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Dieser Friseur hat trotz Lockdown geöffnet

Seit Wochen bleiben die Salons im Kreis Bautzen zu - aber nicht für alle. Warum Hunde top gestylt sind, während Menschen nicht zum Schneiden und Färben dürfen.

Hund Kai-Uwe bekommt von Tierfriseurin Monika Roscher einen feschen Haarschnitt verpasst - während der Mann der Hundefriseurin sich mit Haargel behelfen muss.
Hund Kai-Uwe bekommt von Tierfriseurin Monika Roscher einen feschen Haarschnitt verpasst - während der Mann der Hundefriseurin sich mit Haargel behelfen muss. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Figaro, die IC Hairgroup, Hair in motion, top & chic und wie sie alle heißen: Friseursalons gibt es einige in der Bautzener Steinstraße und ihrer Nähe. Gemeinsam haben sie nicht nur das Metier, sondern auch die wegen der Corona-Pandemie verordnete zeitweise Schließung. Kein Wunder also, dass so manch einer seine zu lang gewordene Frise oder den grauen Haaransatz unter einer Mütze verbirgt. Oder dass andere ihre Mähne lässig über Ohren und Augen wachsen lassen. Kein Wunder auch die vermutlich verzweifelten Haarschneide-Selbstversuche, die sicher die Ursache für die ein oder andere Kante in der Frisur sind.

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Wer momentan über die Bautzener Steinstraße oder auch durch die Tuchmacherstraße spaziert, sieht dunkle Salons. Und doch: Ein paar Ausnahmen gibt es, da brennt Licht. Nicht nur einmal. Sondern mehrfach. In der Tuchmacherstraße ist das im Hundesalon von Sabine Riegel der Fall. Noch auffälliger ist es aber in der Steinstraße. Dort schneidet – zwischen einem geschlossenen Nagelstudio und einem geschlossenen Friseursalon – Monika Roscher in Monis Hundesalon La Wuff den Vierbeinern die Mähne oder pflegt ihre Pfoten.

Hundefriseur: keine körpernahe Dienstleistung

Nanu, ist das erlaubt? Warum dürfen Waldi, Pfiffi, Bello und wie sie alle heißen, schick und top frisiert durch die Straßen laufen – während sich einige Herrchen und Frauchen mit ihrer Mähne immer unwohler fühlen?

Tatsächlich ist es das. „Hundefriseure gehören nicht zu den nach der Sächsischen Corona-Schutzverordnung geschlossenen Einrichtungen und Angeboten, insofern ist der Betrieb weiterhin zulässig“, erklärt Sören Granzow, Referent des Sächsischen Sozialministeriums. „Im Gegensatz zu Friseursalons, welche als körpernahe Dienstleistung geschlossen sind, wird hier davon ausgegangen, dass die geltenden Kontaktbeschränkungen sowie die Abstands- und Hygieneregelungen eingehalten werden können.“ Bedeutet für die Hundefriseure: Mit Pfiffi, Waldi und Bello zu kuscheln, ist erlaubt – mit ihren Besitzern die Hände zu schütteln eher nicht.

Salon LaWuff: "Kundenkontakt nicht nötig"

Und das ist auch gar nicht notwendig, sagt Tierfriseurin Monika Roscher. Wer seinen vierbeinigen Liebling bei ihr abgibt, der bespricht bereits am Telefon alle Details mit ihr. Die Leine wird dann an der Tür übergeben. Dazu gibt es die Info, wann Hund oder Katze von ihrer Schönheitskur wieder abgeholt werden dürfen. Herrchen und Frauchen müssen das Geschäft nicht betreten. Auch die Sache mit der Bezahlung lässt sich an der Tür klären, sagt Monika Roscher.

Und während die Besitzer bei einem Spaziergang von einer Kopfmassage des Friseurs des Vertrauens träumen können, bekommen Hund und Katze ein Bad, werden geschoren, ihre Ohren werden gereinigt, die Pfoten von zu langen Haaren befreit. Wie das aussieht, zeigt Monika Roscher an diesem Tag an Kai-Uwe, ihrem sieben Jahre alten Tibet-Terrier. Der ist ganz aufgeregt, dass nach so langer Zeit Besuch vorbeischaut – und hechelt nervös. Als die Schermaschine ansetzt, wird er ruhig. „Das ist für ihn wie eine Massage“, erklärt Monika Roscher sein Verhalten.

Nagelstudio und der Friseursalon nebenan sind zu

Dann wird sie ernst. Denn ja, sie darf – anders als das Nagelstudio und der Friseursalon nebenan – öffnen, erzählt sie. Dennoch leidet auch sie unter dem Lockdown. Sie hat schon bei ihrer Krankenkasse nachgefragt, so erzählt sie, ob sie die Zahlung etwas vertagen kann. Sie hat ihren Vermieter um eine verlängerte Frist für die Zahlung gebeten. Immer wieder, sagt sie, rechnet und überlegt sie. Ob nun der richtige Zeitpunkt für einen Schlussstrich ist? Kann sie wagen, weiterzumachen? Lohnt die Hoffnung, dass die Infektionszahlen bald sinken?

Denn während bis vor Kurzem etwa sechs Hunde und Katzen pro Tag in ihren Salon kamen, sind es jetzt noch etwa vier pro Woche, beklagt Monika Roscher. Da ist zum einen die Sache mit der 15-Kilometer-Regel. Nicht nur Vierbeiner aus Bautzen kamen zu ihr, auch Tiere aus Neusalza-Spremberg oder Dresden zum Beispiel besuchten ihren Salon. „Es gibt nicht mehr so viele von uns“, erklärt sie. Diese Tiere fallen jetzt aber weg in ihrem Kundenstamm.

Ältere Herrchen und Frauchen haben Angst vor Corona

Da ist zum anderen auch die Sache mit dem Alter der Herrchen und Frauchen; viele seien über 70 Jahre alt. Viele haben Angst, berichtet Monika Roscher. So kontaktlos der Friseurbesuch auch ablaufen würde – einigen reiche das nicht. Und da ist das Problem, dass viele Tierbesitzer gar nicht wissen, dass sie momentan geöffnet hat.

Erst im Januar 2020, also ganz knapp vor der Pandemie, hat sie den Laden übernommen. Hat investiert; Geld und Arbeit, um sich alles aufzubauen. Sie hat nach acht Jahren Sicherheit einer Festanstellung den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Soll es das schon gewesen sein?

Sie hat das mit dem Haarschnitt am Menschen versucht - bei ihrem Mann

Dennoch will Monika Roscher nicht den ganzen Tag grübeln. „Das macht es ja nicht besser“, sagt sie. „Ich hoffe einfach weiter jeden Tag, dass die Leute anrufen.“ Trotz der schwierigen Situation huscht ihr ein Grinsen über die Lippen. Denn ja, ein bisschen komisch sei das schon – dass die Tiere schick sein dürfen und die Menschen nicht. „Ich habe schon einige unlautere Angebote bekommen, wie: Ich lass meinen Mann gleich da, dem können Sie die Haare schneiden“, erzählt Monika Roscher und lacht. „Das war natürlich nur scherzhaft.“

Sie könne den Leuten sowieso nicht helfen. Denn die Scheren und Schermaschinen für die Tiere seien andere als die für Menschen. „Ich habe das mal an meinem Mann getestet, als seine Haare allzu lang wurden“, sagt sie. „Es sah schlimmer aus als vorher. Er rettet sich jetzt mit Gel über die Zeit; mit immer mehr Gel.“

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