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Benzin im Blut

An der B 170 in Bannewitz entsteht eine Motocross-Piste. Die Fahrer kämpfen für Tradition und gegen Zweifel.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

Am liebsten würde er sofort diesen Hügel dort nehmen. Für Tommys Crossmaschine wäre das bestimmt ein Leichtes. Doch Frank Zirnstein bremst den 13-Jährigen aus. „Wir können hier noch nicht fahren“, sagt der 61-Jährige und winkt den Jungen zurück. Zirnstein ist Chef des Motocross-Clubs Bannewitz.

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In ihren Konturen ist die neue Cross-Strecke an der B 170 vor den Toren Dresdens schon zu erkennen. Bis zum ersten Rennen aber ist noch einiges zu klären. Entlang der gut 800 Meter langen Piste, die sich auf einem etwa 30 000 Quadratmeter großen Areal im Norden von Bannewitz befindet, müssen noch Pfähle gesteckt, die Strecke umzäunt und das Fahrerlager hergerichtet werden. Und auch allerhand Papierkram gilt es noch zu wälzen, bevor am 23. September zum dritten Mal in Folge das riesige Motocross-Spektakel an der Bundesstraße stattfindet. Danach, so hoffen die Mitglieder des Motocross-Clubs Bannewitz, sind sie vielleicht sogar dauerhaft an diesem Platz, mit Trainings und allem Drum und Dran.

Das Comeback des Motocross-Sports spaltet Bannewitz. Seit Wochen sorgt das Projekt für hitzige Diskussionen. Einige Anwohner befürchten Dauerlärm durch Crossmaschinen, andere wiederum sehnen eine Wiederbelebung des Sports, der hier von 1966 bis zur politischen Wende Tradition war.

Einer von ihnen ist Daniel Reichel. Der 41-Jährige wohnt mit seiner Familie in Hänichen. Auch wenn die legendären Crossrennen in Bannewitz bereits Jahrzehnte zurückliegen, kann er sich noch genau an das alljährliche Spektakel erinnern, mehr noch. Bis 1990 fuhr er selbst in Bannewitz mit. „Angefangen hat es, als ich sechs Jahre alt war“, erzählt Daniel Reichel. Damals habe er die ersten Runden auf der Maschine „Marke Eigenbau“ seines Vaters mitgedreht und seither nie wieder aufgehört. „Ja, ich habe Benzin im Blut, und es wird immer schlimmer“, sagt er lachend.

Auch wenn die Cross-Tradition in Bannewitz zwischenzeitlich fast 30 Jahre ruhte, hat der Motorsport den jungen Mann nie losgelassen. Gemeinsam mit anderen Cross-Begeisterten, die er unter anderem von einer Simson-Rallye in Freiberg kannte, wuchs 2015 die Idee heran, den Sport wieder nach Bannewitz zu holen. Die Mission gelang. Um alljährlich ein Cross-Rennen an der B 170 durchführen zu können, gründete eine Truppe von acht Cross-Freunden im September 2016 den Verein Motocross-Club Bannewitz. Mittlerweile haben sich 43 Motorsport-Fans zusammengetan, um in Bannewitz den Sport zu betreiben.

Derzeit nutzt der Verein noch eine kleine Strecke im Gewerbegebiet Welschhufe, um dort die Jüngsten zu trainieren. Doch dies ist nur eine Zwischenlösung. „Die Trainings sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit“, erklärt Vereinschef Frank Zirnstein. Ohne regelmäßige Touren und daraus folgenden Einnahmen sei nicht nur das Cross-Rennen im Herbst schwer zu finanzieren. Die Strecke müsse auch unterhalten werden. „Es ist nicht unser Ansinnen, hier jeden Tag über die Piste zu knattern“, sagt Daniel Reichel, der zurzeit für die Cross-Trainings der Kinder extra eine Weiterbildung macht. Er möchte die Bedenken einiger Anwohner ausräumen. Derzeit plane der Verein mit 26 Trainingstagen pro Jahr. Dies stehe aber noch nicht endgültig fest. Man sei kompromissbereit.

Die Gemeinde überarbeitet gerade den Flächennutzungsplan. In dem Papier wird unter anderem geregelt, ob das betreffende Grundstück künftig für Motocross genutzt werden kann. Die Kommunalpolitiker haben parallel dazu erst Ende Juni grünes Licht dafür gegeben, dass für das Areal ein entsprechender Bebauungsplan erstellt wird. Damit wird unter anderem mit Lärmmessungen geprüft, inwiefern der Sport im Bannewitzer Norden für die kommenden Jahre möglich ist und ob dieser auch für Anwohner erträglich wäre.