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Corona-Zwangspause: Das sagen Betroffene

Ab Montag müssen Lokale schließen, in Hotels dürfen keine Touristen übernachten, Fitness- und Kosmetikstudios bleiben zu. So reagieren Betreiber im Kreis Bautzen.

Geschäftsführer Frank Pfützenreuter vom Gesundheitszentrum Pulsnitz mit Fitness, Reha-Sport und Physiotherapie ist enttäuscht, dass er die Einrichtung ab Montag schließen muss.
Geschäftsführer Frank Pfützenreuter vom Gesundheitszentrum Pulsnitz mit Fitness, Reha-Sport und Physiotherapie ist enttäuscht, dass er die Einrichtung ab Montag schließen muss. © René Plaul

Bautzen. Überrascht ist niemand, begeistert natürlich auch nicht. Wer seit den neuen Corona-Beschlüssen mit Gastronomen, Hoteliers und anderen Betroffenen spricht, hört früher oder später: Da müssen wir durch, irgendwie.

Der Hotelier: November hätte gut werden können

In diesem Tenor äußert sich auch Michael Pfützner vom Bautzener Hotel "Residence". Gerade hatte sich nach dem verkorksten Frühjahr "alles wieder gefangen, wir hatten auch wieder Feiern im Haus". Der November hätte "ein richtig guter Monat" werden können. Einige Familienfeiern waren schon gebucht, inklusive Hotelzimmern, und auch die ersten Weihnachtsfeiern standen schon im Kalender.

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"Statt dessen erleben wir jetzt eine Flut an Stornierungen", ärgert sich der Hotelier. "Wir sehen das mit Sorge." Zahlreiche Betten bleiben jetzt leer, ebenso der der Veranstaltungsaal mit modernster Licht- und Tontechnik. Immerhin darf das Hotel im Gewerbepark Wilthener Straße für Geschäftsreisende offen bleiben.

Michael Pfützner verweist auf das Hygienekonzept des Hotels. "Wir haben überall Desinfektionsmittel stehen und achten auf Mindestabstände. Wir hatten bisher keine einzigen Corona-Fall."

Die Kosmetikerin: Hoffnung auf den Dezember

Für Marita Richert kommen die neuen Maßnahmen ebenfalls nicht überraschend. „Eine Pandemie kommt eben in Wellen“, sagt die selbstständige Betreiberin des gleichnamigen Studios für Kosmetik und Fußpflege in Bischofswerda. Ab Montag muss sie ihr Geschäft vorerst bis Ende November schließen. „Dass ich keine Gesichtsbehandlungen machen darf, sehe ich ein“, sagt sie. Abstand könne nicht eingehalten und die Kunden könnten keine Maske tragen. Aber bei der Fußpflege sei das anders.

Doch weil sie keine medizinische Fußpflege, sondern kosmetische anbietet, darf sie nicht behandeln. „Ich bin staatlich geprüfte Kosmetikerin und Fußpflegerin.“ Nur die Podologen, also medizinische Fußpfleger, dürften weiter behandeln, wenn Patienten mit Rezept zu ihnen kommen.

Immerhin freue sie sich darüber, dass sie und ihre Kollegen als Ausgleich 75 Prozent der Novemberumsätze des Vorjahres erhalten sollen. Marita Richert hofft, im Dezember wieder öffnen zu können. Sie befürchtet, dass sich auch mit dem neuen partiellen Lockdown die Infektionszahlen nicht deutlich reduzieren lassen.

Der Gastwirt: Essen gibt's wieder zum Mitnehmen

Auch im Gasthaus "Lusatia" an der Löbauer Straße in Bautzen bleiben die Tische ab kommende Woche leer - bis auf einen. Der steht, wie schon im Frühjahr, gleich neben der Küche, und hier können sich Hungrige ihr Essen abholen. Ab Mitte März wurden auf diese Weise an durchschnittlichen Tagen um die 20 Mittagessen verkauft, berichtet Juniorchef Philipp Haupt.

Das ist zwar kein Vergleich zu den Portionen, die in der gut besuchten Gaststätte sonst serviert werden - aber besser als gar nichts. Trotzdem reicht die verbleibende Arbeit nicht für alle Angestellten des Familienbetriebes - einige werden wieder in Kurzarbeit gehen müssen.

Der Fitnessclub-Chef: Lockdown ist unverhältnismäßig

Das Gesundheitszentrum Pulsnitz mit Fitness, Reha-Sport und Physiotherapie besuchen im Monat etwa 1.000 Gäste: „Wir haben unser Hygienekonzept umgesetzt und hatten bisher keinen Coronafall“, sagt Geschäftsführer Frank Pfützenreuter.

Der neuerliche Lockdown treffe im Unternehmen auf völliges Unverständnis und sei unverhältnismäßig: „Wir hatten uns gerade vom ersten Lockdown aufgerappelt, da kommt der nächste Hammer.“ Er hoffe auch das durchzustehen, werde natürlich nach den Corona-Hilfen schauen. Aber er ist sich sicher: „Teile des Mittelstandes werden große Probleme bekommen.“

Er rechne mit einer Insolvenzwelle, sieht aber weitere schlimme Konsequenzen: Die etwa 250 Frauen und Männer, die wegen gesundheitlicher Probleme mit ihrem Reha-Sportrezept in das Gesundheitszentrum kommen, seien auf den Sport unter fachlicher Aufsicht angewiesen und müssten nun ebenfalls fern bleiben. „Ohne den Sport können die Auswirkungen auf die Gesundheit gravierend sein.“ Außerdem fehle gerade den älteren Leuten der soziale Kontakt. Nun müsse das Personal bis auf die Physiotherapie erneut in die Kurzarbeit.

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