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Beeindruckende Bäume der Sächsischen Schweiz

Die Marktlinde in Hohnstein ist erst mal Geschichte. Wo sonst noch spektakuläre Bäume wachsen, steht in einem Buch.

© Dirk Zschiedrich

Von Gunnar Klehm und Anja Weber

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Sächsische Schweiz. Die Trauer war bei einigen groß, als die Hohnsteiner Marktlinde fiel. Einwohner Karl Pavlicek der bei seinen Stadtführungen mit dem Hohnsteiner Kasper an der Winterlinde immer innegehalten hatte, kämpfte bis zuletzt für den Erhalt. Sogar die Burg lebe erst mit dem Baum, sagte er. Er hatte auch eine Idee, wie das Geld für die weitere Pflege des alten Baumes aufgebracht werden könnte. „Wir sollten für den Erhalt der Linde um Patenschaften werben und im Sommer ein Lindenfest feiern“, sagt er und zitierte noch einen Spruch, den er immer von seinem Opa gehört habe: „Eine Stunde Schlaf unter einem Lindenbaum verlängert das Leben um ein Jahr.“

Mit solchen Karten ist in der Nationalparkverwaltung die Verbreitung verschiedener Baumarten dokumentiert – hier die Standorte der Winterlinde. © Grafik: Nationalparkverwaltung

Doch der Zustand des Baumes war marode, wie ein Gutachten zeigte. Die Linde ist inzwischen weg. Bei den Fällarbeiten wurde festgestellt, dass der Stamm bis zum Wurzelansatz hohl war. Damit wäre die Linde früher oder später umgestürzt und hätte möglicherweise größeren Schaden angerichtet und nicht nur drei Autos unter sich begraben wie beim Sturm am 8. Oktober 2017. Um das Schläfchen unterm Lindenbaum muss den Hohnsteinern indessen nicht bange sein. Im Herbst wird eine neue Winterlinde gepflanzt. Dafür hatte sich ein anonymer Sponsor gefunden.

Wie alt können Linden hier in der Region eigentlich werden? Jahrelang hat Holm Riebe alle Informationen gesammelt, die er über die größten Bäume in der Sächsischen Schweiz ergattern konnte. Bei den Winterlinden hat er nun einen klaren Favoriten. „Schmidts Linde in Ottendorf ist die schönste“, sagt er. Der Referent für Arten- und Biotopschutz in der Nationalparkverwaltung kommt regelrecht ins Schwärmen. Mit einem Stammdurchmesser von 1,78 Meter und einer Höhe von rund 27 Metern gehört sie zu den größten Linden. „Auch was seinen Standort betrifft, ist er vielleicht der beeindruckendste Baum in der Sächsischen Schweiz“, sagt Riebe. Von der Endlerkuppe kann man auf den Baum und in die Landschaft schauen. Verschiedene Felsformationen, Tafelberge und Hügel umrahmen so Schmidts Linde. Folgerichtig wurde der Baum als Naturdenkmal eingestuft. „Seine Größe merkt man erst richtig, wenn man davor steht“, sagt Riebe.

Premiere in Bad Schandau

Das Alter der Linde wurde auf rund 300 Jahre geschätzt. Der Name Schmidt geht auf den früheren Besitzer zurück. Winterlinden, die die Landschaft prägen, stehen auch an der Ostrauer Scheibe und in Kleinhennersdorf. Beeindruckend seinen auch die Linden-Rundteile in Altendorf, hier stehen sechs alte Exemplare, und an der Hocksteinschänke. Dort stehen neun Bäume. „Auch am Schneckenberg bei Ulbersdorf stehen markante Linden“, sagt Riebe. Sie wurden einst als wichtige Schattenspender gepflanzt, aber auch als Blitz- und Feuerschutzbaum zwischen den Häusern. Der nachgewiesen älteste Baum der Sächsischen Schweiz ist die Riesenfichte im Kirnitzschtal. Der 62 Meter hohe Baum ist knapp 400 Jahre alt. Das hat die Analyse einer Bohrung ergeben. Der älteste Buchenbestand der Sächsischen Schweiz wächst seit 259 Jahren am Kleinen Winterberg. „Im Landkreis sind nur die Buchen am Windberg in Freital älter“, erklärt Riebe. In der Regel werden Nadelbäume älter als Laubbäume. Charakteristisch fürs Elbsandsteingebirge sind auch die Riff-Kiefern auf den Felsplateaus. Über den Richterschlüchten lebt seit 125 Jahren eine Kiefer, die nur 3,50 Meter hoch ist und einen Stammdurchmesser von nicht mal zehn Zentimetern hat. Die älteste bekannte Kiefer steht auf den Thorwalder Wänden und ist 311 Jahre alt. Die mit 44,5 Metern höchste Kiefer steht oberhalb der Gaststätte Polenztal, nahe der Serpentinen.

Das alles hat Holm Riebe auch in seinem Buch „Die Farn- und Blütenpflanzen der Sächsischen Schweiz“ aufgeschrieben. Es beinhaltet 400 Karten, die die Verbreitung von Pflanzen zeigen und etwa 300 Fotos. Die Buchpremiere mit Vortrag gibt es am 15. März, 18 Uhr, im Nationalparkzentrum Bad Schandau, Dresdner Straße 2b.