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Bayerns Linke mit guten Chancen auf Einzug in den Landtag

Die roten Revoluzzer wollen das CSU-Land bunter machen und freuen sich auf eine zweite Revolution.

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Von Dorothea Hülsmeier

Für die bayerische Linke könnte der Traum vom Einzug in den bisher CSU-dominierten Landtag wahr werden. Nachdem sie im Westen bereits in die Parlamente in Bremen, Hamburg, Hessen und Niedersachsen gewählt wurde, könnte sie Umfragen zufolge aus dem Stand heraus auch den Sprung ins Maximilianeum schaffen.

„Das wäre eine zweite Revolution in Bayern nach der Münchner Räterepublik“, sagt der oberbayerische Spitzenkandidat Fritz Schmalzbauer schmunzelnd. Einen landesweiten Spitzenkandidaten hat die Linke nicht aufgestellt. In jedem der sieben Regierungsbezirke gibt es jeweils einen Spitzenkandidaten. Doch der Hobby-Pilot Schmalzbauer, der mit seinem Feriendomizil im südfranzösischen Arles nicht unbedingt dem Klischee der Protestpartei entspricht, ist so etwas wie der Frontmann, da er die Liste im bevölkerungsreichen Oberbayern anführt.

In Festzelten, wo bei Leberkäs und Weißbier weiß-blaue Glückseligkeit beschworen wird, findet man die Wahlkämpfer der Linken nicht. Sie gehen auf die Straßen und diskutieren mit den Menschen, die sich als Verlierer der rot-grünen „Agenda 2010“ und der Hartz-Reformen sehen. Für alle Fälle hat Schmalzbauer auch seine Gitarre dabei. Einen Kulturstammtisch organisiert der 61-jährige gelernte Buchdrucker, Diplom-Sozialökonom und Gewerkschaftsfunktionär. Da singt er dann gern das Spottlied auf die Sozialdemokratie „War einmal ein Revoluzzer“, das der Anarchist Erich Mühsam vor bald 100 Jahren komponiert hatte.

Bayerns SPD-Landtagsfraktionschef Franz Maget hat eine Kooperation oder gar Koalition mit der Linken im Freistaat bereits kategorisch ausgeschlossen. Die Linke nimmts gelassen. „Maget kommt gar nicht in die Gefahr, über uns eine Koalitionsaussage zu machen“, sagt die mittelfränkische Spitzenkandidatin Anny Heike. „Da müsste die SPD in Bayern ja über 30 Prozent kommen.“ Bayerns Linke wolle vorerst gar nicht regieren, sondern den Landtag bunter machen, sagt Heike. In den Reihen der Protest- und Nichtwähler will die Linke Stimmen sammeln – in Großstädten wie München und Nürnberg, aber auch in den ärmeren Randgebieten des Freistaats.

Pferdefuß für die Linke ist, dass sie im konservativen Bayern unter Beobachtung des Verfassungsschutzes steht – „politisch ein Skandal“, meint Schmalzbauer. Das lässt ihn aber letztlich ungerührt. Immerhin habe die Partei seit der Fusion im vergangenen Sommer fast 1000 Mitglieder gewonnen und zähle nun rund 2800 Mitglieder. (dpa)