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So soll Lausitzer Fisch bekannter werden

Vor allem junge Leute kennen kaum Karpfen und Co. Fischwirte und Vermarkter lassen sich einiges einfallen, um das zu ändern - stoßen dabei aber an Grenzen.

Teichwirt Karten Ringpfeil aus Königswartha fing im September diesen prächtigen Karpfen. Über den schwimmenden Reichtum der Lausitz ist zu wenig bekannt, das soll sich ändern.
Teichwirt Karten Ringpfeil aus Königswartha fing im September diesen prächtigen Karpfen. Über den schwimmenden Reichtum der Lausitz ist zu wenig bekannt, das soll sich ändern. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Tante Carola hat den Karpfen immer gebacken, so dass er schön knusprig auf den Tisch kam. Wie sie das gemacht hat, steht auf der Internetseite der Lausitzer Fischwochen. Die sind zwar in diesem Jahr vorbei, aber das Rezept bleibt. Überhaupt soll es auf www.lausitzer-fischwochen.de jetzt häufiger Rezepte mit heimischem Fisch geben, verrät Lisa Willenberg von der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien (MGO).

Die Rezepte sind nur Teil eines ganzen Pakets von Ideen, die Karpfen, Hecht und Co. aus der Lausitz bekannter machen sollen. Ein Fischereihof zum Puzzeln soll bald zu haben sein. Die Naturschutzstation Neschwitz packt ab 2021 für Interessierte einen Koffer voller Informationen über Fische und Fischwirtschaften. Fischwirt Armin Kittner in Petershain baut Blockhütten, von denen aus sich Kurzurlauber auf die Spuren des schwimmenden Reichtums der Lausitz begeben können. Am Erlichthof bei Rietschen entsteht ein Fischerei-Erlebnispfad. Und die MGO will auf ihrer Internetseite künftig buchbare Angebote rund um das Thema Fisch sammeln.

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Totalausfall in einigen Teichen

"Die Generation unter 35 weiß kaum etwas über unseren gesunden heimischen Fisch", bedauert Lisa Willenberg. Aber das soll sich ändern.

Die mangelnde Bekanntheit der hiesigen Schuppentiere ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Fischwirte und Vermarkter herumschlagen. Zwei weitere bringt Bernd Lange zur Sprache, Präsident des sächsischen Landesfischereiverbandes und Görlitzer Landrat: den Klimawandel und die fehlende Unterstützung durch die Bundes- und Landespolitik.

Nach mehreren trockenen Jahren stand in diesem Sommer kaum noch Wasser in den Teichen, die keinen natürlichen Zufluss haben, also auf Regen angewiesen sind. Anders die Situation in den Teichen, die sich aus einem oder mehreren Bächen speisen. Fischwirt Armin Kittner bilanziert das Jahr 2020 so: "Teils gab es einen Totalausfall, teils ordentliche Ergebnisse."

Fischräuber plündern flache Teiche

In flachen Teichen mit wenig Wasser haben wiederum Fischräuber leichtes Spiel. Und davon tummeln sich in der Lausitz eine ganze Menge: Kormoran, Fischadler, Graureiher, Fischotter und viele mehr. "Wir sind regelrecht umzingelt", ärgert sich Bernd Lange. Und was ihn daran am meisten ärgert: Fischräuber gehören teils geschützten Arten an, die nicht gejagt werden dürfen. Der Landesfischerei-Präsident spricht sich für eine "maßvolle Entnahme" von Räubern aus - sprich: für Abschuss.

Das Problem ist nicht neu, schon vor 25 Jahren brachte es der Deutsche Fischereitag in Bautzen zur Sprache. Die damalige Bundesumweltministerin, eine gewisse Angela Merkel, nahm das Thema mit nach Berlin. Passiert ist seitdem nicht viel im Interesse der Fischer. "Die Frage ist doch: Füttern wir die Fische nur als Futter für andere Tiere?", erbost sich Lange. "Die heimischen Fischer wollen als Nahrungsmittelproduzenten anerkannt werden und nicht als Futterkapazität!"

Gestiegene Nachfrage in Hofläden

Corona hat den Fischwirten weniger zu schaffen gemacht als die Trockenheit. Zwar konnten die Produzenten zeitweise Gaststätten und Marktstände nicht beliefern, Fischerfeste wurden abgesagt. Andererseits verbrachten mehr Menschen den Urlaub zu Hause und kauften auch hier ein.

Andreas Stummer, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, beobachtete eine steigende Nachfrage in Hofläden. Sachsens Binnenfischer ernteten in diesem Jahr insgesamt etwa 1.500 Tonnen Schuppentiere, etwas weniger als 2019. Es gibt aber allemal genug Tiere, die so gebacken werden können, wie es Tante Carola konnte.

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