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Bergsteiger sägen den Weg frei

Die Arbeiten am Klettergipfel im Bielatal sind ein Knochenjob. Helfer sind nur schwer zu finden.

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© Mike Jäger

Von Mike Jäger

Bialatal. Noch herrscht Stille am frühen Morgen im Bielatal. An der Verlassenen Wand fliegen zwei Wanderfalken um ein Felsloch herum. In der hohen Südwand des Klettergipfels suchen die Vögel einen Nistplatz. Ihrer Balz wird sicher bald die Brut folgen. Drei Männer mit Motorsägen und Kletterausrüstung beschließen, ihre Arbeit hier vorerst einzustellen und weiter entfernt die Säge anzusetzen, um zugewachsene Kletterfelsen freizuschneiden. Dort, wo die Falken nicht gestört werden.

Den Kletterfelsen Sonnenturm nimmt man hinter lauter Birken kaum wahr. Die hohen Bäume beschatten den Wandfuß, dadurch ist er feucht und grün bemoost. Der Zugangspfad ist mit Gestrüpp überwuchert. Um solche Stellen an Klettergipfeln kümmern sich Günter Priebst und Manfred Vogel vom Sächsischen Bergsteigerbund sowie Frank Rainer Richter von der Nationalparkverwaltung. Bergsportverband und Naturschutzbehörde hatten vor acht Jahren die Arbeitsgruppe „Freischneiden“ gegründet. Anlass dazu waren illegale Sägeaktionen. An den Lorenzsteinen waren stümperhaft massenweise Bäume gefällt worden. Das Gleiche im Tümpelgrund. Die Nationalparkverwaltung zog daraufhin die Notbremse – es folgte ein Kletterverbot.

400 Gipfel sind schon freigesägt

Die Lösung des Konflikts: Die Arbeitsgruppe arbeitet daran, Klettergipfel attraktiver zu gestalten. Hauptsächlich sind es Birken, die umgesägt werden, vor allem die Bäume, die eine Gefährdung und Behinderung für Kletterer darstellen. Manchmal müssen sich die Arbeiter dazu anseilen. Vor Ort beraten sie, was aus Naturschutzsicht vertretbar und sinnvoll für die Felskletterer ist. Frank Rainer Richter übernimmt die naturschutzfachliche Bewertung der Fälle. „Riffkiefern sind tabu“, sagt der Experte. Auch auf bestimmte Moose und Farne achte er.

Alle Arbeiten werden mit den zuständigen Revierförstern vom Sachsenforst abgesprochen. Aber: „Wir fordern nicht nur, wir helfen dem Forst auch“, sagt Günter Priebst. Vor Kurzem hat er 25 Leute aus seinem Kletterklub „Bergfinken“ zusammengetrommelt, die im Bielatal beim Tannenpflanzen halfen.

Über 400 Klettergipfel sind mittlerweile begutachtet und mehrheitlich freigesägt. Nach Pfaffenstein und den Nikolsdorfer Wänden werden jetzt Bielatalgipfel systematisch freigeschnitten. Nationalpark und Forst versuchen, die linkselbischen Klettergebiete interessanter zu machen, um den Besucheransturm aus den Kerngebieten der Sächsischen Schweiz zu verlagern. Ein Dutzend Birken, außerdem eine Fichte, sind am Sonnenturm gefällt. Manfred Vogel begutachtet das Werk und freut sich. „Den Kamin in der Talseite klettere ich im Frühling mal, der sieht gut aus.“

Die abgeschnittenen Äste und Stammstücke werden zur Hangsicherung und zur Begrenzung der Kletterpfade genutzt, was der Erosion entgegenwirken soll. Das Holzaufräumen ist anstrengend. „Es ist eine Schweinearbeit. Mir tun abends alle Knochen weh. Aber ich bin auch froh, wenn ich mal vom Computer im Büro weg komme“, sagt Frank Rainer Richter und stöhnt. Mehr Helfer wären schon nützlich. Günter Priebst zuckt resigniert mit den Schultern. „Leider findet sich niemand“, sagt er. Am Sonnabend, 16. April, soll eine weitere Pflanzaktion für Weißtannen im Glasergrund stattfinden. Dafür werden noch ehrenamtliche Helfer gesucht.

Anmeldung zur Pflanzaktion unter diesem Link