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PLUS Bautzen

In 30 Minuten von Bautzen nach Dresden

Was bei der Bahn lange unmöglich schien, könnte bis 2030 Realität werden. Denn für besseren Nahverkehr in der Oberlausitz fließen jetzt Millionen.

Schneller mit dem Zug von Bautzen nach Dresden, das wünschen sich vor allem Pendler. In den nächsten Jahren könnte das Realität werden.
Schneller mit dem Zug von Bautzen nach Dresden, das wünschen sich vor allem Pendler. In den nächsten Jahren könnte das Realität werden. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wie ein Pfeil zischt der neue Elektrozug aus dem Bautzener Bahnhof. Etwa eine halbe Stunde später erreicht der Zug den Dresdener Hauptbahnhof. Unterwegs hat er unter anderem in Radeberg gehalten. Dort wartete schon der - ebenfalls elektrisch angetriebene - Anschlusszug in Richtung Kamenz und Hoyerswerda. Überall an der Strecke sorgt der moderne Elektrozug aus dem Bautzener Waggonbauwerk für Aufsehen. Ab sofort wird dieser Zug zwischen Dresden und Görlitz pendeln und dazu genau 57 Minuten brauchen. Sein Diesel-Vorgänger war rund 80 Minuten unterwegs.

Wir schreiben den 3. Oktober 2030. 40 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung beginnt auf der Bahnstrecke Dresden-Görlitz ein neues Zeitalter, das elektrische. Lange genug hat's gedauert. Mit im Premiere-Zug sitzt der Ruheständler Hans-Jürgen Pfeiffer, einst Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon). Und er erinnert sich an einen Satz, den er 2020 gesagt hatte: "Wir können heute Visionen haben, an die wir vor fünf Jahren überhaupt nicht zu denken wagten."

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Drei Bahnstrecken werden elektrisch

Die Fahrt im Elektro-Zug ist heute, im Herbst 2020, nur eine Vision, aber den Satz hat Hans-Jürgen Pfeiffer wirklich gesagt. Er denkt da zunächst an die Bahnstrecke Dresden-Görlitz. Ausbau und Elektrifizierung stehen in einem Gesetz, an das vor fünf Jahren wirklich noch nicht zu denken war: im Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen. Bundestag und Bundesrat haben es im Juli dieses Jahres verabschiedet. Es sichert der Lausitz milliardenschwere Investitionen zu, um den Ausstieg aus der Braunkohle bis 2038 abzufedern.

Konkret nennt das Gesetz drei Großprojekte auf der Schiene: den Ausbau und die Elektrifizierung der Strecken Berlin-Cottbus-Görlitz, Dresden-Bautzen-Görlitz und Dresden-Kamenz-Hoyerswerda. Zwischen Berlin und Görlitz und eventuell weiter nach Breslau sollen Intercity-Expresszüge (ICE) fahren. Weil dann auch zwischen Dresden und Görlitz schnellere Züge rollen, bestehen in der Neißestadt bessere Umsteigemöglichkeiten von und nach Cottbus und Berlin. Zurzeit ist es so: Auf dem einen Görlitzer Gleis fährt gerade der Zug aus Dresden ein, auf dem anderen der nach Cottbus ab.

Neues Denken in der Verkehrspolitik

Ohne Geld geht es nicht, aber Projekte wie diese brauchen noch eine andere Voraussetzung: ein Umdenken in der Verkehrspolitik. Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) bringt das so auf den Punkt: "In den 1960er-Jahren wurde in der alten Bundesrepublik beschlossen, nur noch das Nötigste ins Schienennetz zu investieren. Dieser Fehler wurde nach 1990 im Osten wiederholt. Aber ich erkenne da gerade ein neues Denken."

Dieses neue Denken zeigt sich auch darin, dass eine Bahnstrecke ausgebaut werden soll, die gar nicht im Strukturstärkungsgesetz steht. Noch vor wenigen Jahren galt Dresden-Königsbrück als Stilllegungskandidat. Jetzt wurde dort ein Zug mit einer Elektrobatterie getestet. Auch als mögliche Strecke für Wasserstoffzüge ist Dresden-Königsbrück im Gespräch. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) testet hier mehrere Möglichkeiten und will dann entscheiden, welche Züge perspektivisch hier rollen - zwischen Dresden und Ottendorf-Okrilla sogar im Halbstunden-Takt.

Freistaat gibt Geld für Plusbusse

Inzwischen scheint nichts mehr unmöglich, deutet Zvon-Geschäftsführer Pfeiffer an. Auch nicht die Wiederinbetriebnahme von Bahnstrecken. Kamenz-Hoyerswerda steht schon fest, aber auch, dass zwischen Bautzen und Wilthen eines Tages wieder Züge rollen könnten, erscheint nicht mehr als Utopie.

Bautzens Oberbürgermeister würde sich auch einen Neuaufbau der Strecke nach Hoyerswerda und weiter nach Cottbus wünschen. Aber der einst  im Volksmund Sorben-Express genannte Zug bräuchte zwischen Bautzen und Hoyerswerda erst wieder ein Gleis. "Es war ein Fehler, die Strecke stillzulegen, die Gleise abzubauen und die Grundstücke zu verkaufen", sagt Ahrens.

Fährt hier irgendwann wieder ein Zug? Die Strecke von Bautzen nach Wilthen ist seit 2007 stillgelegt - und mittlerweile wie hier bei Großpostwitz ziemlich zugewachsen.
Fährt hier irgendwann wieder ein Zug? Die Strecke von Bautzen nach Wilthen ist seit 2007 stillgelegt - und mittlerweile wie hier bei Großpostwitz ziemlich zugewachsen. © SZ/Uwe Soeder

Neue Visionen sind auch für den Busverkehr möglich. Ein Beispiel zeigt, wie schnell das gehen kann: Noch vor einem halben Jahr fuhren am Wochenende zwischen Bautzen und Weißenberg keine Busse. Jetzt rollen Plusbusse sonnabends im Zwei-Stunden-Takt, sonntags gibt es vier Verbindungen. Bautzen-Weißenberg ist eine von derzeit sieben Linien, auf denen im Landkreis Bautzen Busse mit dem Plus hinter der Frontscheibe fahren. Möglich sind Plusbusse, weil der Freistaat Sachsen pro Kilometer 1,80 Euro zuschießt.

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