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Biedenkopf verlässt Meissen-Aufsichtsrat

Das Ausscheiden des früheren sächsischen Ministerpräsidenten löst unterschiedliche Reaktionen aus.

© Matthias Rietschel

Von Peter Anderson

Dresden/Meißen. Wenige Worte können viel sagen. Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) habe sich mit Meissen-Aufsichtsratschef Kurt Biedenkopf und dessen Stellvertreter Franz Ritter „über die Porzellan-Manufaktur ausgetauscht“, hieß es gestern aus dem Ministerium. In der Folge würden der Ex-Ministerpräsident des Freistaats und der Heidenauer Unternehmer Ritter den Aufsichtsrat verlassen. Ausführlicher werde man nicht Stellung nehmen, so Sprecher Stephan Gößl.

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Ähnlich bedeckt hielt sich der Aufsichtsratsvorsitzende. Biedenkopf werde sich in den nächsten Tagen der Presse gegenüber zu diesem Thema äußern, teilte seine Kanzlei gestern mit. Der stellvertretende Aufsichtsratschef Franz Ritter sagte, es habe keine gemeinsame Aufsichtsratssitzung gegeben. Stattdessen seien er und Biedenkopf in Einzelgesprächen verabschiedet worden. „Der Minister hat mich gefragt, ob ich einem Wechsel im Aufsichtsrat entgegenstehen würde“, so Ritter. Den Grund für die Frage habe er allerdings nicht erfahren. Nach über 20 Jahren im Aufsichtsrat wollte der im Rentenalter stehende Heidenauer eine Verjüngung des Aufsichtsrates eigenen Angaben zufolge nicht blockieren.

Ritter betonte, wie Biedenkopf zum Ausbau der Meissener Produktpalette und der Internationalisierung zu stehen. „Dazu braucht das Unternehmen einen langen Atem, und das heißt Geld“, so Ritter.

In solchen Forderungen dürfte ein Knackpunkt für den Bruch zwischen Ministerium und Aufsichtsratschefs bestehen. Das von Biedenkopf und Ex-Geschäftsführer Christian Kurtzke vorangetriebene Aufweiten der Porzellan-Marke für Kleider und Möbel hat bislang rund 30 Millionen Euro Steuermittel gekostet. Finanzminister Unland hingegen betonte, die Manufaktur müsse stärker ihr Kerngeschäft Porzellan pflegen. Mithilfe des neuen Geschäftsführers Tillmann Blaschke setzte Unland in dem Betrieb einen radikalen Sparkurs durch. 90 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit.

In der Stadt Meißen löste die Nachricht vom Ausscheiden Biedenkopfs unterschiedliche Reaktionen aus. Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) lobte den Ex-Aufsichtsratschef dafür, nach der Wende verhindert zu haben, dass die Manufaktur privatisiert wurde. Kritik übte für die Bürgerinitiative „Manufaktur in Gefahr“ der frühere Manufaktur-Generaldirektor Reinhard Fichte. „Der Name Meissen steht für Porzellan, nicht für Schneiderei. Das hat Biedenkopf nicht gesehen“, so Fichte.

Laut Finanzministerium sollen in Kürze neue Aufsichtsratsmitglieder bestellt werden. Diese würden dann „aus ihrer Mitte“ einen neuen Vorsitzenden wählen.