merken
PLUS Bautzen

Kreis Bautzen: Diese Folgen hat der Lehrermangel

Maximilian Richter hat Deutsch und Geographie auf Lehramt studiert. In Elstra unterrichtet er noch ein anderes Fach. Und die Schulen treffen weitere Kompromisse.

Maximilian Richter unterrichtet an der Oberschule Elstra. Studiert hat er Geographie und Deutsch auf Lehramt; weil es an seiner Schule aber an Sportlehrern mangelt, unterrichtet er jetzt auch Sport.
Maximilian Richter unterrichtet an der Oberschule Elstra. Studiert hat er Geographie und Deutsch auf Lehramt; weil es an seiner Schule aber an Sportlehrern mangelt, unterrichtet er jetzt auch Sport. © privat/Richard Schuster

Bautzen/Elstra. Der ländliche Raum hat es schwer. „Je weiter wir uns von Dresden entfernen, desto schwieriger wird es, im Kreis Bautzen Lehrer für die Schulen zu finden“, berichtet Vincent Richter vom Landesamt für Schule und Bildung in Bautzen. Gut, zugegeben: Elstra befindet sich eher im westlichen Teil des Landkreises. Dennoch ist Maximilian Richter aus Chemnitz einer, den man gut und gerne als einen Hoffnungsträger gegen den Lehrermangel im ländlichen Raum sehen kann. Sein Referendariat hat er beendet und unterrichtet ab dem kommenden Schuljahr als ausgebildeter Lehrer an der Oberschule Elstra.

Anzeige
Architekt & Ingenieur gesucht (m/w/d)
Architekt & Ingenieur gesucht (m/w/d)

Das in Bautzen ansässige Architektur- und Ingenieurbüro "bauplanung oberlausitz | architekten & ingenieure" sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt Unterstützung.

140 Lehrerstellen wollte das Landesamt für Schule und Bildung in den Kreisen Bautzen und Görlitz zum kommenden Schuljahr besetzen. Für längst nicht alle hat das aber auch geklappt. „126,6 Stellen konnten besetzt werden“, sagt Vincent Richter. Wer jetzt denkt, mit 14 weiteren neuen Lehrkräften wäre es getan, der irrt: Weil einige Lehrer Teilzeit unterrichten, weil der Bedarf an mehr als 14 Schulen besteht und weil nicht alle Bewerber auch die passende Fächerkombination abdecken, werden mehr Lehrkräfte gebraucht, um die Lücke zu füllen. Vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich und im Fach Informatik bestehe ein flächendeckender Mangel an Lehrkräften in der Region, sagt Vincent Richter. Besonders groß ist der Bedarf im ländlicheren Bereich, im Osten des Landkreises Bautzen und im Kreis Görlitz.

In den Ferien drückt der Lehrer selbst die Schulbank

Nicht nur, weil er sich explizit dafür entschieden hat, in den ländlichen Raum zu ziehen, ist Maximilian Richter deshalb ein Hoffnungsträger. Sondern auch, weil er an seiner Schule auf besondere Art und Weise gegen den Lehrermangel hilft. Denn studiert hat der 27-Jährige Geographie und Deutsch auf Lehramt in Dresden. Weil an der Oberschule Elstra aber Sportlehrkräfte dringend gesucht werden, lässt sich Maximilian Richter kurzerhand weiterbilden – und unterrichtet nun auch noch Sport.

Bis zum Jahr 2024 sind seine Ferien deshalb zum Großteil verplant. In dieser Zeit absolviert er eine Weiterbildung, damit er künftig auch alleine Sport unterrichten darf. Gerade geht das nur, wenn ein anderer Sportlehrer mit in der Halle ist. „Laut meinem Plan geht so ein Ausbildungstag immer von 8 bis 18 Uhr“, sagt er. „Es geht dann um verschiedene Themenkomplexe. Um Rechtsfragen, darum, wie wir mit Verletzungen umgehen, um die einzelnen Sportarten.“ Keine Frage – um das zu schaffen, braucht es einiges an Motivation.

Erfahrung als Trainer hat er schon gesammelt

Aber Maximilian Richter musste nicht lange überlegen, ob er sich das zutraut. „Ich bin damals schon ins Studium gegangen mit dem Ziel, das zu machen“, erzählt er. Die Dreier-Kombi aus Deutsch, Geographie und Sport, so wie er sich das vorstellte, konnte er aber so nicht studieren. „Als ich gehört habe, dass man sich als Fachfremder zum Sportlehrer weiterbilden lassen kann, fand ich das eine gute Idee.“

Denn Sport ist schon lange ein Hobby von Maximilian Richter; nicht zum ersten Mal trainiert er Kinder und Jugendliche. „Ich habe selber Fußball gespielt, dann später Basketball“, sagt er. „In Dresden war ich Basketball-Jugendtrainer bei den Titans“, sagt er, „davor war ich drei Jahre Kursleiter an der Uni, ich habe Basketball-Ganztagsangebote an Schulen geleitet.“

Der Schritt zum Sportlehrer lag nahe für ihn – und bedeutet der Oberschule Elstra viel, erklärt auch Jana Schwan, die Schulleiterin. „Wir haben gerade zwei Sportlehrer hier, einer geht bald in den Ruhestand. Sportlehrernachwuchs ist nicht absehbar“, sagt sie. Schon jetzt hilft auch ein anderer fachfremder Lehrer im Sportbereich aus. Anders, sagt sie, könnte die Schule den Bedarf nicht abdecken. Und im Informatik-Bereich zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Da sei gerade eine Lehrkraft gegangen.

Schule könnte den Bedarf ohne ihn nicht decken

Jetzt unterrichten vier fachfremde Lehrkräfte, die sich aber inhaltlich auskennen, in dem Bereich. „Wir können die nötigen Stunden auf diese Weise gerade so abdecken“, sagt Jana Schwan. „Sobald ein Lehrer krank wird, entsteht eine Lücke, die wir nicht füllen können.“ Die Digitalisierung schreite aber voran. „Wenn es keine Informatiklehrer an einer Schule gibt, ist das definitiv eine Herausforderung.“ Nicht nur, weil dann Unterricht wegbricht – auch, weil die Schule die Unterstützung im IT-Bereich braucht.

Dennoch: Dass wegen des Lehrermangels fachfremde Lehrkräfte in unterschiedlichen Fächern eingesetzt werden, ist Usus – berichtet Vincent Richter vom Landesamt für Schule und Bildung in Bautzen. Nur so kann der Mangel an Lehrkräften in einigen Fachbereichen überhaupt ausgeglichen werden. „Es entschließen sich immer mehr grundständig ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer dazu, ein weiteres Fach zu unterrichten“, sagt er.

An wiederum anderen Schulen unterrichten beispielsweise Referendare mehr Stunden als sie müssten, um den Mangel auszugleichen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: An der Sorbischen Grundschule in Panschwitz-Kuckau ist das der Fall, an der Oberschule „Am Valtenberg“ in Neukirch, an der Grundschule Arnsdorf, am Immanuel-Kant-Gymnasium Wilthen oder an der Sorbischen Grundschule in Bautzen. Und an einigen Schulen könnten bestimmte Fächer im Zweifel nur mit weniger Stunden unterrichtet werden, als der Lehrplan vorsieht.

Hat sich explizit gegen die große Stadt entschieden

In wenigen Tagen ist es für Maximilian Richter so weit. Dann steht er vor seiner Klasse, der ersten eigenen. „Ich bin schon etwas aufgeregt, man muss an ziemlich viel denken“, sagt er. „Die Fünftklässler brauchen noch viel Begleitung.“ Elternbriefe drucken, Corona-Tests vorbereiten, Namensschilder basteln, den Wandertag organisieren, der ADAC kommt: Der 27-Jährige hat vieles im Kopf dieser Tage, kurz vor dem Ferienende.

Weiterführende Artikel

Sachsen stellt tausend neue Lehrer ein

Sachsen stellt tausend neue Lehrer ein

Es wurden mehr Lehrkräfte eingestellt als im vergangenen Jahr. Die Zahl konnte aber nur mit Seiteneinsteigern erreicht werden.

Warum er sich dafür entschieden hat, aufs Land zu gehen? „Ich wollte schon immer im Grünen wohnen“, sagt Maximilian Richter. Aber nicht nur deshalb wollte er, entgegen dem Trend, gar nicht in eine große Stadt. Das hatte auch mit der Oberschule Elstra zu tun. „Ich kannte die Schule und wusste, dass sie sehr fortschrittlich ist.“ Und noch ein entscheidendes Argument spricht aus seiner Sicht für eine Einrichtung im ländlichen Bereich: „Da sind die Schulen kleiner“, sagt er. „Sie sind persönlicher. Das war mir wichtig.“

Mehr zum Thema Bautzen