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Bewährung für Lausitzer TV-Sternchen

Nach Wein, Sekt und Erdbeerbowle setzt sich die Moderatorin Natalie Langer hinters Steuer. Sie fährt quer durch Berlin und verursacht einen Unfall. Ein Mann wird schwer verletzt. Sie habe es nicht bemerkt, meint das Gericht.

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© dpa

Berlin. Die Moderatorin Natalie Langer ist nach einem Autounfall mit einem Schwerverletzten bei einer Alkohol-Fahrt zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Berliner Landgericht verhängte am Mittwoch zudem eine Führerschein-Sperre von einem Jahr und legte Langer auf, 120 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Zu dem Unfall im Juli 2013 sei es infolge von Alkohol gekommen. Die 34-Jährige habe sich nach einem Barbesuch „nahe der absoluten Fahruntauglichkeit“ befunden.

Die Staatsanwaltschaft war zunächst von einem versuchten Mord durch Unterlassen ausgegangen, weil Langer nicht angehalten und keine Hilfe für den von ihr angefahrenen 50-jährigen Mann geholt habe. Richter Thomas Groß sagte in der Urteilsbegründung nach mehr als viermonatigem Prozess: „Sie hat aus unserer Sicht nicht wahrgenommen, dass sie einen Menschen verletzt hat.“ Deshalb lägen keine Unfallflucht und kein versuchter Mord vor. Auch die Staatsanwältin war von dem Vorwurf abgerückt. Sie hatte zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert.

Die aus Hoyerswerda in der Oberlausitz stammende Langer, die als „Big Brother“-Teilnehmerin vor rund zehn Jahren auch wegen ihres freizügigen Auftretens bekannt geworden war, hatte sich in der Nacht zum 26. Juli 2013 mit Freunden getroffen und schließlich am frühen Morgen im Stadtteil Charlottenburg die Heimfahrt angetreten. Rund 400 Meter von ihrem Wohnhaus in Treptow entfernt erfasste sie einen Kraftfahrer.

Der 50-Jährige habe gebückt an seinem Lkw gestanden und ein Bein nach hinten ausgestreckt, als es zur Berührung kam, hieß es im Urteil. „Nach einem Gutachten fühlte sich der Unfall an, als würde man über einen Ast fahren“, so das Gericht. Der Mann sei „wie ein Kreisel“ geschleudert worden. Er erlitt mehrere Brüche und musste über Monate hinweg im Krankenhaus behandelt werden. Bis heute leide er unter massiven Schmerzen, sagte der Richter. Auch seinen Arbeitsplatz habe der Mann verloren.

Die Fernsehmoderatorin, die sich auf fehlende Erinnerungen an den Unfall berief, und ihr mitangeklagter Lebensgefährte hätten sich nach dem Geschehen „verwerflich“ verhalten. Als das Paar erfuhr, dass es in der Umgebung zu einem schweren Unfall gekommen war, „zählten sie eins und eins zusammen“. Auf Vorschlag des 43-Jährigen sei der geleaste Unfallwagen, der einige Dellen aufwies, nach Polen gebracht und in Hoyerswerda als gestohlen gemeldet worden.

Beide Angeklagten hätten sich der Unterschlagung des Wagens sowie des Vortäuschens einer Straftat schuldig gemacht, befand das Gericht. Gegen den 43-Jährigen ergingen acht Monate Haft auf Bewährung. Zudem soll er als Auflage 2 500 Euro zahlen.

Langer nahm das Urteil regungslos auf. Ihr Verteidiger hatte kein konkretes Strafmaß gefordert, sich aber gegen den Entzug der Fahrerlaubnis sowie Sozialstunden ausgesprochen. Gegen Langer laufe zudem ein Zivilverfahren, hieß es am Rande des Prozesses. (dpa)