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Bautzens beste Bratwurst

Eine Jury hat gestern die drei leckersten Würste des Wenzelsmarktes gekürt. Die Entscheidung fiel klar aus.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Nach der fünften Bratwurst lehnt sich Peter Scapan in seinem Stuhl zurück. „So langsam tritt das Sättigungsgefühl ein“, stöhnt der Bautzener. Doch unbeirrt davon kostet er auch noch die drei restlichen Würste. Seine Mitstreiter in der Jury halten ebenfalls tapfer durch, als gestern zum zweiten Mal die besten Bratwürste des Bautzener Wenzelsmarktes gekürt werden. Nachdem es im Vorjahr eine geheime Kommission gab, hat die Stadt diesmal eine internationale Tafelrunde einberufen. Sie soll eigentlich aus lauter Gastronomen bestehen, die in Bautzen internationale Küche anbieten. Doch die Tschechin und der Inder sind krank geworden, und der Anbieter russischer Spezialitäten ist anderweitig verhindert. Auf ihren Stühlen nehmen kurzerhand Bautzener und Besucher des Weihnachtsmarktes Platz.

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Von den acht Bratwurstständen, die es auf dem diesjährigen Wenzelsmarkt gibt, werden die frisch gebratenen Würste in Thermokisten herangeholt und nacheinander serviert, ohne dass die Tester erfahren, welches Exemplar woher kommt. Dazu gibt es Weißbrot, aber weder Senf noch Ketchup, damit nichts vom eigentlichen Geschmack ablenkt. Manche Würste verschwinden fast ganz in den Mündern der Tester, von anderen wiederum bleibt viel übrig. Ein Exemplar schiebt der Italiener Cosimo Arca gleich nach dem ersten Biss weit von sich. „Uuuh, diese Wurst ist viel zu weich und kaum gewürzt“, kommentiert er und hält daraufhin konsequent das Kärtchen mit der Eins hoch, der niedrigsten Punktzahl. Den Höchstwert von sechs Punkten vergeben die Tester sehr selten. Nur für zwei Würste werden überhaupt Sechser-Werte auf der großen Tafel vor der Bühne auf dem Hauptmarkt notiert. Nach dem Zusammenzählen gibt es einen klaren Sieger. Die meisten Punkte – 26 – heimst die Bratwurst von Gittis Grillhütte ein.

Dieter Rachlitz aus Crostau, der dort am großen runden Holzkohlegrill steht, gewann schon voriges Jahr den Wettbewerb. Seine Würste müssen also wirklich ganz besonders gut sein, wenn zwei völlig unterschiedliche Testerteams zum gleichen Ergebnis kommen. Dafür spricht auch, dass seine Frau Brigitte, die mit einem extra Stand auf dem Wenzelsmarkt vertreten ist, für ihre Würste diesmal die zweithöchste Punktzahl bekommt. Sie sind mit der gleichen Masse gefüllt wie die Sieger-Exemplare, aber kleiner. Ein Geheimnis für den Erfolg gebe es nicht, sagt Dieter Rachlitz und fügt schmunzelnd an: „Es ist wie in der Ehe, man muss viel Liebe dazu tun.“ Ein Geheimnis macht das Paar allerdings um die Herkunft ihrer Würste. „Das wird nicht verraten“, sagt Brigitte Rachlitz, die die Chefin des Unternehmens ist. Ihre Speisen verkaufen die Crostauer jedes Jahr an 27 Stellen, unter anderem auf dem Jacobimarkt in Neugersdorf, beim Elbhangfest in Dresden und beim Radebeuler Weinfest.

Künftig kann nicht nur der gelernte Traktoren- und Landmaschinenschlosser und jetzige Rentner Dieter Rachlitz seinen Stand mit einer Urkunde schmücken, die seine Würste als Wenzels Beste ausweist, sondern ebenso seine Frau. Auch der Drittplatzierte des gestrigen Wettbewerbs – Tamas Gaspar vom Bistro Adria – bekam so ein Zertifikat überreicht.