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Big Joe feiert Band-Geburtstag mit Pauken und Trompeten 

Zwischen 11 und 80 Jahre alt sind die Musiker der Amateur-Big-Band und laden zum Jubiläumskonzert in die Johannstadthalle ein.

Big Joe beim Gastspiel im Albertinum. © Michael Kretzschmar

Von Lutz Müller

Diese Truppe weiß, wie Ohrwürmer gemacht werden. Doch bis die Rhythmen so locker, flockig und spaßig daher swingen, wie bei Big Joe, müssen die Musiker erst einmal sehr, sehr oft bis vier zählen. Oder bis drei. Das kann zwar jedes Kleinkind. Aber für die Hobby-Instrumentalisten ist genau das die Herausforderung: Sie müssen bei einem flotten Stück mit Ihrem Ton genau zwischen zwei Takte treffen. Und diese Mitte ist im Jazz meistens noch auf rätselhafte Weise verschoben. Das Gefühl dafür, wohin genau, haben Mitteleuropäer nicht gerade im Blut. Also heißt es: Viel Üben! Und Zählen!

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Seit Wochen proben die 20 Freizeitmusiker für ihr Jubiläumskonzert zum Fünfjährigen. Auf dem Programm stehen Jazz-Standards aus den 20er- und 30er-Jahren, Film-Musiken und angejazzte Rocktitel – Musik, die in die Beine geht. Viele der Jazz-Oldies spielt die Band auch mit eigenen lustigen, deutschen Texten versehen.

Das alles ist mit viel Aufwand verbunden. Takte zählen, unermüdlich üben – warum tut man sich das an? Weil sonst nichts zusammenpasst. Weil es toll ist, irgendwann den Aha-Effekt zu erleben. Und weil der Stolz groß ist, in einer solchen Band mitspielen zu dürfen. Und natürlich, weil es beim Auftritt großen Applaus gibt. So wie zuletzt von 100 Gästen im Albertinum bei den Musikfestspielen oder von 500 Grunaern beim Brunnenfest. Bandleader Carsten Nachtigall kann sagen: „Wir hatten noch keinen Auftritt, bei dem wir nicht anschließend eingeladen wurden.“

Teresa war sieben, als sie dazustieß. Sie spielt das größte Instrument der Band – ein Cello. Es überragt die Elfjährige auch heute noch. Klaus an der Bass-Gitarre ist Altrocker und schon 80. So wie Uwe. Der ist Saxophonist und könnte eigentlich Minderheitenschutz beantragen. Denn die meisten Saxophone bei Big Joe werden von Frauen gespielt. Und in der Band bläst ein echter Super-Star: Der 1. Preisträger von Jugend musiziert 2018, Ole Lehnert. Der 13-Jährige spielt die einzige Posaune in der Band und hält alle Bandkollegen mit seiner Wissbegier auf Trapp.

Dazwischen tummelt sich jedes Alter - vom Teenager bis zum Rentner - aus vielen Berufen. Das halbe Branchenbuch ist vertreten. Von der Studentin und der Kindergärtnerin über den Unternehmensberater, den Handwerker und den Selbstständigen bis zur Sachbearbeiterin oder Künstlerin ist alles dabei. Doch Alter und Beruf gelten eher als Nebensache. Wichtig ist den Big Joes, bei den Proben auf Gleichgesinnte zu treffen und voneinander zu lernen. „Ich hätte mein Saxophon ohne die Band wahrscheinlich längst in die Ecke gestellt“, sagt Kerstin. „Alleine, ziellos zu Hause vor mich hin zu üben, wäre mir zu langweilig. Hier werde ich gefordert. Und das ist gut“.

Außerdem ergeben sich oft Kontakte zu weiteren Musik-Projekten. Viele Big Joes spielen noch in anderen Formationen: In Kleinst-Besetzung bei Familienpartys, in einer großen Blaskapelle oder beim Gottesdienst im Posaunenchor. Was fehlt da zum Musiker-Glück? „Wir haben genug Luft nach oben“, sagt Bandleader Carsten Nachtigall. „Für den vollen Sound brauchen wir für Ole eine Verstärkung, also eine zweite Posaune, dazu eine zweite Gitarre und ein zweites Schlagzeug.“ Auch sonst ist jedes Blech willkommen.

Jubiläumskonzert: 15. März, 19 Uhr, Johannstadthalle, Holbeinstraße 68; Tickets gibt es dort und an der Abendkasse. Geprobt wird jeden Freitag ab 16 Uhr im Johannstädter Kulturtreff auf der Elisenstraße 35