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Bekommt Döbeln wieder Anschluss?

Die Reaktivierung der Bahnstrecke 110 wird nicht nur in der Region diskutiert. Auch die Landkreisnachbarn sind dafür.

Von Verena Toth
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Die Döbelner wünschen sich wieder eine durchgängige Zugverbindung nach Dresden. Unterstützung kommt dafür nun auch aus dem Nachbarlandkreis.
Die Döbelner wünschen sich wieder eine durchgängige Zugverbindung nach Dresden. Unterstützung kommt dafür nun auch aus dem Nachbarlandkreis. © Dietmar Thomas

Döbeln. Tarifdschungel, Umsteigechaos, Bummelzüge – Wer mit dem Zug von Döbeln nach Dresden reisen oder gar zur Arbeit pendeln möchte, braucht starke Nerven, viel Zeit und detektivisches Gespür. Für die Strecke gibt es drei unterschiedliche Tarifvarianten mit drei unterschiedlichen Preisen. Erschwerend hinzu kommt noch, dass vor drei Jahren die traditionsreiche Direktverbindung der Regionalbahn 110 von Döbeln nach Meißen eingestellt worden und die Verbindung in die Landeshauptstadt nur über den Umweg Riesa möglich ist. Seither hoffen und wünschen sich Bürgermeister und Einwohner der Döbelner Region eine Reaktivierung der Strecke. Die Zeichen dafür, dass das bald möglich sein könnte, scheinen nun so gut wie lange nicht zu stehen.

Denn mit der Verabschiedung des sächsischen Rekordhaushalts für die kommenden beiden Jahre steht nun fest, dass mit 1,5 Milliarden Euro so viel Geld wie noch nie in Bus und Bahn investiert werden soll. „Ich möchte, dass diese Verbesserungen auch in Mittelsachsen und der Region Döbeln ankommen“, erklärt dazu der mittelsächsische SPD-Landtagsabgeordnete Henning Homann. „Wir setzen als Freistaat ein klares Signal: wir wollen die Zugverbindung Döbeln – Dresden und wir leisten mit insgesamt fünf Millionen Euro unseren Beitrag dazu. Jetzt kommt es auf die Verkehrsverbände an“, erläutert Homann.

Aber auch die Landkreise müssen sich positionieren. Mittelsachsen stehe grundsätzlich der Wiederbelebung der Regionalbahn-Strecke offen gegenüber, heißt es aus dem Landratsamt in Freiberg. „Wichtig ist, dass eine Betreibung mit schnelleren Reisezeiten attraktiv und wirtschaftlich dargestellt werden kann sowie auch die Finanzierung dauerhaft gesichert ist“, so die Landkreisverwaltung. Intensiv wurde das Thema auch im benachbarten Landkreis Meißen in der jüngsten Sitzung des Kreistages diskutiert. Auch dort werden Stimmen für eine Reaktivierung des Regionalexpresses 110 lauter. Die Mehrheit der Abgeordneten stimmte einem Antrag der Linken, SPD, Grünen und Piraten zu, mit dem die Rückkehr von Personenzügen auf die Strecke von Meißen über Nossen nach Döbeln geprüft werden soll.

Der mittelsächsische Grünen-Abgeordnete Sebastian Walter brachte unterdessen eine weitere Verbindungsvariante in Richtung Leipzig für die Döbelner ins Gespräch. Er sagte anlässlich des fünften Jubiläums der Einweihung des Leipziger Citytunnels und des neugeordneten S-Bahn-Systems im Raum Leipzig-Halle/Mitteldeutschland: „Das massive Wachstum des S-Bahn-Verkehrs im Raum Leipzig zeigt, dass es richtig war, auf den Ausbau der S-Bahn zu setzen. Die Städte und Gemeinden entlang der S-Bahn haben ihre Bevölkerungsentwicklung zum Positiven umkehren können. Fünf Jahre nach dem ersten Schritt ist klar, dass die Zeit für den nächsten großen Schritt gekommen ist: nämlich für den in Richtung Döbeln“.

Die Gelegenheit für einen Anschluss der Strecke von Leipzig über Grimma nach Döbeln an die S-Bahn sei gerade ideal. Noch ist das S-Bahn-Netz in Richtung Südosten unvollständig und der Bund legt in diesen Monaten ein Elektrifizierungsprogramm für bedeutende unelektrifizierte Bahnstrecken auf. Der Landkreis Mittelsachsen sollte daher die Chance nutzen, die Region zwischen Leisnig und Döbeln in den nächsten Jahren an die S-Bahn anzuschließen, so Walter. Mit einem Anschluss der Region an die S-Bahn sei eine deutliche bessere Bevölkerungsentwicklung als in den vergangenen Jahren zu erwarten. Der Abgeordnete forderte CDU-Landrat Matthias Damm dazu auf, jetzt die Weichen dafür zu stellen, dass auf dieser Achse künftig die S-Bahn Fahrt aufnehmen kann. Mit der Elektrifizierung der Bahnstrecke Borsdorf – Grimma – Döbeln wäre mit Fortsetzung der Linien ein Halbstunden-Takt umsetzbar.

Doch die Reaktivierung von Strecken allein reicht nicht, führt Homann weiter aus. „Ein attraktiver ÖPNV braucht einen einheitlichen Sachsentarif und ein Bildungsticket. Die Grenze zwischen den Verkehrsverbünden ist für den überregionalen Bus und Bahnverkehr oft wie eine gläserne Wand“, so Homann. Eine Landesverkehrsgesellschaft, wie sie der sächsische Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) nun gründen will, sei eine große Chance für ganz Sachsen, so der SPD-Abgeordnete. Mit der Landesverkehrsgesellschaft soll künftig nur noch ein einheitliches Tarifnetz im gesamten Freistaat gelten. Widerstand gibt es jedoch von den Landkreisen. Meißens Landrat Arndt Steinbach (CDU) erteilte diesen Plänen bereits eine Absage. Landrat Damm wolle zunächst abwarten, bis der Antrag des Landes-SPD geprüft sei.