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Beuteltausch bei den Kängurus

Die Mutter hat ihr Jungtier verstoßen. Also hat Pflegerin Josefine Bruse diese Rolle übernommen. Ein stressiger Job.

© André Wirsig

Von Juliane Richter

Die Körperwärme der Mutter gehört zum Wohlfühlen. Nur so können Kängurubabys wachsen. Doch Aronga Judith blieb diese Wärme zwischenzeitlich versagt. Mutter Pia hat das Jungtier am 13. Mai einfach aus dem Schutz des eigenen Beutels geworfen. Deutlich unterkühlt haben die Mitarbeiter des Dresdner Zoos das etwa fünf Monate alte Jungtier gefunden und vorsichtig umsorgt. Als die Mutter die Kleine nicht mehr annehmen wollte, war klar, dass jemand anderes diese Aufgabe übernehmen muss.

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Kurz war Zootierarzt Dimitri Widmer eingebunden, dann übernahm Pflegerin Josefine Bruse. In einem Beutel eng am Körper hat sie das kleine, schutzbedürftige Känguru ab da mit sich herumgetragen. Etwa alle zwei Stunden brauchte es anfangs Kängurumilch. Die hat der Zoo eigens aus Australien und später aus den USA einfliegen lassen.

Mit der Flasche hat Josefine Bruse ihr die Milch eingeflößt. Auch nachts. Mit Geräuschen macht das Jungtier allerdings nicht auf sich aufmerksam – die 23-jährige Pflegerin muss ihren Wecker hören. Körperkontakt scheut das Tier durch die enge Bindung nicht. „Wir achten aber darauf, dass der Kontakt nicht zu eng wird. Sonst haben die Handaufzuchten später Probleme“, sagt Zookurator Matthias Hendel.

Mittlerweile ist das junge Weibchen etwa 2,5 Kilogramm schwer und aus dem Gröbsten raus. Wenn Pflegemutter Josefine Bruse im Zoo unterwegs ist, hängt sie es bei den warmen Temperaturen mittlerweile im Stall im Beutel ab. Kümmert sich die Pflegerin dann um die anderen Roten Riesenkängurus und macht deren Gehege sauber, ist der Schützling mit dabei. „Sie soll die Gerüche der anderen wahrnehmen und sich so an die Gruppe gewöhnen“, sagt die 23-Jährige.

So ganz vertraut Aronga Judith den fünf anderen Kängurus aber noch nicht. Lieber umhüpft sie die Beine ihrer Ziehmutter und kommt geschwind hinter ihr her, wenn diese durch das Gehege läuft. Bloß nicht den Kontakt verlieren, ist die Devise. Da das Jungtier schon langsam beginnt, Gras zu fressen, wird es bald nicht mehr auf die künstlich hergestellte Kängurumilch angewiesen sein. Gut anderthalb Jahre liegen in Dresden noch vor der Kleinen. Dann muss sie laut Kurator Hendel den Zoo verlassen, damit es zu keiner Fortpflanzung mit Vater Quincy kommt.