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Bei Honeckers im Atomschutzbunker

Für drei Monate ist der unterirdische Zufluchtsort des DDR-Staatschefs jetzt erstmals zugänglich.

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Von Sven Kästner, Prenden

Erich Honecker hätte keinen weiten Fluchtweg gehabt. 50 Kilometer nördlich von Berlin, sogar nur fünf vom einstigen Wohnsitz des DDR-Staats- und Parteichefs in Wandlitz entfernt liegt Prenden. In einem dichten Kiefernwald hinter dem kleinen Dorf war zwischen 1978 und 1983 ein riesiger Atombunker für ihn und den engsten DDR-Führungszirkel eingerichtet worden.

Von der hermetisch abgeschlossenen Anlage aus sollten die obersten SED-Genossen im Falle eines westlichen Atomschlages die Verteidigung lenken. Fast 19 Jahre nach dem Mauerfall ist das einst streng geheime Bauwerk ab Samstag erstmals öffentlich zugänglich.

Honecker selbst hat das gigantische Betonverlies in bis zu 30 Metern Tiefe nur einmal zwei Stunden lang besichtigt, zur Fertigstellung im Dezember 1983. Besser als der 1994 verstorbene SED-Generalsekretär kennt sich mittlerweile Hannes Hensel vom Berliner Bunker-Netzwerk (BBN) in dem Bau aus. Seit gut zwei Jahren klettert der Panoramafotograf durch die drei Bunkeretagen, um jeden der etwa 300 Räume mit seiner Kamera zu dokumentieren.

„Zur Bauzeit war dies das aufwendigste Schutzbauwerk des Warschauer Vertrages außerhalb der Sowjetunion“, sagt Hensel. Die Anlage steht seit einigen Jahren unter Denkmalschutz. Beeindruckend sind die schieren Dimensionen des Zeugnisses aus dem Kalten Krieg. „Allein der verbaute Beton würde heute etwa 2,5 Millionen Euro kosten“, schätzt Hensel. Das 66 mal 49 Meter breite und 23,5 Meter hohe Bauwerk steht auf einer 2,4 Meter dicken Bodenplatte. Die obere Decke, die sogenannte Zerschellschicht, besteht aus bis zu 3,8 Meter dickem Beton.

Zweistündige Führungen

Bis zu 400 Menschen – neben dem Nationalen Verteidigungsrat vor allem Personal – sollten in dem Bunker 14 Tage lang überleben können. Dafür waren eine eigene Wasseraufbereitung aus einem Brunnen, Luft- und Stromversorgung, Klimaanlagen, ein medizinischer Bereich mit Operationsraum, eine Großküche und ein Dekontaminationsbereich eingebaut worden.

Riesige Kompressoren und fünf 3000 Liter Druckluft fassende Tanks sollten für einen ständigen Überdruck im Inneren sorgen, damit keine Gase von außen eindringen konnten. Nach 14 Tagen, so sah es der Plan vor, sollte die DDR-Führung den Bunker per Auto verlassen und vom nächsten funktionierenden Flughafen aus in Richtung Moskau ausgeflogen werden. Eine riesige Telekommunikationsanlage sorgte für Kontakte mit dem gesamten Ostblock.

Bis Ende 1989 hielten etwa 30 Angehörige der Staatssicherheit den Bunker rund um die Uhr in Betrieb. Nach der Wiedervereinigung zog die Bundeswehr ein, die noch bis 1993 die Kommunikationszentrale nutzte. „Dann hat die Bundeswehr den Zugang zubetoniert“, berichtet Hensel. Nun steht er noch einmal offen. Bis Ende Oktober gibt es täglich zweistündige Führungen für stolze 20 Euro pro Person. Anschließend soll die Anlage dann dauerhaft verschlossen werden. „Es gibt leider kein tragfähiges Konzept, um das Bauwerk als Museum zu betreiben. Das wäre zu teuer“, sagt Hensel. (AP)