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Bekommt See einen Solarpark?

Eine Nieskyer Kiesgrube könnte bald Strom liefern. Dafür muss der Investor aber noch Steine aus dem Weg räumen.

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© André Schulze

Von Alexander Kempf

Max Huber hat im Technischen Ausschuss am Montagabend den vermutlich längsten Anreiseweg hinter sich. Beinahe 600 Kilometer liegen zwischen Niesky und Ludwigshafen, dem Sitz von Pfalzsolar. Der Leiter Projektentwicklung hat sich dennoch auf die lange Reise in die Oberlausitz gemacht. Er möchte die Nieskyer Stadträte davon überzeugen, einem Solarpark im Nieskyer Ortsteil See zuzustimmen. In der Kiesgrube an der Bundesstraße 122 will das Unternehmen aus Rheinland-Pfalz auf einer Fläche von 5,3 Hektar Solarmodule aufstellen.

Die Kiesgrube gehört zur Ulmer Heim-Gruppe. Mit der ist sich der Investor schon einig. Beide haben bereits an anderer Stelle zusammengearbeitet. Nun würden sie gerne in Niesky bis zu 3,2 Megawatt ins Netz einspeisen. Doch dafür braucht es zunächst den Segen der Stadträte. Und die hinterfragen die ihnen vorgelegten Pläne durchaus kritisch. „Ist dafür Waldeinschlag nötig?“, will beispielsweise Stadtrat Hartmut Schuster aus See wissen. Die Frage erscheint berechtigt, denn auf einer den Stadträten vorgelegten Karte liegt mehr als die Hälfte des geplanten Solarparks auf Waldgebiet.

Doch das ist dem alten Kartenmaterial geschuldet, erklärt Michael Meißner vom Planungsbüro Baukonzept aus Neubrandenburg. Der Wald ist längst dem Tagebau gewichen, muss aber selbstverständlich wieder aufgeforstet werden. „Das soll nun an anderer Stelle erfolgen“, sagt Michael Meißner. Doch die Frage der Renaturierung beschäftigt die Stadträte. „Wir haben ringsum Niesky schon viel Wald verloren“, sagt Peter Silbe. Darum will er wissen, wo genau die Aufforstung erfolgen soll. „Das wird in der Region sein“, sagt Projektentwickler Max Huber. Dazu sei das Unternehmen auch verpflichtet.

Die Stadtverwaltung bestätigt das. Laut der Leiterin für Technische Dienste liegen im Rathaus bereits Anträge zur Aufforstung mehrerer kleiner Flächen der Heim-Gruppe vor. Doch nicht nur neue Bäume sind den Stadträten wichtig. Sandro Simmank erkundigt sich etwa, ob die Kosten für einen Rückbau der Anlage gesichert sind. „Das ist kein Sondermüll“, stellt Max Huber dazu klar. Zum größten Teil werden Wertstoffe verbaut. „Das kriegt man mindestens umsonst zurückgebaut“, sagt er. Doch das sei ohnehin der unwahrscheinlichere Fall. Denn wenn einmal die Infrastruktur steht, erscheint ein „Empowering“ sinnvoller. Damit ist eine Aufrüstung der Anlage geplant.

Doch noch hat das Projekt nicht einmal die erste Hürde genommen. Ein entscheidender Knackpunkt ist die Frage, wo der erzeugte Strom ins Netz eingespeist werden soll. Hier wartet der Investor noch auf Rückmeldung von den Nieskyer Stadtwerken. Und dessen Geschäftsführer Holger Ludwig zeigt sich im Technischen Ausschuss auch nicht sehr optimistisch, dass der Solarpark eine Anbindung vor der Haustür erhält. Wahrscheinlicher erscheint ihm eine Einspeisung nahe dem Umspannwerk. Dafür müssten zunächst die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden. Die Kosten dafür trägt der Investor. Doch wenn die Leitung zu lang wird, rechnet sich das Vorhaben für ihn möglicherweise nicht.

„Ist es überhaupt sinnvoll das Verfahren weiterzutreiben, wenn die Einspeisung noch nicht geklärt ist?“, fragt daher Stadtrat Bernd Funke. Zumal in der Region schon ausreichend erneuerbaren Energie eingespeist werden. Doch Max Huber von Pfalzsolar bittet darum, das Vorhaben weiter voranzutreiben. „Auf unser Risiko hin“, sagt er. Das Unternehmen bemüht sich an verschiedenen Standorten um neue Flächen. Bisher hat es einen Eigenbestand von 15 Megawatt, hinzu kommen mehr als 100 Megawatt, für die Pfalzsolar den Service übernimmt. Im Jahr 2015 hat das Unternehmen so 42 Millionen Euro Umsatz erzielt. Es ist eine Tochter der Pfalzwerke AG, einem Energieversorger in Rheinland-Pfalz, der sich zu 75 Prozent in kommunaler Hand befindet.

Fließt der Gewinn des geplanten Solarparks also künftig nach Rheinland-Pfalz ab? Gewerbesteuer werde in Niesky gezahlt, antwortet Max Huber auf eine Nachfrage von Stadtrat Sandro Simmank. „In den ersten Jahren wird das aber schwierig“, sagt er. Stadtrat Peter Silbe interessiert, wer die Wartungsarbeiten für den Park übernehmen soll. „Kommen die aus der Region oder aus der Pfalz?“, fragt er. Hier setzt das Unternehmen auf kurze Anfahrtswege und Partner vor Ort. „Das können wir selbst gar nicht leisten“, sagt Max Huber.

Schon im Juni soll nun der Stadtrat entscheiden, ob er das Projekt befürwortet oder ablehnt. „Vom Stadtbild her ist es nicht schädigend“, sagt Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann. Denn die bis zu 2,6 Meter hohen Module würden in der Kiesgrube verschwinden und wären von der Straße aus nicht sichtbar.