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Mit Vollgas die Aussaat zerstört

Immer öfter testen Auto- und Quadfahrer auf Wiesen und Feldern im Landkreis Bautzen die Leistung ihrer Fahrzeuge. Der Schaden ist groß, der Ärger auch.

Statt auf befestigtem Untergrund bringen Motorsportfans ihre Fahrzeuge immer wieder auf Wiesen und Feldern an ihre Grenzen - zum Leidwesen von Bauern und Agrarunternehmern im Kreis Bautzen.
Statt auf befestigtem Untergrund bringen Motorsportfans ihre Fahrzeuge immer wieder auf Wiesen und Feldern an ihre Grenzen - zum Leidwesen von Bauern und Agrarunternehmern im Kreis Bautzen. © Symbolbild: dpa

Bautzen. Bauern und Agrarunternehmer im Landkreis sind verärgert: Immer wieder nutzen Motorsportfans Landwirtschaftsflächen - sowohl Wiesen als auch Felder - um ihre Fahrzeuge an ihre Grenzen zu bringen.

Um das Problem zu verdeutlichen, führt Thomas Rönsch auf eine Anhöhe zwischen Blösa und Weißig. Rönsch ist bei der Budissa Agrarprodukte AG zuständig für Boden- und Pachtangelegenheiten. Rücksichtsloses Verhalten von Fahrzeugführern beobachtet er seit Jahren. Ein rumpeliger, ausgefahrener Weg führt hinauf zum Waldrand. Die Schneeschmelze der vergangenen Tage hat hier das Grün des letzten Jahres freigelegt. Und mit ihm deutlich erkennbare Achten und Kreise, die Reifen über die gesamte Wiesenfläche gezogen haben.

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Verluste bei Ernte und Fördermitteln

Die Budissa AG baut hier Grünfutter für Silage an. "Das ist keine Spaßwiese, auf der man seine Autos testen kann", betont Thomas Rönsch und zeigt auf einen ausgefahrenen Weg am Weiderand. Der hat hier nichts zu suchen; wurde illegal eingefahren. "Dort wächst doch nichts mehr", sagt Rönsch.

Der Weg an der Wiese zwischen Blösa und Weißig wurde illegal eingefahren. Er und die kleine Fläche bis zur Baumkante werden bei der Fördermittelvergabe nicht als Nutzfläche gerechnet.
Der Weg an der Wiese zwischen Blösa und Weißig wurde illegal eingefahren. Er und die kleine Fläche bis zur Baumkante werden bei der Fördermittelvergabe nicht als Nutzfläche gerechnet. © SZ/Uwe Soeder

Das Problem dabei: Die Agrarfördermittel, die Landwirtschaftsbetriebe bekommen, berechnen sich an der Größe der genutzten Fläche. Regelmäßig wird diese vom Amt für Landwirtschaft kontrolliert. "Dabei gilt das hier als Weg auf dem Grünland - und die Fläche, die daneben noch bleibt, als zu klein für eine landwirtschaftliche Nutzung", erklärt Thomas Rönsch. Die Folge: Nicht nur die Ernte auf den betroffenen Flächen büßen die Bauern ein, sondern auch Fördermittel.

Was Thomas Rönsch schildert, ist kein Einzelfall. Stefan Triebs, Geschäftsführer der Saritscher Agrar GmbH und ehrenamtlicher Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Bautzen-Kamenz, bestätigt, dass Agrarflächen immer wieder illegal für Motorsport genutzt werden. In der Regel seien es große SUVs oder Sportwagen mit Allradantrieb, aber auch Quads, die auf den Feldern Flurschäden verursachten. Zuletzt seien nach den starken Schneefällen Schlitten mit Hilfe von Quads über die Felder gezogen worden.

Das Problem kennt auch der Geschäftsführer der Heidefarm Sdier, Udo Noack. Hier war es ein Traktor, der mit Schlitten im Schlepptau Kreise und Schleifen über der frischen Aussaat zog.

Fahrzeuge zerstören Wintergetreide

Der Lockdown habe das Problem noch verstärkt: "Weil die Leute nicht in den Winterurlaub fahren können, suchen sie sich hier ihre Freizeitbeschäftigung", mutmaßt Stefan Triebs. In seinem 1.200 Hektar großen Betrieb sind vor allem Ackerflächen von den illegalen Fahrmanövern betroffen. "Was viele vergessen, ist, dass unter der Schneedecke bereits das Wintergetreide gesät wurde. Wenn man darauf unbedingt seinen Allradantrieb testen muss, zerstört man damit die Fürchte unserer nächsten Ernte", sagt er ernst. Den entstandenen Schaden beziffern, kann er nicht. Von der Versicherung würde der ohnehin nicht getragen. Für ihn ist das Unterlassen von Drifts auf Feldern und Wiesen eine Frage der Wertschätzung bäuerlicher Arbeit. Für Udo Noack geht es außerdem um gesunden Menschenverstand: "Ich fahre doch auch nicht in jemandes Garten herum", sagt er.

Unverständnis äußert auch Thomas Pätzold, Vorstand der Sohlander Agrargenossenschaft. Mit einem wütenden Post hatte sich das Unternehmen Ende Januar über Facebook an die Öffentlichkeit gewandt. Damals wurden im Sohlander Ortsteil Ellersdorf bestellte Felder zerfahren. Auf Wiesen käme das immer wieder und sogar ganzjährig vor, sagt Pätzold. Dass sogar Ackerflächen befahren werden, habe er aber zum ersten Mal erlebt. Weil der Boden unter der Schneefläche noch nicht gefroren war, hatten Jeeps und Quads das Erdreich umgewühlt. Die Folge: "Das Wintergetreide ist platt."

Pätzold hat daraufhin Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Große Hoffnung, die Täter zu finden, hat er nicht. "Wenn man das Kennzeichen nicht kennt, wird das schwierig", sagt er. Andere betroffene Agrarunternehmen äußern dieselben Bedenken.

Polizei rät: Unbedingt Anzeige erstatten!

"Eine Anzeige lohnt sich immer", macht Kai Siebenäuger von der Pressestelle der Polizeidirektion Görlitz hingegen klar. Dass unerlaubt verursachte Flurschäden zur Anzeige gebracht würden, käme immer wieder vor. "Bei solchen Sachverhalten veröffentlichen wir mit unserer Medieninformation immer einen Zeugenaufruf", erklärt er. Dieses Vorgehen sei vielversprechend: "Man darf das Potenzial von Zeugenaufrufen nicht unterschätzen. Es gibt immer einen, der jemanden kennt, der etwas beobachtet hat", sagt er.

Darüber hinaus sei das unerlaubte Umherfahren und Driften auf fremdem Eigentum kein Kavaliersdelikt: "Wenn dabei Flurschäden entstehen, befinden wir uns im Bereich der Sachbeschädigung. Das ist dann keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern wir bewegen uns im Bereich einer Straftat", betont der Polizeisprecher.

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