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Biberhunger sorgt für Bürgerärger

Dämme des geschützten Nagers verursachen rund um Rothenburg Hochwasser. Abhilfe ist nur begrenzt möglich.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

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Rothenburg. Eigentlich sind es ganz possierliche Tierchen. Im Film verfolgt man gern, wie Biber dank ihrer scharfen Zähne Bäume fällen, um an die begehrte Rinde oder die Zweige heranzukommen und wie sie aus dem gewonnenen Material auch noch ihre Dämme und Baue errichten. Doch im wirklichen Leben ist das Nebeneinanderleben mit Familie Biber nicht immer eitel Sonnenschein. So wie im Raum Rothenburg. Erst jüngst machten besorgte Bürger darauf aufmerksam, dass es im Bereich Welschgraben zu erhöhten Wasserständen gekommen sei, weil die Bauaktivitäten der unter Naturschutz stehenden Nager den Abfluss des Wassers behinderten.

Marlen Kolodziej kennt das Problem, immer wieder haben die Biber dort in der Vergangenheit für Überschwemmungen gesorgt. „Der Welschgraben wurde einst eigentlich aus wirtschaftlichen Gründen angelegt, was den Biber aber natürlich nicht stört. Er hat dort schon seit Längerem eine Heimat gefunden. Und wir sind bemüht, das Zusammenleben von Mensch und Tier verträglich zu gestalten“, erklärt die Leiterin des Fachbereichs Bau und Finanzen in der Rothenburger Stadtverwaltung. So habe man unter anderem einen Bibertäuscher eingebaut. Als solcher wird eine Rohrleitung bezeichnet, die das Wasser etwa drei Meter vor dem Biberdamm aufnimmt, an ihm vorbeileitet und vier bis fünf Meter danach wieder in den Graben fließen lässt. „Ohne Plätschergeräusch“, stellt Marlen Kolodziej klar. Denn dies würde den Biber zu neuen Bauaktivitäten animieren. Dessen zahlreiche Verbindungsgänge seien ohnehin ein weiteres Problem. Denn: „Nach und nach brechen die Ufer ab, weil das ganze Gelände unterhöhlt ist. Wir können da nur immer wieder mit Sand verfüllen.“ Betroffen von den Grabungen und Fällungen des Bibers seien sowohl private Grundstücksbesitzer als auch Landwirte. „Die müssen dann mit riesigen vernässten Flächen zurechtkommen, auf die sie keine schweren Maschinen schicken können.“ Neben dem Welschgraben betreffe das insbesondere auch das Gelände am Wiegandkanal, oberhalb der Winklermühle.

Die Bearbeitung der Biberprobleme geht die Stadt in enger Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises an. „Wer Schwierigkeiten mit den Tieren hat, wendet sich am besten an seine Gemeinde. Denn die Biber sind überwiegend an Gewässern zweiter Ordnung aktiv und für deren Unterhaltung sind die Kommunen zuständig“, erklärt Alexander E. Wünsche. Nach der Weiterleitung von der Gemeinde schaue er sich das Problem vor Ort an, erklärt der Sachbearbeiter den Verfahrensweg. „Wie wir dann vorgehen, hängt von dem jeweiligen Fall ab.“ Zuerst müsse man natürlich alle „sanften Mittel“ ausschöpfen, um den Biber an seinem angestammten Platz zu halten. Eine Variante sei zum Beispiel das Verlegen von Drainagerohren. Für diese Art von Arbeiten könnten Fördermittel beantragt werden. Nach der Vorfinanzierung sei eine 100-prozentige Erstattung möglich. Reguliert werden könnten natürlich auch die Dämme selbst, aber nur in den Zeitfenstern August bis Oktober sowie März und April. „In Ausnahmefällen kann man auch über die Entfernung eines Dammes nachdenken, um vor allem die Jungtiere zum Abwandern zu bewegen.“

Wünsche rechnet in den nächsten Jahren mit einer weiteren Zunahme der Biberpopulation und damit auch mit einer steigenden Anzahl von Problemen. Nachdem 1787 in dem heute zu Görlitz gehörenden Leschwitz der letzte Biber erlegt wurde, kommt er in der Neuzeit erst seit 1999 wieder vor. In der Nähe von Zodel wurde damals ein Exemplar gesichtet. Seitdem befindet sich der Nager auf dem Vormarsch. Auch wenn ihn Marlen Kolodziej im Raum Rothenburg als „nicht mehr sehr selten“ empfindet, sind die Tiere doch geschützt, „weshalb wir uns auch streng an die erheblichen Auflagen halten, die im Umgang mit dieser Art zu erfüllen sind“, sagt die Fachbereichsleiterin.

Alexander E. Wünsche setzt große Hoffnungen auf den beim Landschaftspflegeverband Oberlausitz angesiedelten Bibermanager, der voraussichtlich im März seine Arbeit aufnehmen soll. „Er hat nicht nur mit der Erstberatung in Problemfällen zutun, sondern ein ganzes Maßnahmebündel vor der Brust“, erläutert der Naturschutzexperte. Das zu betreuende Gebiet von Bad Muskau im Norden über Rothenburg, den Stausee Quitzdorf bis nach Zittau sei riesengroß. Sogar in Seifhennersdorf habe es schon Bibersichtungen gegeben.