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Bautzen: Geschäftseröffnung mitten im Lockdown

In der Rosenstraße hat ein Fahrradladen neu aufgemacht. Und auch in der Karl-Marx-Straße tut sich etwas.

Robert Heinze (links) und Max Noack haben in Bautzen die "Räderei", ein Fahrradgeschäft mit Werkstatt, eröffnet. Mitten im Lockdown.
Robert Heinze (links) und Max Noack haben in Bautzen die "Räderei", ein Fahrradgeschäft mit Werkstatt, eröffnet. Mitten im Lockdown. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Robert Heinze beugt sich über das Fahrrad, das vor ihm an einem Ständer hängt. Er dreht ein Werkzeug. Gleich mehrere Fahrräder stehen im Werkstattbereich, in dem der Bautzener gerade arbeitet. Es riecht nach Holz und ein bisschen nach Farbe. Neu eben. Kein Wunder: Die Räderei in der Bautzener Rosenstraße haben Robert Heinze und Max Noack erst wenigen Tagen eröffnet. Ja, richtig gelesen: Die Räderei, zugleich Fahrradgeschäft und -werkstatt, hat jetzt neueröffnet. Mitten im Lockdown.

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Wie es dazu kam? Nun, die Idee entstand schon in Zeiten, als noch niemand an eine Pandemie dachte. So erzählt es zumindest Robert Heinze. „Den Gedanken an einen Radladen hatte ich schon, als ich 15 Jahre alt war“, sagt er. Überhaupt hat er schon mit Fahrrädern zu tun, seit er denken kann. Er hat bei Hit-Bikes in Schirgiswalde gearbeitet, war sechs Jahre lang in Dresden in einem Fahrradladen, dann zog es ihn wieder heraus aus der Großstadt. Eine Weile arbeitete er bei einem Radladen in Bautzen.

"Wir wussten, wir dürfen die Werkstatt öffnen"

Für Max Noack gab es etwas mehr Umwege – zum Beispiel über eine Lehre als Zerspanungsmechaniker und über einen Job als Maschinenbautechniker in Dresden. Chemnitz war eine Zwischenstation, Prag eine andere. Und doch fuhr auch er früh Rad, erzählt er – war in seiner Jugend viele Jahre lang Mitglied im Bautzener Radsportverein.

Robert Heinze und Max Noack kennen sich, wie sie erzählen, noch aus der Schulzeit in Bautzen. In Dresden haben sie sogar eine Weile in einer WG gelebt. Und doch: Die endgültige Entscheidung mit dem Fahrradladen kam erst etwas später.

Max Noack war mit seinem Job in Prag nicht ganz zufrieden. Die beiden schlossen sich zusammen. Sie wussten, wie lang die Wartezeiten auf eine Fahrradreparatur in Bautzen sind. „Der Bedarf ist da“, so viel stand für sie fest, sagt Robert Heinze. Mindestens ein Jahr haben die beiden allein mit Planungen verbracht, berichten sie. Corona konnte sie nicht stoppen: „Wir wussten ja, dass wir wenigstens die Werkstatt trotzdem öffnen dürfen“, denn die sei systemrelevant, begründet Robert Heinze die Entscheidung. „Aber ja, die Verunsicherung, ob der Laden angenommen wird, war da“, sagt Max Noack. „Wir wussten ja nicht, ob es reichen wird, um die monatlichen Fixkosten zu erwirtschaften.“

In der Zukunft wollen die beiden Radtouren anbieten

Seit etwa drei Wochen ist die Werkstatt nun geöffnet – und gut angelaufen, so das Fazit von Max Noack und Robert Heinze. Allein in der ersten Woche seien schon 25 Leute mit Aufträgen dagewesen. Natürlich warten aber auch die beiden darauf, dass alles wieder anläuft. Denn wenn Corona es zulässt, haben sie noch weitere Pläne. „Zu unserem Konzept zählt Kundennähe und das beratende Gespräch“, sagt Robert Heinze.

Einmal die Woche, immer mittwochs ab 18 Uhr, wollen sie dann ab ihrem Geschäft Fahrradtouren rund um Bautzen anbieten – kostenlos. „Oft ist es doch so: Du hast ein schickes Rad; weißt aber nicht, wo und mit wem du Touren unternehmen kannst“, sagt Robert Heinze. „Bei den Touren wollen wir Gleichgesinnte zusammenbringen und eine Community schaffen“, erklärt Max Noack.

Die beiden sind nicht die einzigen mit mutigen Plänen

Ähnlich wie Max Noack und Robert Heinze mit ihrer Räderei darf auch Larisa Seeder ihre Geschenkewelt im Ärztehaus an der Bautzener Töpferstraße weiterhin öffnen. Dort gibt es Süßigkeiten, Zeitungen, Tee, Bastelbücher, Deko, russische Stofftiere und russische Naturkosmetik. Und ähnlich wie die beiden Radfahrer wagt auch Larisa Seeder einen mutigen Schritt. Sie plant eine Erweiterung ihres Geschäfts.

In der Karl-Marx-Straße in der Bautzener Innenstadt will sie einem leeren Fenster wieder Leben verleihen – und ein zweites Standbein eröffnen. In dieser Woche ist Schlüsselübergabe, dann will sie den Laden in der Karl-Marx-Straße renovieren. Am 1. April soll das Geschäft eröffnet werden, so ist der Plan.

Zeitungen soll es dort nicht geben. Der Fokus soll auf Geschenken und hübschen Verpackungen dafür liegen. „Wer zum Beispiel wenig Zeit hat, aber gerne in der Mittagspause ein hübsch verpacktes Geschenk kaufen möchte, der ist bei uns richtig“, sagt Anastasia Seeder, die Schwiegertochter von Larisa Seeder.

Schon das erste Geschäft in Corona-Zeiten eröffnet

Es ist nicht der erste mutige Schritt, den Larisa Seeder wagt. Denn auch das kleine Geschäft im Ärztehaus hat sie erst vor einem Jahr eröffnet. Also in Zeiten, in denen das Wort „Corona“ sich gerade vom Fachbegriff hin zum alltäglichen Sprachgebrauch entwickelte. Vor allem eine Sache bereitet den beiden Frauen aber im Lockdown gerade Schwierigkeiten: „Es ist nicht einfach, an die Materialien für die Renovierung des Geschäfts zu gelangen“, erzählt Anastasia Seeder. Dennoch: „Im Lockdown ist es schwierig, ja“, sagt Larisa Seeder. Aber sie ist entschlossen: „Wir halten an unserem Plan fest.“

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