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Cunewalde: Das plant der Bürgermeister

Nach seiner Wiederwahl wurde Thomas Martolock jetzt im Amt vereidigt. Er erklärt, was er nun anpacken - und warum er sich verstärkt politisch positionieren will.

In Cunewalde wurde Thomas Martolock am Donnerstag erneut als Bürgermeister vereidigt.
In Cunewalde wurde Thomas Martolock am Donnerstag erneut als Bürgermeister vereidigt. © SZ/Uwe Soeder

Cunewalde. Manche Ereignisse bringen selbst alte Hasen aus dem Konzept: Bei einer öffentlichen Gemeinderatssitzung mit allerhand Publikum als Bürgermeister vereidigt zu werden, hat in Cunewalde Tradition, seit Thomas Martolock die Gemeinde führt. Bei dieser Gelegenheit hat der CDU-Mann es sich zur Pflicht gemacht, Stellung zu den Aufgaben in Cunewalde für die Dauer der kommenden Wahlperiode zu beziehen.

Nach der Wahl am 27. September, bei der Martolock sich mit 82,9 Prozent der Stimmen gegen seinen Kontrahenten, AfD-Gemeinderat Jürgen Holger Schulz, durchsetzte, musste er am Donnerstag auf die große Amtseinführung verzichten. Der Grund: Corona. Zu seinen Zielen, Wünschen und Bedenken, die Zukunft der Gemeinde betreffend, äußerte er sich dennoch ausführlich. Sächsische. de fasst die Gedanken des neuen, alten Bürgermeisters zur kommenden Amtszeit zusammen:

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Das sind Martolocks Ziele für Cunewalde

Hier ist der Bürgermeister sehr klar: Um die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde mit ihren rund 4.600 Einwohnern sicherzustellen, braucht es eine gut gefüllte Gemeindekasse. Die, so Thomas Martolock, hänge zuallererst von stabilen Einwohnerzahlen und Gewerbesteuereinnahmen ab. Junge Familien in das Tal zwischen Czorneboh und Bieleboh zu locken - gern auch Akademiker aus städtischen Gebieten -, ist daher eines der beiden wichtigsten Ziele Martolocks. Der Weg dorthin führt laut Bürgermeister über intelligentes Marketing und die Bereitstellung attraktiven Baulands.

Zum Zweiten gilt es laut Martolock, Arbeitsplätze zu sichern. Denn der Strukturwandel wird Cunewalde ereilen, wo nach Aussage des Bürgermeisters "jeder vierte Arbeitsplatz am Verbrennungsmotor hängt". Hier hofft Martolock auf sein Talent als Netzwerker, dem es gelingen muss, die Struktur der Gewerbetreibenden im Ort zu stärken.

Diese Vorhaben will er konkret angehen

Ganz oben auf der Agenda des Bürgermeisters steht die Schaffung eines neuen Flächennutzungsplans für die Gemeinde. Das bestehende Dokument, so Martolock, habe während der vergangenen 20 Jahre als gute Grundlage für die städtebauliche Entwicklung gedient. Nun gelte es, unter Beteiligung der Einwohner ein neues, zukunftsfähiges Konzept zu erarbeiten.

Darüber hinaus müsse der stark vom Borkenkäferbefall beanspruchte Kommunalwald für die Bewirtschaftung durch die nächsten Generationen umgebaut und mit ausreichend langem Atem ein tragfähiges Plus-Bus-Konzept umgesetzt werden.

Auch für die Struktur seiner Verwaltung hat Cunewaldes Bürgermeister große Pläne. Ihr steht der Generationenwechsel bevor. Ob Thomas Martolock nach dem Ende dieser Amtszeit in sieben Jahren selbst noch einmal mit einer Wiederwahl liebäugelt, lässt er sich bislang offen, spricht aber mit Verweis auf seinen erst 29-jährigen Kämmerer Adrian Reinke davon, den "nächsten Führungskader" aufbauen zu wollen. "Es darf auf keinen Fall ein Führungsloch entstehen", betont Martolock.

Das wünscht er sich von Gemeinderat und Bürgern

Um seine Erwartungen an die Mitglieder des Gemeinderates und die Einwohner Cunewaldes zu formulieren, greift Thomas Martolock zum Märchenbuch. Aus sieben Überlieferungen leitet der Bürgermeister seine Apelle ab, spricht davon, dass er auf Ehrlichkeit hofft, und formuliert die Bitte, nicht alles in Frage zu stellen, was bislang gut funktioniert habe, und sich umfassend über gesellschaftliche Vorgänge zu informieren.

Dabei blickt der Bürgermeister sowohl auf die AfD-Fraktion in seinem Gemeinderat, mit der es zuletzt wegen der städtebaulichen Entwicklung der Kommune und der Ansiedlung eines Tattoostudios aus dem rechten Umfeld von Rapper Chris Ares Unstimmigkeiten gegeben hatte. Er blickt aber auch auf die Proteste entlang der B 96, wo sich insbesondere in Weigsdorf-Köblitz sonntags viele Menschen versammeln.

"Auch die Arbeit eines Bürgermeisters wird politischer", betont Martolock, der sich bereits in der Vergangenheit immer wieder besorgt über neurechte Strukturen in Cunewalde geäußert hatte. Im Hinblick auf kommende Veranstaltungen im Gemeindegebiet kündigt er an, bei solchen Anlässen die Oberlausitz nur noch dann nach außen zu vertreten, wenn sie sich dabei weltoffen zeige.

Viel lieber aber, auch das betont er, wolle er sich auf Sachthemen konzentrieren. Die, so Martolock, "kann man nicht jedes Mal aus der großen Politik begründen". Es gehöre zu einer Demokratie, dass gelegentlich Meinungen aufeinanderklatschen. Wichtig sei ihm dabei, dass das Abstimmungsverhalten im Gemeinderat kalkulierbar sei.

Das sind Martolocks Befürchtungen

Zuallererst sorgt sich Martolock um die Finanzkraft der Kommune: Zwar sei der politische Wille da, kleinere Städte und Gemeinden einsatzfähig zu halten, das Geld werde aber infolge der Corona-Krise knapp.

Darüber hinaus seien die "Reserven, die der Freistaat hatte, in den letzten Jahren teilweise für Mist aufgebraucht" worden. Als Folge drohten weniger Zuweisungen oder die Halbierung der Gewässerpauschale. Auch die Gelder für den sächsischen Mitmachfonds stünden auf der Kippe. Um hier als Region bestehen zu können, baut Martolock auf mehr kommunale Zusammenarbeit. "Da wird noch sehr viel an kritischen Gesprächen zu führen sein", kündigt er an.

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