nahe der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt zufällig  gefunden und liegt heute im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale. "Unser Kreis hier", erklärt Georgia Brauer, "ist so etwas wie die Himmelsscheibe im Großformat."

Bei Ideenwettbewerb Geld gewonnen

Die sternenkundige Rentnerin, ihr Ehemann Heinz und Sohn Helmar sind drei von derzeit 34 Mitgliedern des Fördervereins der Schulsternwarte Bautzen, die seit Beginn dieses Jahres der Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen (BBB) gehört. Der Förderverein organisiert hier Vorträge und Veranstaltungen für Kinder und Erwachsene. "Der Bildungsauftrag steht dabei im Vordergrund",  erklärt Georgia Brauer.

Weitere Mitstreiter sind willkommen, auch, um eine Idee umzusetzen, die den Sternwarten-Förderern schon lange im Kopf herumgeht: Sie möchten aus dem ehemaligen Steinbruch einen Steinkreis-Kalender mit ein paar Zuschauerrängen machen - sozusagen Himmelsscheibe von Nebra, Kolosseum von Rom und Stonehenge in einem am Stadtrand von Bautzen.

Mit dieser Idee bewarb sich der Förderverein im Frühjahr dieses Jahres um Geld aus dem Sächsischen Mitmach-Fonds. In dem Ideenwettbewerb kamen fast 2.000 Vorschläge aus der Lausitz und dem Leipziger Braunkohlerevier zusammen. 18 davon nominierte die Jury für den Publikumspreis. Die Online-Abstimmung lief im September, fast 7.000 Bürger beteiligten sich. Am Ende stand fest: Die Idee für den Bautzener Steinkreis stieß auf das größte Interesse - fast jede dritte Stimme aus der Lausitz ging an den hiesigen Sternwarten-Förderverein.

Sternwarte gibt es bald 150 Jahre

"Die 15.000 Euro Preisgeld sind ein toller Grundstein und helfen uns ganz sehr, werden aber am Ende nicht reichen", ist sich Helmar Brauer sicher. Der Förderverein wäre deshalb dankbar, würden sich heimische Unternehmen für den Bau engagieren. Eine Firma tut dies bereits: Hentschke Bau besorgt die Vorplanung für das Projekt. Und ein paar Meter neben dem künftigen Steinkreis hat das Bautzener Bauunternehmen schon den Sockel für eine weitere Fernrohr-Kuppel gesetzt. Die Technik darin wird digital vernetzt, so dass vor allem Vereinsmitglieder von zu Hause aus per Computer oder Smartphone ins Weltall schauen können.

Überhaupt sorge Hentschke Bau mit Spenden dafür, dass die Sternwarte - außer jetzt in der neuerlichen Corona-Zwangspause - ihren Besuchern ein Programm anbieten kann, berichtet Helmar Brauer. Er und Hentschke-Geschäftsführer Jörg Drews begegnen sich regelmäßig im Verein Bürgerbündnis Bautzen, das mit sechs Abgeordneten im Stadtrat vertreten ist. Der Stadtrat entschied im vergangenen Jahr letztlich auch, dass die Sternwarte nicht schließen muss - Pläne dafür gab es bereits.

Wenn alles gut läuft, könnte der Steinkreis 2022 fertig sein. Dann feiert die Bautzener Sternwarte ihr 150-jähriges Bestehen – damit ist sie eine der ältesten Schulsternwarten Deutschlands. Vor ihrem geistigen Auge sieht Georgia Brauer in dem kleinen Amphitheater nicht nur Vorträge und lehrreiche Pausen für Schülergruppen, sondern beispielsweise auch Theateraufführungen, Konzerte oder Feiern.

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